Handelskrieg

12. Juli 2018 10:30; Akt: 12.07.2018 10:30 Print

«Trump hat recht, wenn er den Handel unfair findet»

von Dominic Benz - Zwischen den USA und China tobt ein Handelsstreit. Ein Experte sagt, wo Trump richtig handelt.

Bildstrecke im Grossformat »
US-Präsident Trump legt sich mit China an: Er legt erneut eine Liste mit Import-Produkten aus China vor, die mit Strafzöllen belegt werden könnten. Die neuen Zölle betreffen Lebensmittel, Chemikalien, Textilien oder elektronische Geräte. Viele Ökonomen kritisieren Trump scharf für seine Strafzölle. Sie warnen vor der «Mutter aller Handelskriege». «Das ist völlig übertrieben», meint hingegen Heiner Flassbeck, Ex-Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung. Trump wolle niemanden bestrafen, sondern das Handelsdefizit der USA senken. Das sei völlig nachvollziehbar, so Flassbeck. Bereits letzte Woche hatte Trump Güter aus China mit Abgaben belegt. Jene Zölle betreffen Tech-Produkte wie Kopierer, Drucker oder Batterien. Trump begründet sie unter anderem mit Technologiediebstahl. Kurz nach Inkrafttreten der Abgaben teilte die chinesische Regierung mit, man werde mit dem «notwendigen Gegenangriff» reagieren. Was das genau bedeutet, ist noch unklar. Da waren sie noch nett zueinander: Xi Jinping (r.) und Donald Trump in Mar-a-Lago im April 2017. Bereits im April führte China Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Schweinefleisch, Früchte und Wein ein. Peking reagierte damals auf die von Trump zuvor verhängten Abgaben auf Stahl und Aluminium. Donald Trump hatte im März den Beschluss von Importzöllen auf Aluminium und Stahl unterzeichnet. Ökonomen warnen vor einem dramatischen Handelskrieg, der das weltweite Wirtschaftswachstum abbremsen könnte. Die jüngsten Zoll-Drohungen von Trump liessen die Kurse an den Aktienmärkten rund um den Globus in den Keller rauschen. Auch der Schweizer Leitindex SMI verbuchte Verluste.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei der Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China geht das eigentliche Ziel des US-Präsidenten fast vergessen: Donald Trump will mit den Strafzöllen Arbeitsplätze zurück in die USA holen. Die Zölle verteuern zum Beispiel das günstige chinesische Aluminium und geben der heimischen Produktion so eine Chance.

Umfrage
Was halten Sie von den Strafzöllen?

«Das Ziel ist die Umleitung der Kaufkraftströmung auf heimische Güter», sagt Heiner Flassbeck zu 20 Minuten. Der frühere Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung betont, dass die US-Konsumenten deswegen auch teurere, aber in den USA hergestellte Produkte kaufen müssen. Dafür aber entstehen wieder heimische Arbeitsplätze.

«Strafzölle» nicht zutreffend

Das Wort «Strafzölle» ist laut Heiner Flassbeck nicht zutreffend: Trump wolle niemanden bestrafen, sondern das riesige langjährige Handelsdefizit der USA senken. Das sei völlig nachvollziehbar.

Im letzten Jahr exportierten die USA Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar nach China. China hingegen exportierte Güter in der Höhe von rund 500 Milliarden Dollar in die USA. Das weltweite Handelsdefizit der USA beträgt insgesamt über 800 Milliarden Dollar (siehe Box).

«Trump hat recht»

«Mit einem Defizit fliesst die Produkte-Nachfrage ins Ausland ab. So gehen Arbeitsplätze verloren.» Zu einem Freihandel gehörten aber keine Defizite oder Überschüsse, wie sie etwa die Schweiz hat. Ein solcher müsse ausgeglichen sein, was aber nicht der Fall sei. «Wenn Trump das als unfair bezeichnet, hat er recht», so der deutsche Ökonom.

Allerdings bezweifelt Flassbeck, dass Zölle die richtige Massnahme für die Reduktion des Handelsdefizits sind. Trump verfolge einen Mikroansatz, die Zölle seien nur Nadelstiche. Der Ökonom bringt daher den Weg über die US-Währung ins Spiel: «Eine tausendmal effizientere Massnahme wäre die Abwertung des Dollars um 20 Prozent.»

«Wechselkursänderungen haben mehr Auswirkungen»

Dass das nützt, zeigte die Schweizerische Nationalbank: Mit ihrem Euro-Mindestkurs hatte sie bis 2015 den Franken gegenüber der EU-Währung geschwächt und stützte damit die heimische Wirtschaft.

Das bedeutete einerseits eine Stütze für die Schweizer Exportindustrie. Andererseits verteuerte das auch importierte Waren aus dem Euroraum. Das verschafft heimischen Gütern wieder mehr Wettbewerbsvorteile. «Wechselkursänderungen haben viel mehr Auswirkungen als Zölle. Auch wenn die Spekulation mit Währungen nicht zum internationalen Handel gehören sollte», so Flassbeck.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 12.07.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dollar Abwertung

    Trump kontrolliert aber die US-Notenbank nicht, es liegt daher nicht in seiner Macht, dies zu ändern.

    einklappen einklappen
  • positiv74 am 12.07.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei uns umgekehrt

    die Schweiz hat jedes Jahr mehr Geld eingenommen vom Ausland als wir im Ausland eingekauft. In den USA umgekehrt. Ich verstehe Trumps Taktik. die war nötig.

    einklappen einklappen
  • rocky53 am 12.07.2018 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig

    trump hat in vielen sachen recht,man ist sich seiner art nur nicht gewohnt,werden sich aber viele daran gewöhnen müssen,america first.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lääser am 26.07.2018 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Währungsabwertungen

    Währungsabwertungen sind auch eine Art Strafgebühren, nämlich gegen die eigenen einfachen Leute, deren Kaufkraft geschwächt wird. Abgesehen davon gibt es für viele Waren gar keine ernstzunehmenden einheimische Angebote. Hat vielleicht schon jemand von einem schweizer Computer oder Handy oder Tennisschläger gehört? Was es natürlich oft gibt, sind Händler, die für wenig Leistung viel Zwischenhandelsmarge einsacken wollen.

  • Sergius am 23.07.2018 04:13 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu spät

    Schon vor Jahrzehnte fällig den US Defizit auszugleichen.

  • SiBa am 14.07.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hats nicht kapiert

    Wenn die eigene Wirtschaft nicht konkurrenzfähig ist gehen die Firmen wo anders hin. Wer lässt den in China produzieren? ... die amerikanischen Firmen!

  • JFK am 14.07.2018 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriegstreiber und Narr

    Zurück in die Steinzeit, Bravo Trampel-Tier. Aufblühender Nationalismus, Willkür und Polemik...Der Nährboden für weitere Kriege. Man überlege!

  • Rosemarie Sieber am 13.07.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rosi gegen Trump

    Durch sein Verhalten im allgemeinen, seiner Unberechenbarkeit und narzisstischem Gehabe glaubt man ihm bei wichtigen Dingen nicht mehr! Er könnte recht haben soviel er will. Er ist unglaubwürdig da ständig negativ! Er nimmt außer sich niemanden ernst auch die eigenen Landsleute nicht ( siehe Waffengesetze)

    • Kran am 13.07.2018 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Dieser Goyim weiss bescheid

      Dieses Image wird uns hauptsächlich von den (((Medien))) aufgeschwatzt.

    • Realistisch am 13.07.2018 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rosemarie Sieber

      Sie sind das beste Beispiel dafür wie sehr Medien die Menschen beeinflussen können.

    • Im Gegenteil am 13.07.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistisch

      Wie einfache Simpeldenker die Trumpianer doch sind.

    • Dali am 13.07.2018 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realistisch

      Ich verfolge diesen verrückten Potus auf twitter. Seine Aussagen sollten genügen um seinen aggressiven Ton, seinen Irrsinn und seine Widersprüche zu erkennen. Seine Hardliner um sich tun das übrige. Dazu braucht es keine Medien sondern gesunden Menschenverstand, um das zu erkennen.

    einklappen einklappen