Strom, Milch, Chips

30. Juli 2018 20:53; Akt: 30.07.2018 21:07 Print

Die Mega-Hitze schlägt auf die Preise

von Dominic Benz - Wegen des heissen Wetters steigen die Strompreise. Auch Pommes frites könnten teurer werden – und kürzer.

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Auf vielen Feldern herrscht derzeit grosse Dürre. Unter anderem fallen in vielen Regionen auf der Nordhalbkugel die Ernten von Weizen um ein Vielfaches geringer aus. Das Getreide wird daher teurer. Auch die Kartoffelernte ist bedroht. Experten rechnen mit hohen Ausfällen. Das könnte Pommes frites verteuern. Hinzu kommt: Weil die Kartoffeln für die verarbeitende Industrie nicht mehr richtig wachsen, könnten Pommes frites schon bald kürzer ausfallen. Wegen der Trockenheit und der Hitze geben auch die Kühe weniger Milch. Das treibt die Preise in die Höhe. Zudem fahren einige Atomkraftwerke ihre Leistung herunter. In der Schweiz produziert das Kernkraftwerk Mühleberg weniger Strom. Grund für das Zurückfahren ist die Tatsache, dass es nicht genügend Kühlwasser gibt. Das Kühlwasser kommt von den Flüssen. Doch durch die Hitze und die trockenen Tage ist etwa das gesamte Flussbett der Töss in Wila ZH ausgetrocknet (26. Juli 2018). Eine Folge der Trockenheit: Die Grundwasserspiegel sinken, weshalb weniger kaltes Frischwasser in die Flüsse und Bäche gelangt. Dadurch wird weniger Sauerstoff freigesetzt und die Fische verenden. (Im Bild: Unter dem Sauerstoffmangel leidende Karpfen aus dem Muzzanersee bei Lugano im Hitzesommer 2003) Wegen der anhaltenden Trockenheit haben bereits etliche Kantone ein Feuerverbot ausgesprochen. Die Hitze setzt ganz Europa zu. In Hannover beschädigte sie etwa die Landebahn des Flughafens. Auch Japan leidet unter der Hitze. Dort ist sie teilweise bereits lebensbedrohlich. 2003 zeigten sich die Folgen des Klimawandels erstmals deutlich. Damals gab es einen extrem heissen Sommer. Wie in diesem Jahr sanken auch 2003 die Wasserspiegel (Bild vom Bodensee im August 2003). Nicht nur in der Schweiz wird es heftiger. Weltweit wird das Wetter extremer. So etwa die Überschwemmungen in Grossbritannien. Stürme werden weltweit ebenfalls stärker. (Im Bild: Zerstörung durch den Hurrikan Maria in Puerto Rico im September 2017) Nordrhein-Westfalen, Nettetal, am 24. Juli 2018: Durch Hitze vertrocknete Kartoffelpflanzen auf einem Feld. Die Landwirtschaft leidet unter dem trockenen Wetter.

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Ob in der Schweiz oder in Deutschland – die andauernde Hitze und Trockenheit hat die Nordhalbkugel fest im Griff. Das Wetter belastet vor allem die Landwirtschaft, aber auch die Energieproduzenten leiden. Die Folge: Die Preise für Strom oder Kartoffeln steigen. 20 Minuten zeigt auf, wo die Konsumenten vielleicht schon bald tiefer in die Tasche greifen müssen.

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• Strom
Wegen der Hitze wird weniger Strom produziert. Das lässt die Preise ansteigen. Das Problem liegt unter anderem bei den Kohle- und Atomkraftwerken. Ihnen geht zusehends das Kühlwasser aus, weil die Flusspegel immer mehr sinken und die Wassertemperaturen steigen. In Deutschland haben bereits erste Anlagen die Produktion gedrosselt. Mit dem Kernkraftwerk Mühleberg hat auch ein erster Schweizer Versorger vergangene Woche die Leistung heruntergefahren. Hinzu kommt, dass es wegen des stabilen Hochdruckgebiets weniger Windenergie gibt.

Laut dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beeinflusst derzeit das heisse, trockene und wenig windige Wetter – insbesondere in Deutschland – die Preise an den Stromhandelsmärkten. So sind auch hierzulande die Kosten gestiegen. «In der Schweiz waren die Strompreise vom 25. Juli die bisher höchsten in diesem Sommer», teilt eine VSE-Sprecherin auf Anfrage mit. So habe am letzten Mittwoch eine Megawattstunde 58,22 Euro gekostet. Und auch beim Produzenten Alpiq heisst es: «Sollten die Hitze und die Trockenheit anhalten oder sich noch akzentuieren, dürften die Preise weiter steigen.» Noch sind die höheren Preise nicht an den Steckdosen der Haushalte angekommen.

• Pommes frites und Chips
Die Hitze und die Trockenheit setzen den Kartoffeln zu. In Deutschland rechnet man mit Ernteausfällen von bis zu 40 Prozent. Betroffen sind vor allem die Kartoffeln für die industrielle Weiterverarbeitung. «Kartoffeln wachsen ab 30 Grad nicht mehr. Bleibt das Wetter so, wird dies negative Auswirkungen auf die Ernte haben», sagt Rudolf Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten. Die Industrie warnt daher vor Engpässen und Qualitätsproblemen. Die Folge: Pommes frites und Chips könnten teurer werden. Laut Experten sind die Preise schon jetzt deutlich höher als im Vorjahr. Zudem wird damit gerechnet, dass künftig kleinere Kartoffeln in der Industrie landen. «Pommes frites und Chips dürften kürzer und kleiner werden», sagt Fischer. Das habe es schon nach dem Hitze-Sommer 2003 gegeben. Bei Terralog, Kartoffel-Lieferant für Pommes-frites-Hersteller, will man bezüglich Grösse und Preis noch keine Prognose stellen. Sicher ist aber: «Erreichen die Kartoffeln nicht das gewünscht Kaliber, werden die Pommes frites kleiner», sagt Simon Werthmüller von Terralog.

• Brot
Die Ernten auf den Getreidefeldern fallen wegen des heissen und trockenen Wetters viel kleiner aus. In Deutschland sind laut «Welt» Einbrüche von einem Fünftel zu befürchten. Auch in den südlichen Regionen der USA rechnet die Zeitung mit einem drastischen Ausfall. Russland als weltgrösster Exporteur von Weizen erwartet den ersten Rückgang seit sechs Jahren. Das hat Folgen an den Rohstoffmärkten: Die Preise für Weizen sind im Juli um zehn Prozent gestiegen. Das ist der höchste Preis seit drei Jahren.

Auch in der Schweiz rechnet man mit weniger Ernte beim Weizen. «Die Erträge dürften wegen der Trockenheit und Hitze geschätzt um 10 Prozent zurückgehen», sagt ein Sprecher vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV). Dennoch werden Brot und Mehl hierzulande nicht teurer – auch wenn das in der EU der Fall wäre. Der Grund: Der Schweizer Weizenmarkt ist nicht vollständig geöffnet und mit einem Grenzschutz belegt. Zudem wird der hiesige Weizen nicht auf dem Weltmarkt gehandelt.

• Milch
Auch die Kühe leiden unter dem derzeitigen Wetter und produzieren weniger Milch, denn den Tieren fehlt das Futter. So beispielsweise das Gras, das wegen der Trockenheit weniger wächst und weniger Nährstoffe enthält. Auch Futtermais gibt es wegen Wassermangels zu wenig. In Teilen Europas, wo die Hitze besonders stark ist, verkauften Bauern einen Anteil ihrer Kühe oder mussten sie zum Schlachten bringen. Aber auch die Hitze ist ein Problem. «Bei hohen Temperaturen fressen die Kühe weniger Futter und geben deshalb weniger Milch», sagt ein Sprecher vom Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP). So angespannt wie die Situation in Deutschland oder in Polen sei es aber in der Schweiz nicht. Das könne sich aber ändern, wenn es weiterhin nicht regne. Ein Preisanstieg ist dann möglich. Auch die Entwicklung im Ausland könnte die Milch verteuern. «Die Preisentwicklung in Europa hat Einfluss auf die Schweiz», erklärt der Sprecher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H. Berner am 30.07.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlogen

    Jaja, der Milchpreis steigt. Wer kassiert ab? Jedenfalls nicht der Bauer, sondern der Zwischenhandel wird sich die Hände reiben und ihre Kassen füllen!

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  • Chupachup am 30.07.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    War heute in der Badi Sempach.1 Portion Pommes 7.70.-.Ich kann leider nicht schreiben was ich denke, aber es zeigt mir, dass ich wieder im grossen Kanton essen gehe.Es soll mir jetzt keiner kommen, Lohn, Kosten oder Unterhalt.Der Preis ist nicht ganz normal.

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  • Dr.Kern am 30.07.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    Macht doch mal einen Fakten check... So einiges was ihr schreibt ist schlicht weg falsch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schlimm am 05.08.2018 00:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr

    Ja und wieviel nur schon weggeworfen wird niemals zum Vorschein kommen. Das will niemand wissen...!!

  • Moyani Alona am 02.08.2018 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Auch ohne durch den Sommer

    Wir können ja auf Fritten verzichten , macht ja Fett , besser nur Flesch Salat Brot , in der Not...

  • Kon Sument am 01.08.2018 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alle wollen und tun es! Schamlos

    abzocken und profitieren. Vielleicht wären 1-2 % angemessen, aber nein, gleich 10 oder 15% draufschlagen. Schamlose Abzocker allesamt. Aber nichts Neues. Die Tankstellen machen es schon lange vor. Nur die Bauern haben nicht viel davon; die bekommen Ausgleichszahlungen, die wir dann nochmals berappen dürfen.

  • B.Armin am 01.08.2018 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Essen was auf den Tisch kommt...

    Man muss endlich aufhören alle Lebensmittel zu normen, dann reicht es für alle und die Preise bleiben stabil. Warum muss die Gurke gerade sein? Warum dürfen Äfpel keine Punkte haben usw.

    • FlixiG am 01.08.2018 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @B.Armin

      Genau auf den Punkt gebracht B.Armin. Auch für mich ist es unbegreiflich warum wir nur genormten Lebensmittel in den Läden bekommen. Also Leute, kauft beim Bauern direkt vor Ort dann ist der Zwischenhandel ausgeschaltet und die Bauern bekommen für das Produkt einen fairen Preis.

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  • Strahlemann am 31.07.2018 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So viel Energie und wir haben Mangel

    Ein paar Solarzellen mehr wären jetzt nicht das dümmste. Die fühlen sich momentan pudelwohl. Mit dem Überschuss könnte man jetzt Teserven bilden (hätte man bereits brauchbare Labgzeitspeicher). Stauseen fallen ja weg. Wo kein Wasser gibts auch nichts zu pumpen. Eine langfristige Planung mit dem Ziel uns nicht einzuschränken wör mal was. Aber dazu müsste man mal richtig anfangen. Nicht kleckern sondern klotzen.

    • Adi Meister am 31.07.2018 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Strahlemann

      Solarenergie ist leider keines wegs ökologisch. Zum herstellen von Solarpanels und Photo-Voltage-Anlagen braucht es sehr viele Rohstoffe (u.a. Bauxit usw.), welche in anderen Ländern unter extrem schlechten Bedingungen und Umweltbelastung gewonnen werden. Wir in Europa haben dann das Gefühl, wir würden ökologischen Strom erzeugen, aber die Umweltbelastung durch die Produktion ist riesig. Daher, ökologisch Strom produzieren geht nun mal nicht!

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