«Weissgeldstrategie»

29. Februar 2012 12:34; Akt: 29.02.2012 13:32 Print

Grübels Unwort des Jahres

Für den früheren Chef von UBS und Credit Suisse (CS), Oswald Grübel, ist das Bankgeschäft nicht mehr das, was es einmal war. Die Weissgeldstrategie sei ein Spiel mit dem Feuer.

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«Wir spielen mit dem Feuer. Oder glauben Sie, dass noch jemand sein Geld in die Schweiz bringt?», fragt Oswald Grübel. (Bild: Keystone)

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«Die Zeiten des Wachstums sind vorbei», sagt Oswald J. Grübel im Interview mit der «Handelszeitung». «Die beiden Schweizer Grossbanken werden ihre Bilanzen halbieren und in den nächsten fünf Jahren kleiner und kleiner werden», so Grübel. Das werde sich auf die gesamte Volkswirtschaft auswirken.

Grosse Zweifel hegt der Vollblutbanker an der Umsetzung der Weissgeldstrategie des Bundesrats. «Weissgeldstrategie? Das ist für mich das Unwort des Jahres», sagt Grübel.

Ein Spiel mit dem Feuer

«Bei einer Weissgeldstrategie müssten Sie sicherstellen, dass jemand, der Geld in die Schweiz bringt, es tatsächlich versteuert hat in seiner Heimat und dass er auch in Zukunft Steuern darauf zahlt. Um das zu können, ist ein riesiger administrativer Aufwand nötig - wenn es überhaupt möglich ist. Aber von manchen Staaten kennen Sie ja nicht einmal die Steuergesetzgebung. Das wollen wir einführen?»

Grübel geht davon aus, dass bei einer Umsetzung der Weissgeldstrategie die Zuflüsse an ausländischen Kundengeldern versiegen werden. «Wir spielen mit dem Feuer. Oder glauben Sie, dass noch jemand sein Geld in die Schweiz bringt?», fragt Grübel.

CS mit weniger Bürokratie

Grübel war bis im vergangenen September Konzernchef der UBS und ist nach dem milliardenschweren Betrugsfall eines UBS-Händlers in London freiwillig zurückgetreten. Im Vergleich der beiden Schweizer Grossbanken attestiert er der UBS im Moment eine bessere Verfassung: «Die UBS hat den Vorteil, dass sie die grossen Probleme mit den USA schon hinter sich hat und sich nun gezielter um ihr Geschäft und ihre Zukunft kümmern kann.» Dennoch hält Grübel die Kultur der CS für «spontaner und dynamischer» als diejenige der UBS. «Die CS hatte immer weniger Bürokratie», erklärt Grübel, der beide Grossbanken einst geleitet hat.

Für den gebürtigen Deutschen hat das Schweizer Bankgeheimnis aufgehört zu existieren. Im Gesetz gebe es das Bankgeheimnis zwar noch, aber in der Praxis habe es «grosse Löcher, seit die Daten-CDs nach Deutschland und überallhin verkauft wurden». Darum fragt Grübel: «Wie gut ist ein Gesetz, das Sie nicht mehr durchsetzen können?» Und ergänzt: «Es ist kein gutes Zeichen für einen Staat, wenn er Gesetze erlässt, die er nicht einhält. So wird das Bankgeheimnis zur Farce.»

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sigi am 29.02.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Weissgeld gleich Risiko...

    Das kann doch nicht stimmen... wenn Weissgeld schon ein Spiel mit dem Feuer ist, dann ist Schwarzgeld wohl ein Spiel mit Nitroglycerine. Hat doch die Vergangenheit gezeigt. Das muss mir Herr Gruebel schon ein wenig naeher erklaeren...in einfachen Worten bitte..

  • mag recht am 29.02.2012 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    recht

    Ich mag Grübel nicht. Aber wo er recht hat, hat er recht.

  • Schweizermann am 29.02.2012 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eu-futter

    Es geht hier nicht um Schwarzgeld. Sonder um die Zerstörung der Schweiz als alleinständiger Staat. Damit wir von der Eu einverleibt werden. Uns schwächen bis es anderst nicht mehr geht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sigi am 29.02.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Weissgeld gleich Risiko...

    Das kann doch nicht stimmen... wenn Weissgeld schon ein Spiel mit dem Feuer ist, dann ist Schwarzgeld wohl ein Spiel mit Nitroglycerine. Hat doch die Vergangenheit gezeigt. Das muss mir Herr Gruebel schon ein wenig naeher erklaeren...in einfachen Worten bitte..

  • Jazzer Mai am 29.02.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Adieu Finanzplatz Schweiz

    Mit der Weissgeldstrategie verliert der Finanzplatz Schweiz an Kundengeldern und Beliebtheit.

  • Hans Gerber am 29.02.2012 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähiger Bundesrat

    Unser Bundesrat ist unfähiger denn je. Er vertritt mehr und mehr die Interessen des Auslands statt die unsrigen!

  • Martin von Reding am 29.02.2012 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat und FDP

    Weissgeld-Strategie der FDP, neu des Bundesrates (BR), heisst nichts als früher gab es eine Schwarz-Geld-Strategie. Schlechter und dümmer kann sich die Schweiz nicht verkaufen, oder? Wer eingermassen normal war, hat in den letzten zehn Jahren keine Schwarzgelder angenommen.

  • Ossi am 29.02.2012 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo er Recht hat, hat er Recht!

    Einmal mehr hat der alte Fuchs recht!