USA und China

05. April 2018 05:46; Akt: 06.04.2018 09:14 Print

5 Schlachtfelder im Handelskrieg der Giganten

von Isabel Strassheim - Mit den USA und China stehen die grössten Wirtschaftsmächte der Welt kurz vor einem Handelskrieg. Es geht nicht nur um Strafzölle.

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Damit dürfte US-Präsident Donald Trump nicht gerechnet haben: Nur wenige Stunden nach seiner Strafzoll-Liste gegen China reagierte Peking mit der Ankündigung eines neuen Gegenschlags. Darum geht es für die beiden Wirtschaftsgiganten:

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1. Strafzollschlacht
Zuerst verhängte US-Präsident Donald Trump einen Strafzoll gegen die Einfuhr von chinesischem Aluminium und Stahl. China antwortete darauf mit der Ankündigung von Strafzöllen auf US-Früchte wie Kirschen und Äpfel im Wert von drei Milliarden Dollar. Am Dienstag reagierte Trump mit der Drohung eines zusätzlichen Zolls von 25 Prozent auf chinesische Produkte wie Maschinenteile, Medikamente und Hightech-Komponenten im Wert von 50 Milliarden Dollar. Am Mittwoch, nur elf Stunden später, konterte China mit ebensolchen künftigen Strafzöllen auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar. Darunter Sojabohnen und Autos. (Warum vor allem Sojabohnen entscheidend sein könnten, siehe Punkt 3.)

2. Schlacht um Jobs
Der Handel zwischen den USA und China ist schon seit Jahren unausgewogen: Die USA importieren viel mehr chinesische Güter als sie eigene Waren dorthin liefern. Dieses Defizit erreichte vergangenes Jahr die Rekordhöhe von 375 Milliarden Dollar. US-Firmen wie Apple oder Dell lassen nämlich ihre Produkte in China zu günstigeren Löhnen und Bedingungen fertigen. Trump will mit dem Handelskrieg eigentlich dafür sorgen, dass diese Jobs wieder in die USA zurückkommen. Allerdings sparte er bei seiner Strafzoll-Liste gegen China bewusst die Zulieferer von Apple und Dell aus, damit US-Firmen und am Ende die Konsumenten nicht höhere Preise zahlen müssen. «Die Strafzölle sind zwar ein mögliches Mittel um Zurückzuschlagen, aber sie dürften neue Herausforderungen mit sich bringen, nämlich deutliche Zusatzkosten für US-Produzenten und Konsumenten», warnte der Präsident des Amerikanischen Produzentenverbandes, Jay Timmons.

3. Schlacht um Wähler
Der Handelskrieg könnte Stammwähler von Trump treffen und verärgern – vor allem das Beispiel der Sojabohne zeigt das. Trump hat die meisten Wähler in den ländlichen US-Gebieten, die die Strafzölle auf die Bohne treffen würden. Denn die US-Landwirtschaft erzielte als Rückgrat der US-Wirtschaft immer einen Exportüberschuss und liefert einen bedeutenden Teil nach China. Das Land ist der grösste Importeur von Sojabohnen, weil Chinesen zunehmend Fleisch essen und sie als Futtermittel für ihre riesige Schweinemast brauchen. Kommen die Strafzölle, verteuert dies US-Soja in China und die Lieferungen dürften zurückgehen, was die US-Farmer schädigt. Umgekehrt wird Schweinefleisch in China teurer, was die dortigen Konsumenten trifft.

4. Wissensschlacht
Trump beschuldigt China des Wissensklaus. Chinesische Firmen hätten High-Tech-Produkte im Wert von 300 Milliarden Dollar kopiert, twitterte Trump am Mittwoch. «Wir können das nicht weiter zulassen.» Die US-Handelsbehörde belegt deswegen vor allem Produkte mit Strafzöllen, die von Xi Jinpings Programm «Made in China 2025» unterstützt werden und Importe aus dem Ausland in den nächsten Jahren durch chinesische Eigenproduktion ersetzen sollen. Das sind etwa Hightech-Güter und Medikamente.

5. Kommunikationsschlacht
Im respressiven China findet keine öffentliche Debatte über den Handelskrieg statt. Aber in den USA tobt die Auseinandersetzung. Bis zum 11. Mai dürfen Konzerne und Verbände zu den angekündigten Strafzöllen Stellung nehmen. Am 15. Mai soll es eine öffentliche Anhörung in Washington geben. Trump hat die Wirtschaft dabei nicht auf seiner Seite. Der Information Technology Council – zu dem Verband zählen Intel, Microsoft und Google – etwa hat schon kritisiert, die USA sollten lieber zusammen mit anderen Staaten den Verhandlungsweg mit China gehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Women's Feet lover am 05.04.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    azelle bölleschelle

    willkommen im Kindergarten...und alles auf dem Buckel des Fussvolkes, der die Zeche zahlt

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  • Fragenstellerin am 05.04.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Preisfrage

    Der Handelskrieg dreht sich im Kern um die Frage: Welchen Preis sind wir Konsumenten bereit, für ein iPhone oder Laptop zu zahlen? Und wie hoch dürfen und müssen die Umweltvorschriften für deren Produktion sein? Werden die Jobs weiter in China ausgelagert und das Kobalt für die Computer unter Sklavenbedingungen im Kongo abgebaut?

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  • Pige am 05.04.2018 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kann so nicht stimmen

    Trump will die Produktion von grossen US-Firmen zurück in die USA holen. Genau diese Produkte werden aber nicht mit Strafzöllen belegt. Dann kann erster Satz ja nicht stimmen? Was ist das für eine Berichterstattung?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 07.04.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich Trump

    Er hat nicht alle Tassen im Schrank

  • marko 33 am 05.04.2018 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump

    Ich finde Trump übertreibt es !

  • mario am 05.04.2018 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Trump- gegen die Globlasierung

    Ich finde gut dass Trump die einheimische Arbeiter unterstützt was die Linken immer gefordert haben. Jetzt sind die Linken für die Konzerne, die Global tätig sind. Verkehrte Welt!

  • Marc am 05.04.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt im Umbruch

    Die Globalisierung hat ihren Zenit überschritten, Trump und seine Berater wissen das, darum bauen sie die Binnenwirtschaft, welche die USA überhaupt erst gross gemacht hat, wieder auf. Russland beweisst gerade, eher unfreiwillig wegen den Sanktionen, dass das sehr gut funktioniert. Ja Leute, den Russen geht es trotz Sanktionen immer besser, auch wenn das der Westen nicht wahrhaben will anders darstellt, die Binnenwirtschaft anzukurbeln bringt den Arbeiter eines Landes mehr, als die Globalisierung, von der nur die Konzerne und deren Besitzer,Aktionäre (also die Reichen) profitieren.

    • marko 33 am 07.04.2018 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marc

      Krass

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  • Petromax am 05.04.2018 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende des Petro Dollars

    Warum zettelt USA gegen China gerade jetzt einen Handelskrieg an? Den Mainstream Medien scheint wohl entgangen zu sein, dass China am 26.3.2018 angefangen hat Erdöl über eine eigenen Index in Yuan zu handeln, dies bedeutet mittelfristig das Ende des PetroDollars mit dem die terroristische und hegemonistische USA ihr Kriege und Agressionen finanziert. Googelt mal «The end of the Petro Dollar» dann wird euch einiges klar.Ist halt schon noch blöd für die USA, dass sie in China nicht einfach einmarschieren kann wie sie es im Irak und Syrien gemacht hat um den PetroDollar zu verteidigen.