Bioschwindel

05. März 2012 19:22; Akt: 05.03.2012 19:25 Print

Hickhack um den Bioacker

von L. Waltersperger - Der Schweizer Biomarkt boomt. Doch jetzt kommt Kritik von der Forschung: Bio ist ineffizient und gefährlich. Die Bio-Branche will davon nichts wissen.

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Bio-Produkte stehen in der Kritik. (Bild: Keystone)

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Wer auf Bio setzt, achtet auf seine Gesundheit und die Umwelt. Doch nun kommt Kritik von wissenschaftlicher Seite. Nina Fedoroff, Präsidentin der amerikanischen Wissenschafts- Gesellschaft AAAS bemängelt, der Bioanbau sei vor allem eins: ineffizient. Ein kostengünstiger Sack Dünger auf dem Getreidefeld reiche für konventionellen Anbau. Der Bioanbau benötige dagegen neben dem Acker erst einmal Land für Tiere, um Dünger zu gewinnen. Dadurch würden viel zu grosse Flächen gebraucht.

Auch bei der Schädlingsbekämpfung sei der Bioanbau kein Musterknabe – im Gegenteil: Die gängigen Massnahmen seien schädlicher als die des herkömmlichen Anbaus, sagte Fedoroff neulich in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Gentechnologie sei beim Bioanbau Tabu. Beim Einsetzen von Antibiotika und Bakterien-Toxinen seien die Biobauern dagegen weniger zimperlich. Laut Fedoroff sind diese Massnahmen schädlicher als Gen-mutierte Pflanzen.

Gentechnologie besser als Antibiotika

Gleicher Meinung ist auch Prof. Beda Stadler, Immunologe an der Universität Bern. «Grüne Gentechnologie wäre eine Chance für den Bioanbau», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Seit es die Technologie gibt, sei keine Katastrophe passiert. Geht es nach ihm, wäre die Grüne Gentechnologie eine saubere Lösung für Biobauern.

«Biobauer setzen ebenfalls Antibiotika ein, wie ihre normalen Kollegen», betont er. Das sei schädlicher, als ein Antibiotika-Resistenz-Gen in eine Pflanze einzupflanzen, um diese für die Zucht einzusetzen. «Ausserdem sind im Bioanbau viele Giftstoffe erlaubt. Bio-Trauben werden zum Beispiel mit Kupfersulfat vor Pilzen geschützt», warnt er. Die Kupfermengen im Wein seien zwar unschädlich für den Menschen, das Kupfer im Boden aber «eine ökologische Sünde».

Bio-Branche dementiert

Die Biobauern und der Dachverband Biosuisse wollen jedoch nichts von der Kritik wissen: Beim Schweizerischen Bauernverband gewichtet man die langfristige Ressourcenschonung des Bioanbaus wichtiger als eine Effizienzsteigerung um jeden Preis. «Wir wollen Optimierung und keine Maximierung», so Sprecherin Sandra Helfenstein.

«Eine höhere Effizienz nützt uns nichts, wenn wir gleichzeitig das Wasser verpesten und die Düngerressourcen aufbrauchen», heisst es bei Biosuisse. Auch Gentechnologie ist für beide kein Thema: Soeben hat sich der Schweizerische Bauernverband für eine Verlängerung des Gen-Moratoriums für weitere vier Jahre ausgesprochen. «Die Konsumenten wollen keine Gentechnologie in ihrer Nahrung», sagt Helfenstein. Ausserdem biete die Technologie zurzeit keinen effektiven Nutzen für Biobauern. Bei Biosuisse befürchtet man ausserdem, dass die Gentechnologie die Bauern schwächt und von der Agrarindustrie abhängig macht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FrediHinz am 05.03.2012 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharma-Uriella

    Ist schon spannend wie oft Stadler als Schosshund der Pharma und Biotechunternehmen unsinn erzählen kann. Immunologe ist der Mann und kennt sich plötzlich auch in Agronomie aus... also bitte. Dass in den USA ein Grossteil der wissenschaftlichen Studien von den Interessen der privatwirtschaftlichen Geldgeber manipuliert werden ist auch kein Gegheimnis. Kenne einen, der an der ETH unter anderem Ökobilanzen macht. Wurde in die USA geholt für eine Studie. Heizsysteme... alles wurde untersucht, nur publiziert wurde Öl nicht. Finanzierte Studie eines Ölmultis... Googelt mal den Stadler... der blässt immer ins gleiche Rohr, obwohl es mit seinem Fachgebiet nur sehr begrenzt zu tun hat. Dessen Bankauszug möcht ich mal sehen!

  • G. A. am 05.03.2012 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doch nicht bio

    Ich kaufe Bio weil ich keine Antibiotika etc drin will! Aber das hat sich wohl erledigt...

  • Lina M am 05.03.2012 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Laecherlich!!

    Diese Antibio Propaganda ist unglaublich. Mir, als angehende Bio Bæuerin, wird schwindelig wenn ich diesen Bericht lese. Bio Landbau ist nachhaltig und arbeitet MIT der Natur und nicht GEGEN sie. Ich will keinen Vortrag ueber die biologische Landwirtschaft halten, aber die Menschen sollten sich vielleicht mal etwas besser ueber unsere Erde und Gewæchse informieren! Konventionelle Erde ist leblose Erde und wird auf lange Sicht hin zerstørt werden. Diese wieder zum Leben zu erwecken dauert Jahrzente. Bedenkt, dass die Resurssen fuer die Herstellung von Kunstduenger schwinden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter-R am 08.03.2012 03:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bio meiden...

    Dieser Bericht ist eine Rechtfertigung und Bestätigung meiner bisherigen Haltung: Bio strikte meiden. Masslos überteuert, aber weder geschmacklich noch Qualitativ besser. Was nützt es dem Konsumenten, wenn ein Produkt zwar keine Chemie - Giftrückstände enthält, dafür aber pflanzliche Giftrückstände.

  • Andreas am 06.03.2012 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    ineffizient

    Wer bio für ineffizient hält, muss wissen, dass bisher keine der gentechnisch veränderten Sorten mehr Ertrag liefert als eine herkömmlich gezüchtete Sorte. Da ist es ein bisschen seltsam, bio Ineffizienz vorzuwerfen und zu sagen, Gentech sei besser. Und zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie besser unabhängige Wissenschafter als Abhängige.

  • diegito am 06.03.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Anbau wie früher

    Beim Thema Bio wird ganz vergessen, das Bio nichts anders ist, als dass was und wie die Menschen schon seit 1000 von Jahren Gemüse und Pflanzen anbauen!!! Unsere Grossväter und Ur-Grossväter waren alle Bio-Bauern! Es ist also keine Modeerscheinung. Konventioneller Gen-Anbau ist nicht natürlich! Oder meint Ihr, dass vor 200 Jahren irgend ein Bauer Pestizide oder sonstwelche Chemikalien gebraucht haben? Zurück zu den Wurzeln, das ist Bio!

  • Hannes am 06.03.2012 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bio, nein danke!

    Wenn alle Bauern der Welt auf Bio umstellen würden, würde die halbe Menschheit hungern. Wer Bio kauft, ist manipuliert und merkt es nicht.

  • Valeria Riguzzi am 06.03.2012 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lobby pur

    Wenn man weiss wie in Amerika Nahrungsmittel produziert werden, dann will man dort erstens nie wieder irgend etwas essen und zweitens weiss man dann auch, dass diese "Studie" frei erfunden ist zu Lobbyzwecken. Das Problem für die Produzenten von Amerikanischen Nahrungsmitteln ist die Tatsache, dass ein paar Amerikaner aufgewacht sind und nicht weiter Gen- und Mastmüll als Essen serviert bekommen wollen. Dort hat eine Kuh nie im Leben überhaupt einmal frisches Gras oder Heu gefressen, alles wird mit genmanipuliertem Soja und Mais gemästet. Filmtipp: "Food Inc." - Die Wahrheit.