Kosten, Nachbarn, Privilegien

14. Mai 2019 13:57; Akt: 14.05.2019 13:57 Print

Haus oder Mietwohnung – wer gewinnt?

von Valeska Blank - Im eigenen Haus oder in der Mietwohnung leben – beides hat Vor- und Nachteile. Wir lassen die beiden Wohnformen gegeneinander antreten.

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Die Schweiz ist ein Volk von Mietern: Rund 60 Prozent der Haushalte leben in einer Mietwohnung. Gleichzeitig träumen viele Schweizer vom eigenen Heim: Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern in der Schweiz boomt.

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Kaufen oder mieten – für beide Varianten gibt es Argumente. 20 Minuten vergibt Punkte anhand verschiedener Faktoren – und lässt das Häuschen im Grünen gegen die Wohnung im Block antreten:

Laufende Kosten

Wer das nötige Eigenkapital aufbringen und sich eine Immobilie kaufen kann, lebt derzeit deutlich billiger als jemand, der eine Wohnung mietet. Das hat die Credit Suisse in einer Immobilienstudie ausgerechnet. Ein Beispiel aus dem Onlinerechner der Grossbank zeigt: Wer eine Immobilie für 750'000 Franken kauft, spart jährlich 6300 Franken im Vergleich zu einer Mietwohnung, die 1750 Franken pro Monat kostet. Voraussetzung ist, dass Eigenmittel über 150'000 Franken eingebracht wurden und der Zinssatz für die Hypothek 1,2 Prozent beträgt.

Das ergibt ein erstes Score – Haus: 1, Mietwohnung: 0


Das Rechenbeispiel aus dem CS-Onlinerechner

Cash

Bleiben wir beim Geld. Obwohl die laufenden Kosten beim Immobilienkauf deutlich tiefer sind, darf man eines nicht vergessen: Wer Eigentümer werden will, muss das nötige Kleingeld mitbringen – keine Hypothek ohne Eigenkapital. Die Faustregel ist: Mindestens 20 Prozent des Eigenheimwerts muss durch Eigenkapital gedeckt sein. Kostet das Traumhaus 1 Million Franken, muss der Käufer also 200'000 Franken cash einschiessen. Das Geld muss sauer angespart oder aus der Pensionskasse vorbezogen werden. Bei einer Mietwohnung ist das nicht nötig.

Neuer Score: Haus: 1, Mietwohnung: 1

Nachbarn

O. k., das Finanzielle ist geklärt. Kommen wir zum nächsten Eingemachten: den Nachbarn. Diese sind bei der Mietwohnung im Block einer der grössten Nervfaktoren: Da wird getrampelt, gelärmt und genörgelt, wenn der Plan in der Waschküche nicht akribisch eingehalten wird. Beim Einfamilienhaus gibts diese Probleme nicht.

Zählen wir nach: Haus: 2, Mietwohnung: 1

Flexibilität

Apropos Nachbarn: Zugegeben, sie können auch beim Häuschen im Grünen nerven – etwa wenn das Grundstück an ein anderes grenzt und es zum berühmten Showdown am Gartenzaun kommt. Als Hausbesitzer kann man nicht einfach die Zelte abbrechen und zügeln. Das geht nur, wenn man zuerst einen Käufer fürs Eigenheim findet. Bei der Mietwohnung ist das einfacher: Stört einen etwas, kündigt man einfach auf den nächsten Termin – und zieht weiter. Ein Punkt für die Mietwohnung!

Somit stehen wir bei Haus: 2, Mietwohnung: 2

Aufwand

Ein eigenes Haus bedeutet auch viel Arbeit. Geht die Waschmaschine kaputt, muss man den Monteur organisieren, hat der Putz irgendwann zu viele Risse, muss der Gipser kommen. Und berappen muss man das Ganze auch noch selber. Ganz zu schweigen vom Umschwung, der gepflegt werden muss (Rasen mähen! Unkraut jäten!). Bei der Mietwohnung übernimmt in der Regel der Vermieter den Aufwand für Reparaturen. Und statt Gartenarbeit muss man höchstens mal den Balkon fegen.

Aktueller Zwischenstand – Haus: 2, Mietwohnung: 3

Genuss

Aber: Garten! Stimmt, so ein Fleckchen Grün rund ums eigene Haus hat schon etwas für sich. Grillparty, Sünnele, Gemüsebeet – mehr muss eigentlich nicht mehr gesagt werden.

Darum: Haus: 3, Mietwohnung: 3

Risiko

Kaufen ist nur billiger als mieten, solange die Hypozinsen tief bleiben. Das wird laut aktuellen Prognosen aber noch eine Weile so bleiben. Laut der CS braucht es jedoch fast eine Verdopplung des aktuellen Zinssatzes, damit Eigentum im Vergleich zur Miete wieder teurer ist. Die Rechnung mit der 750'000-Franken-Immobilie kippt ab einem Zinssatz von 2,3 Prozent.


Bei diesem Szenario ist Mieten günstiger als Kaufen.

Neben potenziell steigenden Zinsen bringt ein eigenes Haus weitere Risiken mit sich – etwa mögliche grössere Schäden, die hohe Kosten verursachen, oder eine Wertverminderung. Auch wenn man das Haus gemeinsam mit dem Partner finanziert hat und sich trennt, gibts oft finanzielle Probleme. Bei einer Mietwohnung hingegen droht höchstens, dass der Vermieter den Mietzins erhöht – oder einen aus der Wohnung schmeisst. Gezügelt ist dann schnell. Dieser Punkt geht also an die Mietwohnung.
Der Score: Haus: 3, Mietwohnung: 4

Privilegien

Das eigene Haus bedeutet im Vergleich zur Mietwohnung mehr Freiheit. Will heissen: Duschen um Mitternacht, ohne dass jemand motzt. Waschen, wann man will. Und die Wände können pink, blau oder schwarz gestrichen werden – und niemand redet drein. In der Mietwohnung liegen solche Extravaganzen nicht drin.

Somit kommen wir zum Endstand – ein Unentschieden!

Haus: 4, Mietwohnung: 4

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomas am 14.05.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    ja nu

    würde auch gern im einem Haus leben, leider fehlt mir das geld dazu

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  • Häuslebesitzer am 14.05.2019 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    EFH im Grünen

    EFH mit Umschwung im Eigentum! Alles andere ist nur ein Kompromis. Tausende von Gerichtsverfahren wegen Mietstreitigkeiten, Stockwerkseigentumskrieg,... Nein Danke.

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  • Bewohner am 14.05.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentum

    Der Eigenmietwert bei Wohneigentum ist schlichtweg eine Frechheit und Diebstahl vom Staat. Man spart das halbe Leben damit man sich etwas Eigenes leisten kann und der Staat zockt einem einfach ab. Und wofür die Liegenschaftssteuer? Bekommen wir vom Staat etwas dafür? Die Einzigen die bei Wohneigentum einen grossen Profit machen ist der Staat, aktuell proftiert man als Eigentümer nur von den tiefen Bankzinsen.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex am 16.05.2019 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Whg für 1750 CHF

    Kann mir irgendjemand sagen wo es Dir Mietwohnungen im Raum für 1750 CHF gibt, die mit einem Eigenheim vergleichbar sind. Die würd ich gern Mieten.

  • Sulejka am 16.05.2019 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor und Nachteile

    Ja in jungen Jahren ein Eigenheit besitzen ist sicher eine sehr gute Sache jedoch im Alter von fast 80ig ist man in einer Mietwohnung glücklicher, alles ist auf einem Boden, man muss keinen Garten mehr pflegen oder Rasen mähen, man kann den Schlüssel drehen und verreisen es wird trotzdem geheizt etc. Alles hat seine Vor-und Nachteile.

  • Thomas F. am 15.05.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Eigenheim

    Bin froh nun endlich mit 37 Jahren Eigenheimbesitzer zu sein. Ich rate jedem mal einige Jahre zu sparen und ein wenig zu verzichten um das Eigenkapital zusammen zu bringen. Adjeu Mietwohnung!

  • StanX am 15.05.2019 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einigkeit unmöglich

    Zum Glück darf sich hier jeder seine eigene Meinung haben. Ist wie bei der Politik. Genauso gut könnte man fragen, ob politisch links oder rechts besser ist - die Mitte gilt als unentschlossen ;-)

  • Gertrud am 15.05.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Das eigene Haus ist ein Riesenverlust!

    Wir haben uns ein kleines Reihenhaus angespart um im AHV Alter etwas günstiger leben zu können, was jedoch ein Trugschluss war. Die Steuerverwaltung kassiert hier enorm ab, durch den Eigenmietwert müssen wir von unserer Ehepaarrente sagenhafte Fr. 6500 an Steuern im Kt. Bern bezahlen. Hätten wir uns im Erwerbsleben mehr gegönnt, grosszügigere Ferien uns geleistet statt gespart bekämen wir nebst der AHV noch eine Zusatzrente und als Nichtverheiratete im Konkubinat sogar 14000 Fr. mehr AHV-Rente! Wir waren echt blöd!

    • Guschti am 16.05.2019 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      Bern

      Blöd ist, wer im Kt Bern wohnt, die Steuern bezahlt und damit die Reitschule unterstützt. So gesehen haben Sie recht!

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