So geht das

16. Mai 2018 11:25; Akt: 16.05.2018 16:54 Print

Hier schöpft der Chef einer Schweizer Bank Geld

von Isabel Strassheim, Basel - Die Vollgeld-Initiative will die Bankengeldherstellung abschaffen. Viele wissen gar nicht, dass es sie gibt. Ein Bank-Chef zeigt, wie sie funktioniert.

So stellt Bank-Chef Jean-Marc Decressonnière Geld her. (Video: Isabel Strassheim)
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Was braucht es, um Geld herzustellen? Nicht unbedingt eine Notenpresse. Jede Geschäftsbank schafft Geld, wenn sie einen Kredit an Kunden vergibt. Die Vollgeld-Initiative, über die am 10. Juni abgestimmt wird, will das abschaffen und allein der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erlauben, Geld zu schöpfen.

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Wussten Sie, dass Banken selbst Geld schaffen?

Wie genau die Bankengeldschöpfung derzeit vor sich geht, wissen die wenigsten. 20 Minuten blickt dem Chef der Basler Freien Gemeinschaftsbank, Jean-Marc Decressonnière, deshalb bei der Geldherstellung über die Schulter. Er befürwortet die Vollgeld-Initiative und wusste zuvor wie viele anderen Banker nicht, dass er selbst Geld produziert. Sehen Sie im Video oben die einzelnen Schritte der Geldschöpfung.

Hier eine Liste, was es dafür braucht:

• Banklizenz
Nötig sind eine Banklizenz sowie Zentralbankgeld auf einem Konto bei der Schweizerischen Nationalbank (nur für Banken möglich).

• Bankkunden
Ohne Kunden geht es nicht. Sie müssen allerdings auch einen Kredit von der Bank wollen und als kreditwürdig befunden werden, denn Geld können Banken nur per Kreditvergabe schaffen.

• Computer
Unabdingbar ist ein Computer mit Zugriff auf das Banksystem, in dem die Konten der Bankkunden geführt werden. Nur so kann eine Kreditsumme gutgeschrieben und dabei neues Geld geschaffen werden.

• Transfer
Weil das Bankengeld nur als digitale Zahl existiert, kann es problemlos von einem Konto auf ein anderes gebucht werden. Beim Transfer auf das Konto bei einer anderen Bank gleichen sich die Ein- und Auszahlungen meist aus, sodass unter den grossen Banken selbst kaum Geld hin und her fliesst. Braucht es das doch, weil die Zahlungsströme zwischen den verschiedenen Banken unausgewogen sind, dann geht dies über die SNB, bei der jede Bank Zentralbank-Geld halten muss. An Zentralbank-Geld wiederum kommt eine Bank durch einen Kredit von der SNB oder anderen Banken sowie durch die Hinterlegung von den Sparguthaben ihrer Bankkunden.

• Mindestreserven
Erfolderlich sind Mindestreserve der Bank auf ihrem Konto bei der SNB von 2,5 Prozent und Eigenkapitalvorschriften für die Bank selbst. So wird die Bankengeldschöpfung beschränkt.

• Geldvernichtung
Bei der Rückzahlung eines Kredites wird das Geld durch die Bank wieder vom Markt genommen und verschwindet als Zahl vom Kontoauszug des Kreditnehmers. So wird es wieder aus dem Umlauf genommen. Die gezahlten Zinsen gehen mindestens zum Teil für den Aufwand der Bank drauf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stef am 16.05.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Chef einer Bank

    Der Chef einer Bank wusste nicht, dass er Geld schafft? Na darüber wird sich die Finma aber freuen...

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  • Vollgeldinitiative123 am 16.05.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das ein Witz?

    Der Typ ist Chef einer Bank und wusste nicht dass er Geld schöpft?!? Das weiss nun auch ein KV Lehrling im ersten Jahr.

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  • Linda am 16.05.2018 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für die Erklärung

    Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Leider habe ich absolut gar nichts verstanden. Auch nicht beim dritten Mal durchlesen :-). Liegt dann wohl an mir.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Waldläuferin am 17.05.2018 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Frage...

    Wenn die Initiative angenommen wird, wie hoch darf sich dann eine Bank mit virtuellem Geld bei der SNB verschulden im Verhältnis zu ihrem realen Geld? Sind da Grenzen vorgesehen?

  • Waldläuferin am 17.05.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sind Boni Vollgeld?

    Die Gewinne werden mit virtuellem Geld gemacht, die Boni jedoch mit Vollgeld ausbezahlt? Falls dem so ist, ist dies tatsächlich (real) Diebstahl. Sehe ich das richtig?

  • PS;L am 17.05.2018 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlüberlegt

    Aufpassen: Die Idee des Vollgeldes ist sehr gut aber man bedenke wie mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen funktioniert das nur, wenn alle mitmachen, also auch der Rest der Welt. Bleiben wir auf der Schiene auf der wir heute fahren, wir das System kollabieren. Früher oder später - Es hat niemand gesagt es wäre einfach...

    • Vollgeldler am 17.05.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PS;L

      Das stimmt so nicht, ich weiss nicht, wie sie zu diesem Schluss kommen. Auch im Vollgeld bleibt ein Franken ein Franken! Wichtig für das Ausland ist eine solide und auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik der SNB. Die Schweiz profitiert vom Vollgeld, dabei ist es egal, ob andere Länder auch Vollgeld einführen!

    • Fred am 17.05.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Crash kommt - sind wir vorbereitet

      Die Geldschöpferei muss man sich als Staat leisten können. Die USA z.B. ist dermassen überschuldet, dass sie es sich eigentlich nicht leisten darf, Geld zu schöpfen. Denn was passiert, wenn die Gläubiger der USA ihr Geld zurück haben möchten und es sich nicht genügend Kapital findet um die Gläubiger zu befriedigen? Dann wäre die USA pleite. Die USA zögert das Unvermeidliche mit ihrer Geldschöpferei nur heraus. Und so geht es vielen Staaten - auch in Europa. Der Crash kommt. Mit Vollgeld wäre die Schweiz sehr gut für einen Crash vorbereitet. Und soll jetzt keiner mit Frankenaufwertung kommen.

    • Christa Muth am 17.05.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

      Kommt der Crash oder doch nicht ?

      Wenn ein grosser Teil aller Gläubiger ihr Geld von den USA zurück haben möchten würde der Dollar abstürzen. Ebenso geht es mit den Anleihen der USA wenn diese auf den Markt geworfen werden. Deshalb müssen sich die USA auch China gegenüber vorsichtig verhalten, denn China hält eine Unmenge an Staatsanleihen der USA. China könnte die amerikanische Währung innert 48 Stunden zerstören wenn es diese Anleihen auf den Markt werfen würde. Die Währungsbehörde der USA weiss das sehr wohl und hat für diesen Fall vorgesorgt; und das weiss auch China.

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  • Kennt Man Doch am 17.05.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldschöpfung

    Seit Jahren kennt man die Formel: (Erstkredit x 100) / Barreserve Dies ergibt den Betrag der möglichen Geldschöpfung!

    • Fred am 17.05.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      mit geschöpftem Geld Geld schöpfen

      Der Faktor ist deutlich höher. Das via Kredit geschöpfte Geld kann wieder für weitere Kredite/Verbriefungen etc. genutzt werden. Dieser Mechanismus ist besonders zwischen Banken sehr praktisch.

    • kommt mir bekannt vor am 17.05.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      spezialisten

      na, da haben wir ja ein paar die sich auskennen. wie soll man das verstehen? wenn ich an meinen banker denke ist dieser gewiss der letzte, der kredite an sich selber vergibt. hier folgt kein politisches statement, die debatte der herrschaften hier spricht für sich.

    • koerthis am 17.05.2018 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kennt Man Doch

      Ja die Formel wird seit hunter Jahren gelehrt, wir wissen nun aber das sie seit 2000 Jahren falsch ist.

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  • Rolf am 17.05.2018 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld

    Mir den Regeln der Vollgeld- Initiative wäre der Bankencrash 2008 nicht passiert und wir hätten nicht Milliarden an Steuergeldern mit der CS und UBS verbrannt.

    • Peterpaulrolf am 17.05.2018 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Die SNB hat mit dem Verkauf der übernommenen Positionen der UBS schlussendlich Gewinn gemacht... keine Gelder verbraten... just sayin ;-)

    • A_A_ am 17.05.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Wenn du mit "verbrannt" meinst, einen satten Gewinn erzielt zu haben mit den Zinsen, welche auf die vollständig zurückgezahlten Darlehen erhoben wurden, dann hast du vollkommen recht!

    • PS;L am 17.05.2018 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      @ Rolf

      Ich bin zwar kein Fan der UBS - die haben Ihre Schulden aber schon artig zurückbezahlt, das muss man denen lassen - Wäre der Steuerzahler nicht eingesprungen wäre die UBS heute nicht mehr existent.

    • koerthis am 17.05.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Ja den satten Gewinn der sieben Jahre Steuerbefreiung der UBS gebracht haben war schon ein guter Zustupf für die Staatskasse, Daumen hoch!

    • Cartman1993 am 17.05.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Schwachsinn. Der Crash in den wäre trotzdem passiert und auf das Auslandsgeschäft der UBS und CS hat diese Initative nur einen beschränkten Einfluss durch die Abspaltung des CH Geschäftes.

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