Versicherungen

01. März 2011 18:15; Akt: 01.03.2011 18:17 Print

Gleiche Prämie für Mann und Frau

Versicherer in der EU müssen die Unisex-Prämie einführen. Unterschiedliche Tarife für Mann und Frau seien diskriminierend. Schweizer Versicherer geben sich vom Urteil unbeeindruckt.

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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) findet es laut einem Urteil von Dienstag diskriminierend, wenn Versicherer das Geschlecht als Risikofaktor in die Prämien mit einbeziehen. Die Folge: Versicherungen in der EU müssen künftig die Unisex-Prämien einführen. Bisher bezahlten Männer wegen erhöhten Risiken beispielsweise bei Auto- oder Todesfallrisikoversicherungen mehr Prämie als Frauen.

Zur Begründung verweisen die Richter in Luxemburg auf die EU- Gleichstellungsrichtlinie aus dem Jahr 2004. Sie verlange geschlechtsneutrale Tarife im Grundsatz schon seit Dezember 2007. Diese wurden wegen zulässiger Ausnahmen aber immer wieder unterlaufen.

Damit ist bald Schluss: Den Versicherungen bleibt nach dem Urteil von heute noch Zeit bis zum 21. Dezember 2012 Zeit, um Unisex-Prämien einzuführen. EU-Justizkommissarin Viviane Reding sprach von einem «historischen Moment». «Alle Konsumenten müssen gleich behandelt werden», kommentierte EU-Justizkommissarin Viviane.

Vorerst keine Auswirkungen für Schweiz

Die Schweizer Versicherer geben sich vom Urteil des EuGH unbeeindruckt. «Nach unserer Einschätzung ist die Schweiz selbst nicht direkt betroffen», sagt Swisslife-Sprecher Dajan Roman zu 20 Minuten Online. Das Bundesgericht hielt 2004 fest, dass bei Urteilen des EuGH zu rechtlichen Fragen keine Bindungswirkung für die Schweiz besteht.

Dieser Meinung ist auch der Schweizerische Versicherungsverband SSV. «Das Urteil hat keine unmittelbaren Auswirkungen, möglicherweise aber eine Signalwirkung», so SSV-Sprecherin Selma Frasa-Odok zu 20 Minuten Online. Betroffen sind laut Frasa-Odok aber Schweizer Anbieter, die im EU-Markt tätig sind.

Unisex-Prämie als Nachteil für Frauen

«Die Schweizer Versicherer lehnen ein Verbot von unterschiedlichen Prämien für Mann und Frau ab, weil es dem Prinzip der risikogerechten Prämie widerspricht», sagt Frasa-Odok zu 20 Minuten Online. Unterschiedliche Prämien beruhten auf unterschiedlichen Risiken, die mess- und kalkulierbar seien.

Würde die Schweiz den Zwang zu gleichen Prämien einführen, wäre dies laut SSV zum Nachteil des weiblichen Geschlechts: «Frauen, die bisher in der Auto- oder Todesfallversicherung weniger zahlten, würden bei gleichen Prämien wie für Männer teilweise massiv benachteiligt», erklärt Frasa-Odok.

Frauen zahlen 25 Prozent mehr

Derweil wird in Deutschland über die Konsequenzen des Urteils gestritten. Der Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet höhere Prämien für alle. Die unterschiedliche Bewertung der Risiken habe bislang «ein insgesamt günstigeres Preisniveau» ermöglicht. Das Brüsseler Forschungsinstitut Open Europe rechnet damit, dass Frauen neu insgesamt 25 Prozent drauflegen müssen, während Männer zehn Prozent einsparen könnten. «Der Gesamteffekt für die Gesellschaft ist schlecht», sagte Open-Europe-Chef Pieter Cleppe.

«Dampfplauderei» nennt der Bund der Versicherten (BdV) derartige Rechnungen. Denn durch die Unisex-Tarife gebe es schliesslich auch nicht mehr Blechschäden oder Todesfälle. «Wenn die Prämien insgesamt erhöht würden, so dient dieses ausschliesslich der Gewinnsteigerung», warnt der Bund der Versicherten in Richtung der Anbieter.

(sas/sda)