Cargo Sous Terrain

26. Januar 2016 21:04; Akt: 26.01.2016 21:04 Print

Güter-U-Bahn soll Camionflut eindämmen

von F. Lindegger - Ein Konsortium will Güter ab 2030 in einem unterirdischen Tunnelsystem transportieren. Für weniger Verkehr auf der Strasse dürfte das trotzdem nicht sorgen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Schweizer Gütertransport soll in den Untergrund verlagert werden. Zwischen Genf und St. Gallen will ein Konsortium, dem unter anderem Coop, Migros, SBB, Post und Swisscom angehören, ein Tunnelsystem mit automatisierten Transportfahrzeugen bauen lassen. Cargo Sous Terrain (CST) heisst das Mega-Projekt und sei technisch und wirtschaftlich machbar, erklärten die Initianten am Dienstag. Bis 2030 soll nun ein erster Tunnel zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich realisiert werden. Finanzieren sollen das 3,5 Milliarden Franken teure Projekt private Investoren. Die Kosten für das gesamte System können noch nicht beziffert werden.

Mit der Waren-U-Bahn im Schweizer Mittelland würde sukzessive die Zahl der Camions auf den Autobahnen gesenkt. «Bei einer Realisierung des ersten Teilstücks können wir 20 Prozent der Lastwagen von der A1 holen», sagt Daniel Wiener von CST. Werde das gesamte Netz zwischen Genf und St. Gallen inklusive der drei Anbindung nach Basel, Thun und Luzern gebaut, erhöhe sich diese Zahl auf 40 Prozent.

Mehr Waren wegen Online-Handel

Weniger Verkehr dürfte es auf den Strassen deswegen aber nicht geben. «Das Verkehrsaufkommen hängt vor allem mit der Kapazität zusammen», sagt Wiener. Verschwinde ein Teil des Verkehrs von der Strasse, laufe dieser flüssiger und werde entsprechend attraktiver für andere Teilnehmer.

Der Hauptgrund für das Projekt CST ist die erwartete Zunahme beim Gütertransport. Von 2010 bis 2030 dürfte dieser laut den Initianten um bis zu 45 Prozent steigen. Auch wegen der immer grösser werdende Bedeutung des Online-Handels: «Für die Logistik bedeutet das permanente Einzellieferungen», erklärt Coop-Chef Joos Sutter. Genau dies könne mit einem Transportsystem im Untergrund, das rund um die Uhr vollautomatisch funktioniere, gewährleistet werden. Weil zudem die Kapazitäten der Schiene und der Strasse in den kommenden Jahren nicht mehr gross ausgebaut würden, dränge sich die Suche nach Alternativen auf, so die Initianten.

Ohne Gesetz gibt es keinen Tunnel

Ob das Mega-Projekt tatsächlich umgesetzt wird, hängt aber auch davon ab, ob der Bundesrat ein spezielles CST-Gesetz erlassen will. Analog zu anderen Infrastrukturprojekten müsste so nicht in jeder Gemeinde ein Baubewilligungsgesuch gestellt werden. Zudem würde ein CST-Gesetz auch regeln, dass der Zugang zur Gütermetro allen offen steht. «Der Tarif für die Benützung des Systems ist für alle gleich. Es gibt keinen Rabatt für jene, die vorgängig investiert haben», sagt Wiener.

Die geplanten CST-Tunnels sind explizit nur für den Transport von Gütern konzipiert. Die Fahrzeuge bieten Platz für zwei Paletten und sollen mit 30 Kilometern pro Stunde verkehren. Es sei ein Projekt «aus der Wirtschaft für die Wirtschaft», so die Initianten. Ein Transport von Personen, wie es etwa das Projekt Swissmetro vorsah, wäre aufgrund der Sicherheitsbestimmungen ein Vielfaches teurer und nicht finanzierbar.

Das Projekt für eine Güter-U-Bahn ist nicht nur in der Schweizer Wirtschaft breit abgestützt. Die Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Zürich, in denen das erste Teilstück gebaut werden soll, begrüssen das Projekt ebenfalls. Und auch bei Umweltverbänden wie dem Verkehrsclub der Schweiz geniesst die Idee Sympathien. Mit dem CST sollen bis zu 80 Prozent CO2 pro transportierte Tonne Güter eingespart werden können.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chilenito am 26.01.2016 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    super idee...

    einklappen einklappen
  • Jana am 26.01.2016 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit

    Niemand wird deswegen arbeitslos sein. Im Gegenteil, es werden neue Jobs geschaffen. Ausserdem geht die Warenmetro von Zentrum zu Zentrum. Die Ware muss also vom Zentrum weitertransportiert werden. Auch das Stromargument löst sich in Luft auf. 30kmh ist so langsam dass kaum Strom gebraucht wird. Bis 2030 ist das Stromproblem längst gelöst. Es braucht halt Wille zur Veränderung. Schade dass soviele hier negativ sind. Ich finds super.

  • Mobility Benutzer am 26.01.2016 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder denkt für sich

    Der Verband der Transportunternehmen ASTAG warnt schon jetzt davor, dass Mittel der Strassenfinanzierung in diese Art Gütertransport investiert werden. Dabei ist doch die Strassenabnutzung durch den Gütertransport grösser als bei Autos - also Mit-Finanzierung der entlastenden Lösung wäre nicht gleich abzulehnen?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • beno am 27.01.2016 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu modern füt die schweizer

    soetwas für die schweiz, wir liebeb strassenverstopfende trams, busse, lastwagen, züge aud stahlschinen durch die schönstem Landschaften!

  • Mogli am 27.01.2016 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Personentransport?

    Warum werden so nur Waren und keine Personen transportiert? Würde dem Projekt ne Menge Kohle nebenbei einbringen. Die Strassen sind so oder so überlastet.

    • F. Wenk am 27.01.2016 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Zu viel Aufwand?

      Man kann die Karren da reinsetzen und mit 30 kmh fahren lassen. Personen müssten schneller transportiert werden, sie sind mühsam, weil sie nie das machen, was sie sollten und die Sicherheitsvorkerungen müssten drastisch verschärft werden. Alles in allem ein Plan, den es schon lange gibt, aber nie realistisch wurde oder wird. Ausserdem würde der nie rentieren.

    einklappen einklappen
  • Bartli am 27.01.2016 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Feinstaubwerte und Ozon

    Mich interessieren die Feinstaub- und Ozonwerte, an denen angeblich sehr viele Menschen erkranken und früher sterben. Gestern Reportage gesehen. Die erste Sendung worin Feinstaub wörtlich mit Massenmord verglichen wurde. Heutiger Verkehr und Ozon bringt die Menschen also um oder sie erkranken schwer. Ein weltweites Thema. Nicht erst morgen, sofortiges Handeln ist angesagt.

  • Tommi am 27.01.2016 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lager

    Früher hatte man Lager. Das Lager wurde ein Mal in der Woche (je nach Unternehmung) gefüllt. Das heisst, der Lastwagen kam nur ein mal, oder zumindest weniger Male als heute. Dann hat man die Lager abgeschafft. Dafür zig tausend neue Lastwagen und Transporter für die tägliche Logistik in die Welt gestellt. Und heute sind wir im Güterverkehr am ersticken, weil für jeden Laden der tägliche Schrott täglich aufs neue herangekarrt werden muss. Unter den Boden hin oder her, schlussendlich muss der Krempel sowieso vor das Geschäft, bsp. Fussgängerzone gekarrt werden...

    • Mogli am 27.01.2016 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      Dafür gibts ein Begriff...

      Sowas nennt sich Just in Time....

    • F. Wenk am 27.01.2016 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Anders gesagt...

      ...Kostenoptimierung. Fahrende Lager sind billiger als stehende.

    einklappen einklappen
  • Skeptisch am 27.01.2016 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Altes Projekt

    Die Swiss-Metro ist schon ein altes Projekt. Vor rund 30 Jahren hat man sich schon erste Gedanken über das gemacht. Und heute ist man noch keinen Schritt weiter. Klar, es könnte eine gute Alternative sein. Aber ich sehe den Nutzen noch nicht wirklich. Dazu wäre sie viel zu beschränkt. Und ausserdem braucht das wieder Energie, die wir heute schon nicht mehr haben. Die Schweiz ist im Winter nicht in der Lage, den benötigten Strom selber herzustellen. Und dann wollt ihr nochmehr Strom? Also wirklich.

    • F. Wenk am 27.01.2016 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      Der Nutzen ist riesig

      Äusserst kostengünstige, energiearme, schnelle und effiziente Transportwege sind der Traum einer jeden Produktionsfirma. Dazu kommt das Wissen, das beim Bau eines solchen Netzwerk generiert wird, riesig. Die Schweiz kann nur durch Innovation konkurrenzfähig bleiben.

    einklappen einklappen