Neues Fortschrittsbarometer

07. November 2018 10:12; Akt: 07.11.2018 16:44 Print

Schweizer wollen Verkehr unter die Erde verlegen

von Dominic Benz - Die Schweizer wollen laut einer Studie etwa beim Verkehr oder bei der Digitalisierung mehr Fortschritt. Wenn es um ausländische Fachkräfte geht, sieht es anders aus.

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Die Credit Suisse lanciert ihr erstes Fortschrittsbarometer. Es misst die Fortschrittswilligkeit und -fähigkeit der Schweiz in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Für das Barometer befragte die Grossbank 2800 Schweizer Stimmbürger und 300 Meinungsführer, also Unternehmer, Manager und Politiker. 20 Minuten zählt auf, wo die Bevölkerung mehr Fortschritt will und wo sie den Rückwärtsgang einlegen möchte: Sowohl die Bevölkerung als auch die Meinungsmacher wollen den Verkehr künftig mehr in den Untergrund verlegen. Das Güterverkehr-Projekt Cargo Sous Terrain möchten daher beide Gruppen forcieren. Für die Befragten ist der Standort Schweiz wichtig. Sie wünschen sich, dass der Staat mehr Steuergelder in die Forschung steckt. Grundsätzlich wollen die Befragten die Digitalisierung beschleunigen. Die Stimmbürger sind aber hier klar zurückhaltender als die Meinungsführer. Schweizer suchen vermehrt in der Freizeit den Sinn des Lebens. Daher wünschen sie sich verstärkt Lösungen, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance ermöglichen. Mehr Fortschritt wünschen sich die Befragten bei Lösungen zur Gleichberechtigung zwischen und innerhalb der Geschlechter. Es gibt auch Bereiche, in denen sich die Schweizer weniger Fortschritt wünschen. So etwa bei den Bemühungen der Wirtschaft, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. Die Meinungsführer hingegen wollen die Zuwanderung von ausländischem Fachpersonal beschleunigen. Unternehmen verlagern oft Jobs ins billigere Ausland. Das finden die Befragten gar nicht gut. Sie möchten daher, dass sich diese Entwicklung künftig abbremst. Der Regulierungswahn macht offenbar sowohl der Bevölkerung als auch den Managern, Politikern und Unternehmern Sorgen. Entsprechend wünschen sie sich eine Entschleunigung bei der immer genaueren Regulierung des Alltags.

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Wo wollen die Schweizer mehr Fortschritt haben? Und wo soll es eher weniger vorwärtsgehen? Das erste Fortschrittsbarometer der Credit Suisse versucht, diese Fragen zu beantworten. Es misst die Fortschrittswilligkeit und -fähigkeit der Schweiz in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

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Für das Barometer befragte die Grossbank 2800 Schweizer Stimmbürger und 300 Meinungsführer, also Unternehmer, Manager und Politiker. Auf einer Skala zwischen minus 100 und plus 100 gaben sie alle an, wo die Schweiz eher vorwärtsmachen soll – oder eher nicht. Die wichtigsten Erkenntnisse:

• Untergrundverkehr
Sowohl die Bevölkerung als auch die Meinungsführer wollen den Verkehr künftig mehr in den Untergrund verlegen. Mögliche Pläne für eine Metro oder das Güterverkehr-Projekt Cargo Sous Terrain sollen daher forciert werden. Die Idee dahinter: weniger Stau und mehr unverbaute Landschaft.

• Steuergelder für Forschung
Für die Befragten ist der Standort Schweiz wichtig. Besonders die Meinungsführer sind an wirtschaftspolitischem Fortschritt interessiert. Sie wünschen sich, dass der Staat mehr Steuergelder in die Forschung steckt. Zudem sollen die Lohnabzüge für die Altersvorsorge erhöht, die Unternehmenssteuern niedriger und der Warenhandel freier und globaler werden.

• Digitalisierung
Grundsätzlich wollen die Befragten die Digitalisierung beschleunigen, da diese die Gesellschaft effizienter mache. Weil Computer und Roboter aber klassische Berufe ersetzen, zeigen sich die Stimmbürger hier klar zurückhaltender als die Meinungsführer.

• Work-Life-Balance
Die grosse Befriedigung erwarten die Schweizer nicht mehr im Job. Stattdessen wollen sie in der Freizeit vermehrt den Sinn des Lebens finden. Daher wünschen sie sich verstärkt Lösungen, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance ermöglichen.

• Gleichberechtigung
Mehr Fortschritt wünschen sich die Befragten bei Lösungen zur Gleichberechtigung zwischen und innerhalb der Geschlechter. Dazu gehört, dass die öffentlichen und privaten Angebote zur Kinderbetreuung ausgebaut werden sollen. Auch die homosexuellen Paare wollen die Befragten zunehmend rechtlich gleichgestellt sehen.

Hier wollen die Schweizer weniger Fortschritt

Nicht überall wollen die Schweizer, dass es rasch vorwärtsgeht. In gewissen Bereichen soll sich der Fortschritt verlangsamen. Insgesamt will das Stimmvolk bei 13 Themen den Fortschritt gar rückgängig machen. Bei den Meinungsmachern sind es 6.

• Ausländisches Fachpersonal
Weniger begeistert ist das Stimmvolk von den Bemühungen der Wirtschaft, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. Die Bürger wollen diese Entwicklung künftig abbremsen. Die Meinungsführer hingegen wollen die Zuwanderung von ausländischem Fachpersonal beschleunigen.

• Verlagerung von Jobs
Unternehmen verlagern oft Jobs ins billigere Ausland. Das finden die Befragten gar nicht gut. Sie möchten daher, dass sich diese Entwicklung künftig abbremst. Auch Meinungsführer wollen hier weniger Fortschritt, allerdings weniger ausgeprägt als die Bürger.

• Regulierungsanstieg
Der Regulierungswahn macht offenbar sowohl der Bevölkerung als auch den Managern, Politikern und Unternehmern Sorgen. Entsprechend wünschen sie sich eine Entschleunigung bei der immer genaueren Regulierung des Alltags.

Laut Credit Suisse ist es für die Zukunft entscheidend, dass zwischen der Bevölkerung und den Meinungsmachern mehr Einigkeit herrscht. Unter dem Strich zeigen sich die Meinungsführer in den drei Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fortschrittswilliger als die Stimmbürger, wie die Bank schreibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helge Schneider am 07.11.2018 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bin stolzer Schweizer aber...

    Ich sehe mehr Stillstand als etwas anderes in diesem Land. Überall Einsprachen, Gegner und "Ich brauche das nicht"-Mentalität. Um einen Tunnel zu realisieren/bauen brauchen wir Jahrzehnte, um ein Teilstück einer Autobahn zu sanieren, Jahre. Firmen die investieren wollen werden vermehrt durch div. Abgaben zur Kasse gebeten. Leute wacht auf! Die Trendwende wird kommen wenn das so weiter geht. In ein paar Jahrzehnten sind wir nicht mehr die "First World". Die "First World" liegt dann in Asien. Lernt Chinesisch!

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  • Stefan Eich am 07.11.2018 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Hinter dem Mond

    Was die Metro angeht.....da lebt die Schweiz hinter dem Mond.

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  • Pete am 07.11.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Steuergeld für Forschung ja...

    ... aber nur wenn die Resultate dann auch der Allgemeinheit zugutekommen und das Ganze nicht nur eine billige Patentquelle für Grosskonzerne ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oberli am 09.11.2018 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Autos

    Wir haben nicht zu wenig Strassen, sondern zu viele Autos.

    • alboreto am 09.11.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Autos und Leute

      weniger Autos? Kein Problem. Einfach die Leute dezimieren. Aber wir wollen ja immer noch mehr Leute hier in unserem Land haben

    • Ingelbach am 12.11.2018 20:48 Report Diesen Beitrag melden

      Stabilität statt Mikromanagement

      Vielleicht einfach mal aufhören wollen alles durch politische Mikromanagement lösen wollen und strukturelle Stabilität stärken?? Wie lange dauert ein Arbeitsverhältnis heute? Weniger als 5 Jahre. Darum haben auch alle Ikea wegwerf Möbel weil man andauern umzieht und man dauernd pendeln muss... Denn es ist heute eigentlich kaum noch möglich Arbeitsort und Wohnort aufeinander abzustimmen und so Verkehr zu reduzieren... Kurze Arbeitswege, weil man an den Arbeitsort zieht, reduzieren Verkehr am Wirksamsten. Noch mehr Bauen und tun bewirkt das Gegenteil...

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  • Shredder X am 08.11.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zukunft gehört jenen

    Ländern, die heute schon die Infrastruktur von morgen schaffen! Wer das nicht versteht muss sich nicht wundern, wenn übermorgen hier und da nichts mehr geht, weil die Industrie sich andere Standorte sucht. Grundsätzlich investiert man immer in die Zukunft und diese richtet sich nicht nach den Bedürfnissen Ewiggestrigen, sondern danach wo und wie man sein Geld vermehren kann. Ganz einfach!

  • Geissenpeter am 08.11.2018 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft will "ums verrecke" Wachstum

    durch Outsourcing, durch billige ausl. Fachkräfte, durch Robotisierung, durch weniger Steuern, durch Freihandel, durch Klau und Ausnutzung von BigData, durch Globalisierung... wo bleibt hier bitte der Vorteil für den Bürger? Ich sehe es leider nicht.

  • Automobilist am 08.11.2018 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert ja nicht mal überirdisch

    Bitte zuerst den normalen Verkehr überirdisch koordinieren und zum fliessen bringen, heisst aufhören zu behindern und zu schikanieren, dann kann auch über neue unterirdische Konzepte diskutiert werden. Aber erst dann....

    • Oberli am 08.11.2018 08:15 Report Diesen Beitrag melden

      Zu viele Autos

      Auch Ihr Kommentar ist unterirdisch, Herr Automobilist. In der Schweiz hat es nicht zu wenig Strassen, sondern zu viele Autos.

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  • bruno am 08.11.2018 05:42 Report Diesen Beitrag melden

    Transportverkehr unter die Erde !

    den müssen wir nicht sehen und stört alle. das gleiche würde auch für die bauern gelten bremser und vergifter der nation...........