Deutschland hat genug

08. Juni 2011 20:36; Akt: 08.06.2011 20:37 Print

Griechenland soll raus aus der Währungsunion

von Sandro Spaeth - Deutsche Politiker und Ökonomen wollen die Griechen aus der Eurozone raus haben. Sie fordern Athens Austritt aus der Währungsunion – um den Euro zu retten.

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Griechenland wird für die Euro-Zone immer mehr zur Belastung. (Bild: Keystone)

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Der Unmut über die EU-Finanzpolitik wächst und wächst. Genug von den ewigen Rettungspaketen und neuen Milliardenhilfen an die Griechen hat der deutsche FDP-Politker Frank Schäffler. Im ARD-Morgenmagzin vom Mittwoch legte der Bundestagsabgeordnete Griechenland den Austritt aus der Euro-Zone nahe. Damit liesse sich das Kernproblem einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft kurzfristig am einfachsten beheben. Eine Umschuldung lehnt Schäffler klar ab. «Dann werden morgen wieder neue Schulden gemacht und die Probleme sind dieselben.»

Fakt ist: Ein Jahr nach der Rettung Athens steht das Land noch immer am Abgrund. Trotz massiver Reformen – oder gerade deswegen – kämpft Griechenland mit der Rezession. Die Schulden nehmen weiter zu, statt zu sinken. Das klamme Griechenland hängt vollständig am Tropf des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie den EU-Mitgliedsländern und wartet aufs nächste milliardenschwere Rettungspaket.

Euro als Fehlkonstruktion

Verständnis für Schäfflers Austritt-Forderung hat der Ökonom und Euro-Kritiker Bruno Bandulet. Der Autor des Buches «Die letzten Jahre des Euro» betrachtet die Gemeinschaftswährung schon lange als Fehlkonstruktion. Für die Euro-Zone wäre es laut Bandulet das Beste, wenn Athen austreten würde. «Doch die politischen Führungen von EU, EZB und auch jene Deutschlands wollen den Euro auf Gedeih und Verderb zusammenhalten», wettert der Ökonom im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Laut Bandulet hätte man bei der Gründung der Gemeinschaftswährung besser nur die starken Länder miteinbezogen und den «Club Med» mit Portugal, Italien, Griechenland und Spanien aussen vor gelassen. Dann hätte die Währung jetzt nicht solche Probleme.

Austritt als kleineres Übel

Schäfflers Idee mit der Austritt der Griechen aus der Eurozone ist nicht ganz neu. Auch bekannte Ökonomen haben dieses Szenario bereits durchgedacht. Einer davon ist Professor Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts München. Er bezeichnete Athens Ausstieg aus dem Euro in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen SonntagsZeitung» im Mai als das kleinere Übel, anstatt die Griechen auf Kosten der Euro-Länder zu sanieren.

Dies sieht Bandulet ähnlich: «Die Griechen sind einfach Pleite». Die einzige wirkungsvolle Massnahme sei ein Austritt. Dann könnte Griechenland endlich die Währung abwerten und wettbewerbsfähiger werden. Der Gefahr, dass nach dem Austritt Griechenlands andere Länder wackeln könnten, ist sich Bandulet bewusst. Dieses Risiko könne man nicht ausschliessen. Zudem droht bei einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone ein Bank-Run. Die Folge: Die Griechischen Banken wären pleite und müssten sich mit Hilfe er EU neu finanzieren.

Eine Verlängerung der Kredite, wie sie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert, findet Bandulet wenig sinnvoll. «Damit wird das Problem nur verschleppt.» Die finale Euro-Krise werde aber mit Sicherheit kommen, vielleicht in fünf, vielleicht aber auch erst in zehn Jahren, so der Buchautor.

Furcht vor ungeordneter Insolvenz

Derweil werden Schäubles Sorgenfalten immer grösser. In einem Brief an EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sowie die EU-Finanzminister schrieb der Deutsche:. «Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone». Eine Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt im Jahr 2012 scheine unrealistisch, so Schäuble im Brief, der der Zeitung «Welt» vorliegt. Laut Schäuble bedeutet dies, dass die jetzigen Hilfsmilliarden nicht ausreichen, um Athen zu retten.

Dass sich das offizielle Deutschland stark für Griechenlands einsetzt, kommt nicht von ungefähr. Im Gegensatz zu anderen Euro-Ländern, welche griechischen Staatsanleihen in grossem Umfang abgestossen hatten, sitzen die deutschen Banken weiterhin auf griechischen Papieren. «Schäuble hatte dies so gefordert», sagt Bandulet. Anders Frankreich. Die «Grande Nation» hat ihre griechischen Papiere im letzen Jahr von 27 auf 15 Milliarden Dollar. zurückgefahren.

Griechische Tragödie

Mittlerweise ist Deutschland im internationalen Vergleich Rekordhalter griechischer Staatsanleihen. Der Stand lag Ende 2010 bei 22,7 Milliarden Dollar, die gesamten Forderungen Deutschlands gegenüber Griechenland belaufen sich auf 34 Milliarden. Bei diesen Zahlen ist Schäubles Panik eines Untergangs der Griechen verständlich. In Anbetracht, dass ein neues Hilfspaket an die Adresse Athens aber erneut 60 bis 100 Milliarden Euro verschlingen könnte, ist auch die Forderung, Griechenland möge den Euro verlassen, nachvollziehbar. Eine griechische Tragödie.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • markus am 09.06.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    HahA

    Die ganze EU ist nichts als ein schlechter witz, ein teurer leider :-)

  • Franz W. Seibold am 08.06.2011 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    Aus mit Eu(ro)phorismus

    Freut mich, das zu hören/lesen.

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  • Solothurner am 09.06.2011 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt gehts los

    So und nun an die Arbeit in Bern, jetzt kann man mit dem Planen beginnen wie sich die Schweiz verhalten soll wenn der Euro zu grunde geht und wie wir uns schuetzen vor dieser kommenden Mega-Krise!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • R.S. aus K. am 09.06.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich naiv

    Und in der Schweiz gibt es noch immer viele Personen, die einen EU-Beitritt als sinnvoll ansehen. Trotz diesen enormen Krisen. Unglaublich naiv!!!

    • Alpkäse am 17.06.2011 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      27 Melker in Brüssel warten schon längst

      auf eine fette Schweizer Kuh. Aber auch eine noch so ausgepresste Schweizer Milchkuh würde die EU-Misswirtschaft nicht retten. Bleiben wir besser auf unseren saftigen Weiden und verhindern, dass unser Rahm nicht nur von einigen gierigen Managern abgeschöpft wird.

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  • Carmen Electra am 09.06.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die EU-Länder sind im Niedergang!

    Wann kapieren das endlich diejenigen Regierungen dies betrifft? Jeder, der das jahrzehntelange EU-Schauspiel verfolgen konnte wusste, dass das alles nur eine Frage der Zeit ist bis alles platzt. Und nun ist die EU Seifenblase am Platzen! Da ist nicht mehr viel zu retten.

  • s.s. am 09.06.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung ?

    Euro und Dollar ade, Amero wird kommen, weltweit die neue Währung. Der Amerikaner hat kein Interesse an einem Verfall des Euro. Der Dollar ist auch hoch verschuldet. Bin gespannt, was in Zukunft passiert.

    • Supermario am 09.06.2011 17:41 Report Diesen Beitrag melden

      Amero?

      Oder Globo, aber im Ernst gibts wohl kaum gleich eine Weltwährung. Dort wissen es dann 200 Nationen besser wie es gehen soll. Viel Vergnügen!

    • Nepomuk007 am 09.06.2011 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      Irrweg

      Die Lösung liegt nicht in noch grösseren Strukturen!

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  • Baslerbebbi am 09.06.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Sollte es der EU und auch Griechenland nach einen Euroausstieg plötzlich besser gehen, so wäre das Interesse anderer Staaten sehr gross, den Euro auch zu verlassen.

    • Supermario am 09.06.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Kaum 50/50-Chance

      Wäre ein Versuch wert; nur wie soll es GR nach einem Austritt gehen. Die Chancen für eine signifikante Besserung kann sich jeder selber vorstellen.

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  • Jessi am 09.06.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Stabilitätspakt?

    Es wird jetzt endlich mal Zeit, dass man sich an die Regeln hält, die man unterschrieben hat! Es gibt nicht umsonst einen Stabilitätspakt, den alle Länder der WU unterschrieben haben. Im alltäglichen Leben kann man auch nicht einfach Regeln setzen und dann Ausnahmen machen! Griechenland soll entweder raus aus der EU oder man kittet einfach die ganze EU wieder, da das sowieso der grösste Schwachsinn ist, den man jemals gemacht hat!