Zementindustrie

10. November 2010 07:23; Akt: 10.11.2010 11:10 Print

Holcim-Profit erodiert

Holcim hat in den ersten neun Monaten zwar mehr umgesetzt, aber weniger verdient. Auch der Ausblick von Holcim ist verhalten.

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Die stotternde Bauwirtschaft und der Preisdruck in Europa und den USA haben Holcim einen Dämpfer verpasst. Diese bremsten den Umsatz und den Gewinn des Zementkonzerns in den ersten neun Monaten des Jahres. Der Umsatz von Januar bis September sei um 5 Prozent auf 16,6 Mrd. Fr. gestiegen, teilte Holcim am Mittwoch mit. Ohne Akquisitionen wäre der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 2,3 Prozent gesunken.

Der Reingewinn sackte gar um 27,1 Prozent auf 875 Mio. Fr. ab. Schuld am Taucher seien nicht nur der schlechtere Geschäftsgang, sondern auch eine einmalige Steuerbelastung wegen Änderungen in den Beteiligungsstrukturen in Nordamerika, teilte Holcim weiter mit. Zudem bekam der Konzern die Schwäche von Euro und Dollar zu spüren.

Die Baustoffnachfrage habe im dritten Quartal einen Dämpfer erlitten. Insbesondere in den USA, in Mexiko, Osteuropa und Indien harzte das Geschäft wegen der schlechten Wirtschaftslage und Unwettern.

Weniger Betriebsgewinn

Der so genannte betriebliche EBITDA (operativer Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen) sank um 1 Prozent auf 3,577 Mrd. Franken. Gründe für diese Abnahme sei ein höherer Preisdruck in wichtigen Märkten und steigende Kosten für Produktion und Distribution.

Stark bekam dies Holcim in Indien zu spüren. Dort gerieten mit dem besonders starken Monsun in diesem Jahr die Zementpreise im ganzen Land ins Rutschen. Zusätzlich litt Holcim unter Lieferengpässen. Auch in Europa und in den USA hätten sich speziell im dritten Quartal die Preise verschlechtert.

Mit den vorgelegten Zahlen hat der Zementkonzern die Erwartungen der Analysten beim Umsatz und beim EBITDA verfehlt, beim Reingewinn aber übertroffen. Die Experten hatten bei einem Umsatz von 16,839 Mrd. Fr. einen EBITDA von 3,724 Mrd. Fr. und einen Reingewinn von 830 Mio. Fr. vorhergesagt.

Europa stagniert

Die Bauwirtschaft in Europa machte kaum Fortschritte. Die hochverschuldeten Staaten zeigten sich zurückhaltend mit Investitionen. Auch der Rückgang von Geschäfts- und Industriebauten dämpften die Baustoffnachfrage. Dieser Effekt sei stärker gewesen als die leichte Erholung des Wohnbaus in einigen westeuropäischen Ländern.

Der Umsatz von Holcim in Europa schrumpfte um 9,3 Prozent auf 5,136 Mrd. Franken. Der betriebliche EBITDA schmolz gar um 17,4 Prozent auf 855 Mio. Franken.

In der Schweiz und Süddeutschland konnte Holcim mehr absetzen. Die Bauwirtschaft profitierte von der ausgezeichneten Auftragslage im Wohnungs- und Infrastrukturbau. Hierzulande profitierte der Konzern vom Baubeginn am NEAT-Bahntunnel durch den Monte Ceneri.

Indes hielt in Südeuropa die Baukrise an. Auch in Ost- und Südosteuropa belastete die zurückhaltende Vergabe von Bauaufträgen durch die Staaten und durch Private den Verkauf. In Russland habe sich die Bauwirtschaft erholt.

Verhaltener Ausblick

In Nordamerika habe sich die Nachfrage nach Wohn- und Geschäftsimmobilien ungenügend erholt. Zudem machte das Wetter der Bauwirtschaft zu schaffen. Der Umsatz in Nordamerika sank um 6,7 Prozent, während der Betriebsgewinn um 11,6 Prozent stieg.

In Lateinamerika erwies sich die Bauwirtschaft als ziemlich krisenresistent. In Asien und Ozeanien bleibt die Nachfrage hoch.

Dennoch ist der Ausblick von Holcim gedämpft. Die Aussichten für Europas Baumärkte seien verhalten. Auch in Nordamerika werde sich die Nachfrage kaum ändern. Derweil dürften Asien, Ozeanien und Afrika weiter wachsen. Insgesamt werde es nicht einfach sein, den betrieblichen EBITDA des Vorjahres von 4,63 Mrd. Fr. zu erreichen, hiess es.

(sda)