Pestizide

28. April 2015 18:06; Akt: 28.04.2015 18:06 Print

Hawaiianer protestieren gegen Syngenta

von Isabel Strassheim - Ein Politiker aus Hawaii im weiss-blauen Hemd sprach an der Generalversammlung von Syngenta. Er brachte happige Vorwürfe gegen den Agrarchemie-Konzern vor.

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«Aloha»: Der Gruss an die fast 1000 Syngenta-Investoren tönte am Dienstag durch die Basler St.-Jakobs-Halle. Gary Hooser, Bezirkspolitiker der Hawaii-Insel Kaua'i appellierte in einem Statement an der Generalversammlung des Agrarchemie-Konzerns, die Einwohner des Inselparadieses zu respektieren und zu schützen wie Schweizer. «Stellen Sie sich vor, dass Schüler in ihrer Gemeinde krank werden, weil Syngenta täglich Pflanzengifte versprüht», sagte Hooser.

Grund für Hoosers Auftritt in Basel sind Syngentas Forschungsanlagen auf Hawaii. Für Syngenta ist Kaua' i kein Ferienparadies, sondern das ideale Testgebiet für genveränderte Pflanzen. Denn das Klima der Pazifikinsel lässt pro Jahr gleich mehrere Fruchtfolgen zu und beschleunigt so die Forschung. Auf seinen Testfeldern für die pesitzid-resistent gemachten Mais- oder Sojasorten verspritzt der Konzern eine Menge von Pflanzengiften, und das auch in der Nähe von Schulen, Häusern oder Spitälern. Hoosers Vorwurf: Die von Ärzten belegte auffallend hohe Rate an gravierenden Missbildungen bei Neugeborenen sowie Krebs- und andere Erkrankungen gehen auf die Giftmittel respektive auf die Versuche mit Gensaatgut zurück.

Mittel sind in den USA erlaubt, aber in Europa verboten

Syngenta weist die Kritik zurück. «Unser Pestizid-Einsatz entspricht den gesetzlichen Vorschriften», war die Antwort von Verwaltungsratspräsident Michel Demaré auf den Protest aus Hawaii. Allerdings: Die in den USA zugelassenen Mittel wie Atrazin oder Paraquat sind in Europa inzwischen verboten. Atrazin etwa konnte im Trinkwasser nachgewiesen werden, und Paraquat gilt als Mittel, das in hoher Dosis zu Nierenversagen führen kann.

Die Vorwürfe aus Hawaii gegen Syngenta, die nun in Basel eine neue Stufe erreichten, sind nicht neu. 2013 erliess der Bezirksrat, dem Gary Hooser angehört, ein Gesetz, wonach Syngenta das Versprühen von in der Schweiz nicht bewilligten Pestiziden neben Schulen, Spitälern und Siedlungen verboten werden soll und welches die detaillierte Offenlegung der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel verlangt. Syngenta jedoch bestreitet die Rechtmässigkeit des Gesetzes und klagte dagegen.

Mehr als nur ein Rechtsstreit

«Die Auseinandersetzung dürfte jahrelang dauern», meinte Demaré zu der verfahrenen Situation auf Hawaii. Für den Schweizer Reputations-Berater Bernhard Bauhofer von Sparring Partners ist allerdings klar, dass es um mehr geht als den rechtlichen Ausgang des Streits. «Konzerne müssen heute sämtliche Interessen berücksichtigen und sich offen zeigen», so Bauhofer. Er sieht darin einen klassischen Corporate-Responsibility-Fall: Eine gute Unternehmensführung müsse sich nicht nur nach dem eigenen Geschäftsmodell ausrichten, sondern um einen Ausgleich bemüht sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Lansing am 28.04.2015 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist leider war

    Das hab ich selbst mit eigenen Augen gesehen aber in Südamerika, dort ist Syngenta ebenfalls sehr pesent. Dort wird auch alles gespritzt was hier verboten ist und es ist auch im Trinkwasser nachweisbar. Die Krebssterberate ist stark gestiegen. Selbst Bauern sind an dem Gift gestorben.

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  • Jonas am 28.04.2015 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze? = Witz

    Wie kann man nur so eigensinnig sein?! Wir halten uns an die Gesetze... Wenn man die Pestizid-Gesetze der USA kennt weiss man dass diese Ausrede bedeutet: ist mir doch egal wies dir geht, ich mache Milliarden mit meinem Geschäft und wir halten die von uns gekauften Gesetze ein also was hast du für ein Problem? Ich hoffe die Aktionäre werden was unternehmen!

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  • Kein Shareholder am 28.04.2015 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Hauptsache das Shareholder Value ist gesichert, alles andere ist Nebensache...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kapi Talist am 29.04.2015 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz darf alles!

    Wir nehmen ja auch die Kohle von anderen Staaten, die dann bankrott gehen! Andere Länder verpesten ist halb so schlimm! Vorher holen wir noch deren Rohstoffe aus dem Boden! Wir Schweizer sind eben noch geschäftstüchtig. Profit....und wir drücken ein Auge zu!

  • Henry am 29.04.2015 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es!

    Lieber dort als bei uns. Sorry aber so ist das Leben. Wir alle wollen Autobahnen aber nicht vor unserer Haustür.

    • Supermario am 29.04.2015 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzsichtig

      Find ja, wie schon einige Male bemerkt, das Theater um Syngenta voll übertrieben aber alles Negative einfach gedanklich einfach "auslagern" wird dich irgendwann in der Zukunft mit den Folgen konfrontieren. Nämlich spätestens dann wenn beispielsweise genveränderte Lebensmittel auf Deinem Tisch landen. Verhindern kannst Du das nie und nimmer, die Natur wird sich diesbezüglich wie immer durchsetzen!

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  • DenktWeiter am 29.04.2015 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mit TTIP auch in Europa!

    Syngenta sowie auch Monsanto ist die Gesundheit der Menschen nicht wichtig. Es wird auf gegebenes Gesetz gepocht! Also - Sie dürfen!!! Amerika eben. Jetzt aufgepasst, die TTIP versucht eben genau diese Gesetze, unsere Gesetze in Europa denen von Amerika anzupassen! Sollte die EU und auch die Schweiz bei der TTIP mitmachen darf sich die EU Bevölkerung sowie auch wir dann mit solchen Giften im Wasser etc nicht verwundern, da zugelassen. Klagen kann man dann nicht! Informiert Euch!

  • FernLeser am 29.04.2015 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Was wird die Zukunft bringen ?

    Ja, sowas klingt nicht gut, leider ist es kein Einzelfall. Was mich aber am meisten Stört ist die Tatsache dass sehr viele dieser korrupten Firmen ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, halt eben dank netter "Besteuerung" und oft wegen Gesetzeslücken die es so in der EU nicht gibt. Ich verstehe wieso wir das so Handhaben und ja, ich weiss die Bosse dieser Firmen und einige Politiker die ihnen dienlich sind "verdienen" viel Geld. Doch was wenn die ausgebeuteten Länder einestages 1 +1 rechnen und realisieren aus welchem Land die meisten dieser Firmen stammen ?

    • Supermario am 29.04.2015 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz einfach

      Die "ausgebeuteten" Länder können - eben dank innovativer Technik, wie schädlich die auch sein mag - ihre Erträge deutlich verbessern! Also bitte nicht grad die Optik verlieren.

    • Tami am 29.04.2015 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Volksinitiative

      Darum unbedingt Unterschriften sammeln für die Volksinitiative "Verantwortungsvolle Unternehmen - zum Schutz von Mensch und Umwelt" von Solidar Suisse!

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  • andi am 29.04.2015 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe die aufregung nicht

    wieso der hass gegen syngenta? bei jeder abstimmung stimmt ihr alle im sinne der leute, die davon profitieren! mehr macht den abzockern, weniger regulierung der konzerne, sobst wirds uns ja ach so schlecht gehen. leute, ihr seid mitverantwortlich. ihr ermöglicht solche sachen.

    • Michi am 29.04.2015 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Die "Daumen runter" zeigen einmal mehr, wie gut der Mensch darin ist, die Augen zu verschliessen und sich selbst zu belügen.

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