Bankermentalität

27. Dezember 2015 18:18; Akt: 27.12.2015 18:19 Print

Hayek sorgt sich um Schweizer Produkte

Swatch-Chef Nick Hayek fürchtet, dass es Schweizer Marken bald nur noch im Museum gibt. Die Industrie leide unter der schädlichen «Bankermentalität».

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Setzt sich für Schweizer Massenprodukte ein: Nick Hayek an einer Pressekonferenz der Swatch Group in Corgemont. (12.3.2015) (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Die kleine Schweiz sei eine Weltmacht, wenn es um innovative Produkte und Marken gehe. Doch viele davon gebe es nicht mehr. Dies schreibt Swatch-Group-Chef Nick Hayek in einem Gastbeitrag für die Zeitung «Schweiz am Sonntag». In der Schweiz werde alles getan, «die Geisteshaltung auszurotten», dank der Marken und Produkte von Weltbedeutung geschaffen würden.

Insbesondere die Industrie leide unter wirtschafts- und geldpolitischen Massnahmen aber auch unter einer schädlichen «Bankermentalität». «Die Produktion von Gütern ist das Herz einer langfristigen, gesunden Wertschöpfungskette», schreibt er weiter. Diese sichere den sozialen Frieden und sorge nicht für kurzfristigen Reichtum, sondern für die langfristige Sicherung einer Mittelschicht.

Dazu brauche es nicht tiefste Löhne und nicht schlechte Arbeitsbedingungen. Es brauche die pragmatische Geisteshaltung von Unternehmern, Gewerkschaften und Politikern, und es brauche Vertrauen.

Industrie muss kämpfen

Politikern wirft er vor, sie seien oft mutlos und würden «nur in der Welt der Regulierung und Standardisierung leben». Sorgen bereitet Hayek auch der «extrem überbewertete Schweizer Franken».

«Unsere Währungshüter von der braven, etwas biederen Nationalbank haben uns deutlich gezeigt wie schwach wir mittlerweile geworden sind», schreibt er in der «Schweiz am Sonntag» zur SNB. «Wir können uns nicht wehren, wir sind zu klein, und das Risiko ist zu gross.» Die Welt der Schweizer Nationalbanker sei die der Theorien, der Rechtfertigungen, die von Ratlosigkeit, Mutlosigkeit und mangelnder Kreativität zeugen würden. Es sei die Geisteshaltung von Verwaltern anstatt von Gestaltern.

Die Industrie müsse dafür kämpfen, Schweizer Produkte, auch Massenprodukte, herzustellen und diese künftig «nicht nur im Museum zu bewundern».

(ij)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wülsi am 27.12.2015 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sorge um CH-Produkte

    Voll und ganz einverstanden Herr Hayek!

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  • MMy am 27.12.2015 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regulierungswut

    Hayek's Worte kann ich bedingungslos unterschreiben. Vor allem die Regulierungswut auch der Unternehmen selber erstickt jegliche Innovation und Dynamik.

  • Thomas Keller am 27.12.2015 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swissness

    Wir sind schon lange Mittelmass. Die Ironie ist das wir überzeugt sind super zu sein. Was wir Schweizer wurklich haben ist Neid im Überfluss. Dieser wird uns das Genick brechen genau so wie unsere Hamppelis im Bundeshaus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Benedict am 12.01.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker auf normales Lohnniveau senken

    In meinen Augen braucht es keine Politiker, denn sie bringen einfach nichts ausser hohe Kosten. Hayek hat recht mit dem was er sagt. Wir haben einen Schoenwetter Staat der zu nichts klar Stellung nimmt. Duckmaeuser welche gerne viel abkassieren und wenig leisten.

  • Katja Wohmann am 29.12.2015 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Sperrt die Schweizer ein a la DDR

    Hayek hat recht und sollte dringend unsere Politiker aufklären. Diese fördern irrwitzig als Beamtokraten den unerträglichen Gebührenterror als Lösung aller Probleme. Dem noch nicht genug wollen die Bürokraten sogar die Einfuhren von Waren die billiger als in der Schweiz sind am Zoll massiv einschränken. D.h. nichts anderes, als dass die CH-Bürger wie in der DDR quasi eingesperrt werden sollen, damit die überrissen hohen (Beton-) Preise in der Schweiz geschützt bleiben.

  • suzie am 28.12.2015 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann ab ins Ausland damit

    naja, all diese schweizer Produkte werden dann ins Ausland verkauft, weil kein schweizer Büezer sich so was mehr leisten kann. Man muss nicht nur die Produktion ankurbeln, sondern auch die einheimische Kaufkraft.

    • Katja Wohmann am 29.12.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer leben wie im Turm von Babel

      Im inzwischen teuersten Land der Welt leben die Schweizer wie im Turm von Babel. Wollt ihr den Turm immer noch höher Bauen... ja, wirklich? Oder wollt ihr endlich das Leben wieder auf normale Masse und in harmonie mit den umliegenden Ländern zurückfinden? Na ja, wie die Schweiz von den höchsten Prokopf-Schulden der Welt wieder runterkommen, ist natürlich dabei ein noch ungelöstes Problem...

    • Supermario am 29.12.2015 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      Und wie...

      kurbelt man die Kaufkraft an??? Mit Investitionen, Ideen, hohen Margen, Vollbeschäftigung, gutem Exportmarktzugang etc. Und sicher nicht mit leeren Worten!

    • Erich Ed. Müller am 30.12.2015 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Konzerne verhöhnen die Kunden

      @Supermario Und mit anständigen Löhnen. Aber Herr Hayek hat natürlich recht. Heute, wo alle Konzerne nur noch mit Börsengambling verdienen, werden Kunden und Angestellte nicht mehr ernst genommen. Die allermeisten Konzerne verhöhnen ihre Kunden. Wenn man der arbeitenden Bevölkerung entsprechnde Löhne zahlt, haben sie ganz einfach mehr Kaufkraft. Und wenn wieder akzptable Guthabenzinsen eingeführt werden, lohnt es sich auch wieder zu sparen.

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  • G. Keller am 28.12.2015 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Herr Hayek, wären Sie in der Lage, die vielen kleinen IT-Kleinstbetriebe zu einem erfolgreichen Unternehmen wie Swatch-Group hochzustemmen?

    • Pensionierter Unternehmer am 28.12.2015 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      IT-Firmen

      Kleine IT-Betriebe sind viel wert und produktiv. Ich selbst war bis letztes Jahr Besitzer einer 20-köpfigen IT-Unternehmung und habe diese jetzt einem Freund verkauft. Ich wollte explizit keinen Zusammenschluss mit einer grossen Firma, da ich festgestellt habe, dass die Kreativität der Mitarbeiter nachlässt, je grösser das IT-Unternehmen ist. Was viel mehr gefördert werden muss, ist die Freiheit des Denkens und nicht das Erstellen von Applikationen nach Schema F. Neue Ideen bringen die Schweiz im IT-Bereich nach vorne, weshalb ein gutes finanzielles und unabhängiges Finanzpolster nötig ist.

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  • Herbert am 28.12.2015 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer profitiert?

    80% der Schweizer Bevölkerung arbeiten doch gegen den Strom, wie Hayek das treffgenau ausführt. Der Strom, das sind die in- und ausländischen Spekulanten, die seit Jahrzenten davon profitieren, dass es keinen risikoärmeren Deal gibt als auf einen immer stärkeren Franken zu spekulieren. Der Franken muss einzig und allein dem Wohle der Schweiz und aller seiner Bürger dienen!!!

    • Roman Knoepfel am 28.12.2015 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      @ Herbert

      Unsere Industriellen , die wir mal hatten, haben ihre Läden an den Meistbietenden verkauft. Wem gehören heute Brown Boveri, Loki Winterthur, Bührle, Saurer, FBW,CS, UBS,usw, die Liste liesse sich beliebig verlängern. Das hat Hayek mit Banker-Mentalität gemeint. Alle diese Unternehmen sind heute in ausländischer Hand! Welches 5* Sterne Hotel ist in rein schweizerischer Hand? Allesamt bei Investoren aus dem mittleren Osten, Asien oder USA . Alles Unternehmen die dem schnellen Mammon zuliebe ins Ausland verkauft wurden. Wir haben die Kontrolle über die eigenen,traditionellen Firmen aufgegeben.

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