Swissleaks

09. Februar 2015 01:42; Akt: 09.02.2015 14:00 Print

HSBC-Kunden spendeten Bin Laden Geld

Der Schweizer Ableger der Grossbank HSBC soll seiner Klientel bei illegalen Praktiken geholfen haben. Das zeigen ausgewertete Kundendaten eines Datenlecks.

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Gebäude der HSBC in Genf. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

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Geldwäschereiaffären, Terrorfinanzierung, Drogen- oder Waffenhandel. Der Schweizer Ableger der Grossbank HSBC verwaltete bis 2006 Dutzende Millionen Dollar von kriminellen Kunden. Das zeigt ein Datenleck. Die Daten hatte der Informatiker Hervé Falciani 2007 gestohlen und dem französischen Fiskus übergeben. Die Informationen gelangten zu verschiedenen Medien – auch zum «Tages-Anzeiger». Der internationale Rechercheverband ICIJ analysierte die Daten und veröffentlichte die Resultate unter dem Stichwort «Swissleaks».

So stehen etwa mehrere HSBC-Kunden, saudiarabische Geschäftsleute, unter Verdacht, Osama Bin Laden Geld gespendet zu haben. Auch soll eine Crystal-Meth-Gang in den USA ein Konto bei der Bank gehabt haben. Ein weiterer Klient wurde wegen des Transports von 1212 Kilogramm Kokain verurteilt.

Aktive Hilfe bei Steuerhinterziehung

Weiter findet sich unter den Kontoinhabern die Firma Katex Mines. Diese lieferte im Bürgerkrieg von Liberia Waffen an Rebellen. HSBC verwaltete auch ein Millionenvermögen für Händler von Blutdiamanten und Mitglieder von Herrscherfamilien. Zu den betroffenen Persönlichkeiten gehören den Angaben zufolge unter anderem ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.

Zudem zeigen Kundendossiers, dass HSBC 2007 aktiv bei Steuerhinterziehungen half. Nur sechs von 2846 französischen Kunden versteuerten das Geld – das sind 0,2 Prozent.

Mehrere Verfahren im Gang

Gegen die Bank laufen seit Herbst mehrere Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. «Wir stellten dabei fest, dass die Bank gegen die Geldwäschereibestimmungen verstossen hat», sagt auch Finma-Sprecher Tobias Lux der Zeitung.

HSBC Schweiz betont in einer Stellungnahme, sie habe seit 2012 eine «radikale Transformation» vollzogen. Zwei Drittel der Konten seien geschlossen worden. Alle Bargeldbezüge von über 10'000 Dollar unterlägen nun einer «strikten Kontrolle».

Die «Kultur der Compliance» und die Standards der Due Diligence bei HSBC und anderen Schweizer Banken lagen im Jahr 2007 «deutlich tiefer» als heute. Die weltweiten Steuerermittlungen haben laut den Berichten insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Nachzahlungen und Strafgeldern eingebracht.

Drei Typen von Bankunterlagen

«Das ‹Swiss Leaks Projekt› basiert auf einem Stock von fast 60'000 entwendeten Dokumenten, die Angaben zu über 100'000 HSBC-Kunden und deren Bankkonten enthalten», schreibt der ICIJ auf seiner Webseite. Zum Recherche-Netzwerk gehören 140 Journalisten aus 40 Ländern, welche die Resultate nun publizierten. An der Recherche beteiligt waren auch die Schweizer Zeitungen «Tages-Anzeiger», «Der Bund», «SonntagsZeitung», «Le Matin Dimanche», «L'Hebdo» und «Le Temps». Bei den Daten handelt es sich laut ICIJ um drei verschiedenen Typen interner Bankdokumente aus drei Zeiträumen.

Der erste Dokumententyp widme sich Kunden und deren privaten Bankkonten, die grösstenteils aus den Jahren 1988 bis 2007 datieren. Der zweite Teil der Daten besteht aus Momentaufnahmen der Höchstbeträge auf den Konten in den Jahren 2006 und 2007. Der dritte Typ zeige Notizen zu Kunden und Unterhaltungen zwischen diesen und Bankangestellten im Jahr 2005.

«Die Dokumente zeigen, dass auf den Konten insgesamt über 100 Milliarden Dollar lagen», heisst es weiter. Die vertraulichen Unterlagen würden auch eine Fülle anderer Angaben beinhalten, wie etwa verheimlichte Offshore-Unternehmen, die mit gewissen Konten verbunden seien.

Die Schweizer Bankiervereinigung weist darauf hin, dass sich die Enthüllungen auf «weit zurückliegende Fälle» beziehen würden. Trotzdem seien solche Schlagzeilen «kurzfristig natürlich nie positiv» für den Schweizer Finanzplatz. Nun liege es an den Behörden, die Fälle zu beurteilen.

Auch Politiker forderten Untersuchungen: Die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens sei «das Mindeste», sagte Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im Radiosender RTS. SP-Nationalrat Roger Nordmann verlangte ebenfalls ein Einschreiten der Ermittlungsbehörden.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg B. am 09.02.2015 02:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienmanipulation....

    Unabhängig vom äusserst unerfreulichen Sachverhalt gibt das der ARD noch lange nicht das Recht, die Sache gestern Abend im TV so darzustellen, als ob es sich um eine Schweizerbank handeln würde! Bei der HSBC handelt es sich um eine schweizerische Filiale/Tochter der in London ansässigen Grossbank deren Sitz ursprünglich in Hongkong war!

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  • Baer nere am 09.02.2015 02:39 Report Diesen Beitrag melden

    Natuerlich

    lassen die ihr Geld irgendwo, nur ist die Frage, ob es vertretbar ist, solche Gelder zu verwalten. Persoenlich habe ich es nie richtig gefunden, dass in der Schweiz Millionen verwaltet werden, von denen ganz sicher jemand weiss, dass etwas damit nicht stimmt. Wer sich etwas informiert, wird feststellen, dass genau dies heutzutags weltweit genutzt wird. Wieviele Millionen werden irgendwo versteckt und wieviele Voelker leiden unter grossen Maengeln?

  • Olga am 09.02.2015 03:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder...

    ...Verbrecher, der schon hunderte Millionen Dollar, oder was auch immer, "erwirtschaftet" hat, lagert sein Geld in der Schweiz! Sogar Pablo Escobar hatte über Mittelsmänner und Handlanger mehrere Schweizer Bankkonten! Von Gadaffi und co. muss ich ja gar nicht erst anfangen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Somboon Sale off, BRN am 09.02.2015 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PRC & HSBC

    Ob PRC (People's Republic of China) oder HSBC (Hongkong & Shanghai Banking Corporation Holdings PLC) Korruption hat Pflicht. Wenn Banker über der Sache steht gibt es keine Mafia - dann sind Banken die Mafia! Geld regiert bekanlich Welt, muss Kohle plötzlich kontroliert fliesen, wirkt das negativ - darum haben wir aktuel Minuszinsen!

  • kurt am 09.02.2015 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geld stinkt nicht

    kann doch uns egal sein woher das geld kommt, hauptsache in der schweiz.

    • KULT-Urbanause am 09.02.2015 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Die Quittung

      sind milliardenschwere, bankenexistenz bedrohende Bussen, die hin zur Verbiegung des Schweizer Rechtssystems führen. Wir leben nicht unter einer Käseglocke. Die Schweiz hat Aussenbeziehungen.

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  • Sepp Erb am 09.02.2015 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lernresistente Banker

    Bei mir kommt ein leichtes Gefühl der Schadenfreude auf...

  • Sven E. am 09.02.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die ganzen Berichte ueber boese

    Schweizer Banken haben alle etwas gemeinsam. Sie beziehen sich alle immer nur auf eine Aera, die vor etwa 10 Jahren endete. Es gibt keinen einzigen Hinweis der uebers Jahr 2007 hinaus oder gar in die Gegenwart reicht. Aufgrund der heutigen Transparenz duerfte das Beleg dafuer sein, dass Schweizer Banken heute nicht mehr so handeln und wenn auch spaet, so doch gelernt haben.

  • Mh am 09.02.2015 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Banken

    Man muss sich schämen im Ausland Immer wieder wir man angesprochen. Ach Du kommst aus den Ländern der so reich ist,Beil die ganze Versprecher Gelder verwalten! Ist mich so mehr Mals passiert!

    • Bärli am 09.02.2015 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      bin nicht sicher

      Haben sie dich verstanden, als du geantwortet hast?

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