Verhandlungen

12. August 2019 16:33; Akt: 12.08.2019 16:54 Print

So stehen die Chancen auf mehr Lohn für 2020

von Raphael Knecht - Die Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern stehen an. Das sind die Argumente der beiden Seiten.

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Mehr Geld im Sack: Geht es nach den Gewerkschaften, steht den Schweizer Arbeitnehmenden eine saftige Lohnerhöhung zu. Schliesslich wachse das Bruttoinlandprodukt seit Jahren. «Seit 2015 gelten die von der Finanzkrise angeschlagenen Margen in der Schweiz als erholt – Lohnerhöhungen liegen jetzt drin», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse. Dabei mussten Arbeitnehmende Reallohnverluste hinnehmen, da die Teuerung angezogen hat. Laut dem Arbeitgeberverband liegt die Produktivität jedoch unter dem Lohnniveau – es fehle darum der Spielraum, um überhaupt die Löhne zu erhöhen. Das Geschäft sei in vielen Exportbranchen eingebrochen: «Waren die Aussichten Anfang 2019 noch positiv, sind die Auswirkungen des Handelskonflikts zunehmend spürbar», sagt Simon Wey, Chefökonom Schweizerischer Arbeitgeberverband. Die Ungewissheit als Folge von Trumps Handelskonflikt mit China sowie ein drohender ungeordneter Brexit würden die Investitionssicherheit der Unternehmen einschränken. Einen Überblick zu den Löhnen in verschiedenen Berufen gibt das Lohnbuch: Ein verdient 6900 Franken ab Studium in der Grossregion Zürich. : 4450 Franken nach 4-ähriger Lehre mit EFZ. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7348 Franken. Ab dem 3. Dienstjahr sind es 8069 Franken (Grossregion Zürich). Als Bäcker mit EFZ verdient man ab dem ersten Berufsjahr mit GAV 4000 Franken. Ein Credit- und Riskmanager verdient 8769 Franken, wenn er neu in dieser Position ist. Ein Baufacharbeiter verdient ab 4720 Franken (mit EFZ). Ein Bauführer hat 7305 Franken Lohn pro Monat. 6156 Franken mit abgeschlossener Lehre oder Matur, 6990 Franken mit abgeschlossener Hochschul- oder Fachhochschulausbildung. Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 13'017 Franken im Kanton Zürich. 3800 Franken bis zum 2. Berufsjahr, 4000 Franken ab dem 5. Berufsjahr (12 oder 13 Monatslöhne, je nach Vereinbarung). Ein diplomierter Drogist verdient 3900 Franken in wirtschaftlich schwächeren Regionen, 4442 Franken in wirtschaftlich stärkeren Regionen (12 Monatslöhne). 3700 Franken im 1. Berufsjahr. : 4475 Franken mit EFZ, 5000 Franken ab fünf Jahren Berufserfahrung In einer Kindertagesstätte ist die Lohnempfehlung für eine Fachperson Betreuung (EFZ) 4200 Franken (12 Monatslöhne). 3850 Franken nach Lehrabschluss (12 Monatslöhne branchenüblich). Ein Chief Financial Officer, der neu in der Position ist, verdient 14'000 Franken monatlich. Ein Bankenanalyst hat 6558 Franken, ein Treuhänder 6500 Franken Lohn pro Monat – die Zahlen gelten ebenfalls für Angestellte, die neu in der Position sind. : Mitarbeiter mit EFZ erhalten im Service 4195 Franken. 4279 Franken nach Lehrabschluss. 4791 Franken erhält ein Verkehrswegebauer im Monat im 1. Jahr nach Lehrabschluss. Ein Baupraktiker Gleisbau verdient 4615. : 4715 Franken (ohne Berufsprüfung). Ein Informatiker EFZ hat 4615 Franken Lohn pro Monat (ohne Abschluss der BMS). Mit Masterabschluss an der Universität gibts 6669 Franken. Ein Wirtschaftsinformatiker verdient 6143 Franken bis zum 25. Altersjahr. : Ein Redaktor in der deutschsprachigen Schweiz erhält laut Lohnbuch 5189 Franken. : 4100 Franken (Grossregion Zürich). Landwirte EFZ erhalten 4500 Franken pro Monat. Primarschullehrer verdienen laut dem Lohnbuch 7016 Franken im Kanton Zürich (Kategorie III, Stufe 1). 4118 Franken nach Lehrabschluss. Ein Masseur hat als Einsteiger einen Monatslohn von 4400 Franken. 5553 Franken pro Monat (Kanton Zürich). 4200 Franken im 1. Berufsjahr. Ein Metzger mit EFZ verdient ab 4050 Franken monatlich. Ein Kehrichtbelader verdient 3813 Franken pro Monat. 4000 Franken ab dem 1. Praxisjahr (12 Monatslöhne). 6458 Franken für einen First Officer Narrowbody, ab dem 1. Dienstjahr, 8445 Franken für einen Captain Narrowbody, ab 1. dem Dienstjahr (12 Monatslöhne). Ein Gemeindepfarrer verdient 9084 Franken pro Monat. 5594 Franken im Kanton Zürich. 6573 Franken. : Ein Polizeisoldat/Gefreiter verdient 5594 Franken pro Monat (Kanton Zürich) Wer in der Saline arbeitet, kann mit einem Mindestlohn von 3712 Franken rechnen (Ungelernte, 20 bis 24 Altersjahre). Ab dem 20. Altersjahr können Schreiner laut GAV mit einem Lohn von 4018 Franken rechnen. 6339 Franken (Region Zürich). : 4000 Franken ab dem 20. Altersjahr (12 Monatslöhne). 3150 Franken (ab 1. Anstellungsjahr). Ein leitender Tierarzt verdient 11'320 Franken pro Monat. 4573 Franken pro Monat. 4500 Franken pro Monat mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Die Reinigungsbranche hat Ende letzten Jahre mit dem neu verhandelten Gesamtarbeitsvertrag Mindestlöhne von 4500 für Gebäudereiniger mit abgeschlossener Lehre EFZ sowie Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit eingeführt. Neu wird der Mindestlohn für Mitarbeitende ohne formale Grundbildung um rund 5 Prozent erhöht, wenn sie sich in einem 80 Lektionen umfassenden GAV-Lehrgang weiterbilden. : Detailhandelsangestellte verdienen 4100 Franken (ohne Berufserfahrung ab 20. Altersjahr). Mit 3- oder 4-jähriger Berufslehre sind es 4350 Franken. 5553 Franken. 4969 Franken pro Monat.

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Steigende Preise, teurere Krankenkasse, boomende Wirtschaft: Schweizer Angestellte wollen mehr Geld. Am Dienstag gibt der Arbeitnehmerverband Travail Suisse seine Lohnforderungen für 2020 bekannt. Der Verband Angestellte Schweiz forderte bereits Anfang Monat je nach Branche 1,1 bis 1,9 Prozent mehr Salär. Die Arbeitgeber warnen aber schon jetzt, dass die Forderungen überrissen seien. So argumentieren die beiden Seiten:

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Gewerkschaft
Reallohnverluste kompensieren

Bei Travail Suisse heisst es, die Wirtschaftslage in der Schweiz sei gut und die Aussichten solid: Das Bruttoinlandprodukt ist in den vergangenen beiden Jahren um 4,3 Prozent gewachsen. «Seit 2015 gelten die von der Finanzkrise angeschlagenen Margen in der Schweiz als erholt – Lohnerhöhungen liegen jetzt drin», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse.

Trotzdem sei stark auf die Lohnbremse getreten worden. Die Löhne hätten stagniert und die Teuerung habe angezogen – Arbeitnehmende mussten darum Reallohnverluste hinnehmen, wie die Gewerkschaft schreibt. Es bestehe darum Nachholbedarf bei den Löhnen.

Arbeitgeber
Exportgeschäft leidet

Der Schweizerische Arbeitgeberverband ist mit den Prognosen nicht zufrieden: 2019 ist mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent und einer Teuerung von 0,6 Prozent zu rechnen. Das Geschäft sei in vielen Exportbranchen eingebrochen: «Waren die Aussichten Anfang 2019 noch positiv, sind die Auswirkungen des Handelskonflikts zunehmend spürbar», sagt Simon Wey, Chefökonom des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Die Ungewissheit als Folge von Trumps Handelskonflikt mit China sowie ein drohender ungeordneter Brexit würden die Investitionssicherheit der Unternehmen einschränken. Und: Die Firmen hätten konjunkturelle Schwächephasen vor allem mit tieferen Margen, nicht mit Stellenabbau oder Lohnsenkungen ausgeglichen. Das schränke den Spielraum vieler Firmen ein, so Wey: «Das Geld für Lohnerhöhungen muss zuerst einmal erarbeitet werden.»

Sie wollen mehr Lohn? Wechseln Sie die Stelle!

Die Gewerkschaften finden, dass es höchste Zeit für Lohnerhöhungen ist – für die Arbeitgeber ist die Konjunktur nicht gut genug. Urs Klingler, Vergütungsexperte bei der Beratungsfirma Klingler Consultants, gibt seine Einschätzung zu den bevorstehenden Lohnverhandlungen:

Herr Klingler, die Argumente klingen vertraut, oder?
Es ist jedes Jahr das Gleiche: Die Gewerkschaft will Löhne systematisch anheben, weil die Wirtschaft gut läuft. Das ist eine generelle Sichtweise – nicht alle Firmen haben den gleichen Handlungsbedarf. So allgemeine Forderungen sind nicht mehr zeitgemäss.

Sondern?
Gewerkschafter sollten sich in erster Linie für spezifische Zielgruppen einsetzen. Etwa für Lohngleichheit für Frauen, Flexibilität für Familien oder besseren Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer. Und statt schweizweiter Mindestlöhne sollten Firmen diese individuell mit der Gewerkschaft aushandeln.

Wie kommt man selbst am ehesten an mehr Lohn?
Durch einen Stellenwechsel: Finden Sie eine alternative Position bei einer vergleichbaren Firma. Stellenwechsel sind in der Regel mit einem Lohnsprung verbunden.

Und wenn man mehr Lohn vom jetzigen Arbeitgeber möchte?
Dann rate ich, nach mehr Verantwortung zu fragen. Bei einer Beförderung kann der Lohn angepasst werden. Mit der Frage nach mehr Verantwortung signalisiert man dem Arbeitgeber aber, dass man nicht ganz zufrieden ist. Das kann problematisch sein, wenn eine Beförderung nicht möglich ist.

Wie entwickeln sich die Schweizer Löhne momentan?
Das Lohnniveau ist im Europavergleich sehr gut, die Löhne der Arbeitnehmenden mit einem Jahressalär von bis zu 140'000 sind in den vergangenen Jahren aber kaum gestiegen. Anders siehts bei den obersten Chefs aus: Hier nimmt der Lohn jährlich um rund 5 Prozent zu.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rico am 12.08.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich

    Habe seit fünf Jahren keinen Rappen mehr Lohn bekommen! Meine Firma hält sich nie an die Vorgaben! Es bekommen von den 80 Leuten in der Firma immer die selben fünf eine Lohnerhöhung! Die Stimmung steigt

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  • Marco S am 12.08.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaehhh

    Alle Jahre wieder wird geschrieben, dass es Lohnerhöhungen gibt. Da ja schliesslich alles teurer wird. nur bekommen ca 5 % eine, dann sind es auch noch die die ja sowieso schon den Hals voll haben. Toller Bericht.

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  • Is So am 12.08.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Lohn weniger Geld

    Ja Lohn geht Rauf und alles andere auch. Kennt man....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 17.08.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    RATTENSCHWANZ-POLITIK

    Alles von A-Z fühlt sich an wie Pest + Cholera. Setzt bei den Herbst-Parlaments-Wahlen 2019 auf Wirtschafts-Arbeitsplatz-Politik - Grüne-Wahl-Liste kann man vergessen weil den Steuerzahler nur auf der ganzen Linie mit Gebühren abzockt.

  • Wütender Steurzahler am 14.08.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständniss

    habe in einer Diskussion zwischen 2 Lehrern mitbekommen, wie Sie sich beschwerten, dass Sie ab 2019 'nur' noch eine automatische jährliche Lohnerhöhung von 1% erhalten... in der Privatwirtschaft gibt's meistens nix...

  • Stefan M. am 14.08.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Axa = Null

    Bei Axa sind diese Chancen absolut NULL, leider seit vielen Jahren!

  • George am 14.08.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Will ich mehr, arbeite ich schwarz dazu

    Mehr Lohn bekomme ich nur, wenn ich schwarz nebenbei noch arbeite. Sonst ändert sich da nicht wirklich was.

  • Manuel am 14.08.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    30i bachelor studium stv. leiter disposition 7600x13 + bonus 10% vom jahressalär Fair?