Luxus auf Zeit

29. Januar 2019 09:53; Akt: 29.01.2019 09:53 Print

Globus vermietet jetzt Kleider und Handtaschen

von Dorothea Vollenweider - Im Trial Store von Globus können Modeartikel von Luxuslabels ausgeliehen statt gekauft werden. In Zukunft dürften solche Angebote zunehmen.

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Ein teurer Wintermantel von Boss, eine Luxushandtasche von Marc Jacobs – wer sich das nicht leisten kann, hat bei Globus nun die Möglichkeit, Artikel zu mieten statt zu kaufen. Im sogenannten Trial Store bezahlt der Kunde für 100 Tage ein Viertel des tatsächlichen Warenpreises. Wird das Produkt nicht zurückgeschickt, werden nach Ablauf der 100 Tage die restlichen 75 Prozent des Betrags in Rechnung gestellt. «Der Trial Store ist ein Testprojekt, das wir kürzlich gestartet haben», sagt Globus-Sprecherin Marcela Palek zu 20 Minuten. Nur Globus-Kunden wurden bisher per Newsletter darüber informiert. Globus will derzeit keine Aussagen zum neuen Angebot machen, da die Zukunft des Projekts noch völlig offen sei. Was mit den retournierten Artikeln passiert, ist auf der Website nicht klar ersichtlich. 20 Minuten weiss jedoch, dass der Grossteil der Ware nach der Testperiode von den Kunden gekauft wird. Zurückgesendete Artikel landen derzeit im Globus-Outlet. Werden die Artikel defekt retourniert, fallen für den Kunden keine weiteren Kosten an. Der Preis nach 100 Tagen ist allerdings im Globus oft günstiger, wie ein Vergleich zeigt. 139.90 Franken (danach 570 Franken) 399 Franken (statt 570 Franken) 89.90 Franken (danach 359.90 Franken) 179.95 Franken (statt 359.90 Franken) 87.50 Franken (danach 349.90 Franken) 349.90 Franken 56.90 Franken (danach 229 Franken) 229 Franken «Die Konsumenten überlegen sich immer mehr, welche Dinge sie effektiv noch besitzen müssen», sagt Zukunftsforscherin Marta Kwiatkowski Schenk vom Gottlieb-Duttweiler-Institut. Nachhaltigkeit sei für viele Konsumenten ein zunehmend wichtiges Thema. «Wir werden also in Zukunft sicher noch mehr solche Leihmodelle antreffen», so Kwiatkowski Schenk. Auch Ikea will künftig Möbel vermieten, wie CEO Jesper Brodin kürzlich zur «NZZ am Sonntag» sagte. Das Unternehmen arbeite intensiv am Konzept, bestätigt ein Sprecher von Ikea Schweiz gegenüber 20 Minuten. Wann genau das Angebot lanciert wird, will Ikea aber noch nicht verraten. Das Angebot richte sich vor allem an Personen, deren Lebensumstände sich schnell ändern könnten, etwa Studenten, Expats oder Familien. Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), sagt zu 20 Minuten: «Mich wundert es, dass es das nicht schon lange gibt.» In Ländern wie den USA sei das Vermieten von Möbeln seit Jahrzehnten etabliert. Dass die gemieteten Möbel bereits gebraucht sind, sei für Konsumenten in der Regel kein Problem, sagt Slembeck von der ZHAW: «Wer eine Polstergruppe für wenig Geld im Monat mietet, nimmt in Kauf, dass sie nicht mehr neu ist.»

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Ein teurer Wintermantel von Boss, eine Luxushandtasche von Marc Jacobs – wer sich das nicht leisten kann, hat bei Globus nun die Möglichkeit, Luxusartikel zu mieten statt zu kaufen. Im sogenannten Trial Store bezahlt der Kunde für 100 Tage ein Viertel des tatsächlichen Warenpreises.

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Beim Wintermantel von Boss wären das bei einem Vollpreis von 849 Franken noch 212 Franken. Wird das Produkt nicht zurückgeschickt, werden nach Ablauf der 100 Tage die restlichen 75 Prozent des Betrags in Rechnung gestellt.

«Der Trial Store ist ein Testprojekt, das wir kürzlich gestartet haben», sagt Globus-Sprecherin Marcela Palek zu 20 Minuten. Da die Zukunft des Projekts noch völlig offen sei, will die Warenhaus-Kette derzeit keine weiteren Aussagen zum neuen Angebot machen. Laut der Website erhält der Kunde bei Bestellung ausschliesslich neue Ware. Was mit den retournierten Artikeln passiert, ist auf der Website nicht klar ersichtlich.

Leihen ist nicht immer günstiger

Wie 20 Minuten aber von Insidern weiss, wird der Grossteil der Ware nach der Testperiode von den Kunden gekauft. Zurückgeschickte Artikel landen derzeit im Globus-Outlet. Werden die Artikel defekt retourniert, fallen für den Kunden keine weiteren Kosten an.

Wie ein Preisvergleich zeigt, fahren Konsumenten in manchen Fällen allerdings günstiger, wenn sie die Artikel statt im Trial Store direkt im Globus kaufen.

Der Grund: Im Globus gibt es oft Rabatte, von denen man im Trial Store nicht profitiert, wenn man ein Produkt nach 100 Tagen definitiv kauft. Ein Beispiel-Ensemble mit Kleid, Mantel, Tasche und Schmuck kostet nach 100 Tagen rund 350 Franken mehr, als wenn man es direkt im Globus gekauft hätte:

Sharing erobert die Konsumwelt

Sharing-Modelle haben sich in den letzten Jahren auf fast alle Bereiche des Konsums ausgeweitet. Erst vor kurzem kündigte der Möbelriese Ikea an, in der Schweiz bald auch Möbel zu vermieten.

«Die Konsumenten überlegen sich immer mehr, welche Dinge sie effektiv noch besitzen müssen», sagt Zukunftsforscherin Marta Kwiatkowski Schenk vom Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Nachhaltigkeit sei für viele Konsumenten ein zunehmend wichtiges Thema. «Wir werden also in Zukunft sicher noch mehr solche Leihmodelle antreffen», so Kwiatkowski Schenk.

Nachhaltiges Angebot oder Schuldenfalle?

«Mieten ist das neue Kaufen», sagt auch Marketingexperte Felix Murbach. Ein Grund dafür sieht er im zunehmenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Des Weiteren sei der Trend zur Miete auch wegen Social Media nicht mehr aufzuhalten. In den sozialen Medien wollen sich angehende Influencer laut Murbach ins beste Licht rücken. Da kommt ein Dienst, der ihnen den vorübergehenden Besitz einer Luxushandtasche trotz tiefem Budget ermöglicht, sehr gelegen. Ist das Video für die neuste Instagram-Story gedreht, wird der Artikel einfach wieder zurückgeschickt und ein neuer bestellt.

Können Jugendliche dadurch in die Schuldenfalle geraten? «Ein Viertel des Kaufpreises für die Miete zu bezahlen, ist doch recht happig», findet Schuldenberater Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung zum Angebot von Globus. Das Verschuldungsrisiko schätzt er dennoch als klein ein, solange es nicht um allzu teure Sachen gehe.

Netflix für Kleider

Beim Kleiderverleih dürft es in Zukunft laut Kwiatkowski Schenk nicht bleiben: Laut der Trendforscherin könnte sich die Modebranche bald ein Vorbild an Streamingdiensten wie Spotify oder Netflix nehmen.

«Ein Netflix für Kleider wäre durchaus denkbar», sagt sie zu 20 Minuten. «Der Nutzer bekommt seine Garderobe im Abonnement angeboten: Basics werden wie Sockenabos regelmässig geliefert, andere Teile je nach Geschmack und Saison befristet angeboten.»

Und natürlich würde die dahinter liegende künstliche Intelligenz den Geschmack der Kunden immer besser kennen und ihn vielleicht auch ab und an mit einem mutigen Teil überraschen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SKNOWS am 29.01.2019 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der Konsum wird ja immer schlimmer...

    wenn man es sich nicht leisten kann dann belässt man es lieber... Ist ja oberpeinlich, eine Tasche für 400.- zu "leihen" obwohl man keine 400.- in der Tasche besitzt...

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  • J.P. am 29.01.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Katastrophe

    naja. dann können ja noch mehr Leute herumlaufen als hätten sie Geld und haben keines! Wirklich traurig wie sich unsere Welt entwickelt. So tun als ob, aber nichts ist da.

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  • Marga Kälin am 29.01.2019 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte

    Etwas mehr Selbstbewusstsein und du bist auch ohne Labels toll.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter am 30.01.2019 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traum

    wenn es nicht mehr läuft, kommen die verrücktesten ideen. dann folgt meistens der untergang.

  • Peter am 30.01.2019 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Geschäftsmodell

    Bei Zalando kann man Luxuskleider über das Wochenende bestellen und dann kostenlos zurückschicken. Da muss man nichts mieten.

  • kerstin Elner Fine Living Fashion Store am 30.01.2019 06:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sharing erobert die Konsumwelt

    wenn das die Zukunft sein soll, beginnt der Ausverkauf. Der Fachhandel /Mittelstand hat verloren. Wir können unsere Produkte nicht verleihen, wir gehen zur Vororder und sind bemüht Rechnungen pünktlich zu zahlen, was seit einigen Monaten auch nicht immer gelingt. Das Januarloch...die Ferien ....ist schon deutlich bei den Umsatzzahlen zu bemerken, der aggressive Online Handel mit Markenprodukten, Zalando-kostenlose Retoure... das macht uns schon seit Jahren das Leben schwer, aber das ist der Gipfel.....unsere ganze Energie, Ersparnisse und unser Herzblut stecken in unserem Unternehmen...

  • Malou am 30.01.2019 05:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl kaum die Regel...

    Den Service würde ich wohl nur in Betracht ziehen oder benutzen, wenn ich für einen speziellen Anlass ein entsprechendes Outfit bräuchte, welches ich aber danach für Jahre gar nicht mehr tragen könnte. Sonst lieber qualitativ gute, klassische Sachen kaufen, die man lange trägt.

  • Kerstin Elsner am 30.01.2019 04:57 Report Diesen Beitrag melden

    Globus-Kleiderverleih bei Luxuslabeln???

    Was wird aus uns Mittelständlern/ Fachhandel-sollen wir jetzt schliessen?????? Ich persönlich finde diese Strategie mehr als fragwürdig, erst kommt Zalando und macht uns das Leben schwer mit dem portofreien Rückversand, der Onlinehandel der letzten Jahre wird aggressiver- wir Mittelständler haben kein Outlet?????? Also wohin damit ich stelle schon die letzten Artikel einer Kollektion bei Ricardo ein... Wenn das das Konzept des Handels in Zukunft ist schliessen noch mehr Boutiquen Fine Living Fashion Store Uznach

    • Benno Gehrig am 30.01.2019 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Kerstin Elsner: Geschäftsmodell falsch?

      Ein "normaler" Kleiderfachhandel ist in der heutigen Zeit schlicht kein gewinnbringendes Geschäftsmodell mehr. Leider sehen das immer noch viele Boutique- und Lädeli-Besitzerinnen nicht ein. Mode ist so schnell-lebig, das funktioniert höchstens noch mit spezialisierter Bekleidung (Berufskleider, spezielle Grössen, besondere Materialien). Neue Ideen sind gefragt und das probiert jetzt Globus. Ob diese Idee funktioniert, werden wir schon bald erfahren.

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