Grossbank

18. Dezember 2010 09:13; Akt: 18.12.2010 13:37 Print

Haltiners Fragezeichen zu den UBS-Zielen

von Balz Bruppacher - Der scheidende FINMA-Präsident Eugen Haltiner stellt die ehrgeizigen Gewinnziele der UBS in Frage.

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Der oberste Bankenaufseher der Schweiz: FINMA-Präsident Eugen Haltiner. (Bild: Keystone)

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«Die vor einem Jahr kommunizierte Zielplanung berücksichtigt unseres Erachtens gewisse Marktentwicklungen nicht mehr ausreichend», sagte Haltiner in einem heute veröffentlichten Interview der «Finanz und Wirtschaft.» Der Präsident der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) verwies auf das makroökonomische Umfeld und die steigenden Kosten als Folge regulatorischer Auflagen etwa in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung.

UBS-Konzernchef Oswald Grübel hatte im November 2009 angekündigt, die UBS wolle in drei bis fünf Jahren einen Vorsteuergewinn von jährlich 15 Milliarden Franken ausweisen. Das Ziel wurde von der Grossbank in diesem Herbst bekräftigt.

Haltiner wurde in dem Interview auch auf die Aussagen Grübels über das Eingehen höherer Risiken angesprochen und gefragt, ob ihm da nicht bange werde. «Schon, doch sind Zielvorgaben auch ein Führungsinstrument», antwortete der oberste Bankenaufseher. Die Finma werde ihrer Ansicht nach übertriebene Ertragserwartungen in der UBS-Kapitalplanung kritisch hinterfragen. «Sind sie für uns nicht plausibel, werden sie korrigiert», sagte Haltiner. Mehr Risiken bedingten auch mehr Kapital.

«Zustand der Grossbanken solid»

Haltiner bezeichnete den Zustand beider Grossbanken als solid. Nach wie vor lauerten aber systemische Risiken. Makroökonomische Veränderungen wie die Schuldenkrise könnten innerhalb kurzer Frist wieder Erschütterungen auslösen.

Kämpferische Töne schlug der Ende Jahr in Pension gehende FINMA-Präsident in der Boni-Frage an. Sollten die zurzeit konstruktiv verlaufenden Diskussionen mit beiden Grossbanken über die Vergütungspakete für das Geschäftsjahr 2010 zu keiner Einigung führen, sei die Finma bereit, «die Sache eskalieren zu lassen». Nur so könne man dem Rundschreiben über die Vergütungssysteme Nachachtung verschaffen. Als letztes Mittel könnte die Finma eine Verfügung erlassen, drohte Haltiner. Im Zusammenhang mit den Beschlüssen des Ständerats bekräftigte er zugleich, dass die Finma betragsmässige Obergrenzen der Löhne ablehne.

Zur Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden sagte Haltiner, es genüge nicht, nur in der Krise miteinander zu reden. Nötig sei ein kontinuierlicher Dialog. Mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sei das Verhältnis offener und weniger formalistisch geworden. «Wir pflegen heute einen engen und direkten Informationsaustausch», sagte der FINMA-Präsident und kritisierte damit indirekt den EFD-Amtsvorgänger Hans-Rudolf Merz.