Währungsstreit

26. September 2010 11:15; Akt: 26.09.2010 11:32 Print

Handelskrieg zwischen USA und China?

von Frank Brandmaier, dpa - Der US-Kongress stellt allmählich die Weichen für Strafzölle gegen China - weil Peking seine Währung Yuan nicht flott genug aufwertet. Der Ton wird schärfer.

storybild

Ökonomen sind sich derweil uneins, ob eine Aufwertung der chinesischen Währung tatsächlich so viel bringt wie in der politischen Debatte behauptet. (Bild: Reuters)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Volle zwei Stunden sassen US-Präsident Barack Obama und Chinas Premier Wen Jiabao vorige Woche zusammen - und es ging vor allem um eins: Den leidigen Streit um die chinesische Währung.

Dass man nicht viel weiter kam, machte die verschnupfte Bilanz von Asien-Berater Jeff Bader klar: «Wenn die Chinesen nicht handeln, dann haben wir andere Mittel, um die US-Interessen zu schützen.»

Den USA scheint der Geduldsfaden zu reissen, auch im Kongress formiert sich eine massive Front. Droht nun ein Handelsstreit das ohnehin nicht einfache Verhältnis zu vergiften?

Parlamentarier befinden über Gesetz

Schon diese Woche könnte das Repräsentantenhaus über ein Gesetz befinden, das Importzölle auf chinesische Waren erlaubt, wenn Peking nicht Dampf macht mit der Yuan-Aufwertung. Am Freitag billigte bereits ein Kongressausschuss die Vorlage.

Aus Sicht Washingtons hält China seine Währung künstlich billig, um sich so für seine Exporte unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die grösste Volkswirtschaft der Welt weist ein gewaltiges Leistungsbilanzdefizit auf, das grösstenteils auf einem Defizit im Aussenhandel beruht: Die USA importieren deutlich mehr als sie exportieren.

Im vergangenen Jahr lag das Minus hier bei rund 380 Mrd. Dollar, wobei der Handel mit China eine erhebliche Rolle spielt. In der Volksrepublik verhält es sich genau umgekehrt: Dort hat sich ein massiver Überschuss aufgetürmt.

Beliebtes Wahlkampfthema

Seit Jahren schon schwelt der Streit, erst im Juni versprach China einen Flexibilisierung des Wechselkurses - passiert ist seitdem kaum etwas. Um gerade einmal etwa zwei Prozent legte der Yuan gegenüber dem Dollar zu.

Offiziell lässt das Weisse Haus offen, was es vom Gesetzesvorstoss im Kongress hält. Vor wenigen Tagen verschärfte aber auch Finanzminister Timothy Geithner den Ton. «Das Tempo der Aufwertung ist zu langsam, das Ausmass der Aufwertung zu begrenzt», monierte er im Kongress. Die Regierung werde die Gesetzesentwürfe über die Strafmassnahmen «sorgfältig prüfen».

Unter Parlamentariern ist der Wechselkursstreit ein beliebtes Thema. Leicht lässt sich damit beim Wähler punkten, vor allem in wirtschaftlichen trüben Zeiten und vor Abstimmungen wie den Kongresswahlen am 2. November.

Kein Konsens der Experten

Ökonomen sind sich derweil uneins, ob eine Aufwertung der chinesischen Währung tatsächlich so viel bringt wie in der politischen Debatte behauptet. Ausserdem fürchten nicht wenige, eine Sanktions-Breitseite aus Washington könnte im Verhältnis mit Peking mehr Schaden anrichten als nützen.

Für Fred Bergsten, Chef des Peterson-Instituts für internationale Wirtschaft in Washington, liegen die Zahlen indes klar: Eine Aufwertung des Yuan um 20 bis 25 Prozent wie zwischen 2005 und 2008 würde den Leistungsbilanzüberschuss Chinas um 40 Prozent eindampfen und die Lücke in den USA um 30 Prozent verringern.

«Eine Beseitigung der Schiefstellung würde in den USA in den nächsten Jahren ungefähr eine halbe Million Jobs schaffen, vor allem in der Industrie und im Bereich überdurchschnittlicher Gehälter.»

Tiefe chinesische Arbeitskosten

«Auf Peking einzuprügeln hilft unserem Handelsdefizit nicht», urteilt dagegen Robert Pozen vom Brookings-Institut. Der Wert des Yuan sei nicht die Hauptursache der Lücke.

«Die Einkommen und das soziale Sicherungsnetz in China sind wichtiger. Die Arbeitskosten machen den bedeutendsten Anteil der Kosten der Güter aus, die China in die USA exportiert.» Zudem zeigten Daten, dass der Wert des Yuan statistisch mit dem Umfang des Handelsdefizits mit dem Reich der Mitte eher wenig zu tun habe.

Pozen rät vielmehr: «US-Politiker sollten nicht allzu heftig auf eine Aufwertung des Yuan drängen - das hat sich wegen des chinesischen Widerstands als kontraproduktiv erwiesen.» Vielmehr sollten sie höhere Löhne für chinesische Arbeiter unterstützen.