Aus von Thomas Cook

28. September 2019 11:18; Akt: 28.09.2019 15:34 Print

Hotels nötigen Gäste vor Ort, nochmals zu zahlen

von Dominic Benz - Nach der Pleite von Thomas Cook bangen Hotels um ihr Geld – und bitten ihre Gäste zur Kasse. Eine Leserin erzählt von ihren Albtraum-Ferien.

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Leserin Andrea L.* hat bei Thomas Cook Deutschland eine Pauschalreise gebucht und macht momentan Ferien auf den Kanarischen Inseln in einem Viersternehotel auf Fuerteventura. Doch entspannen kann sie nicht (im Bild: Flughafen auf Fuerteventura). Denn nach der Pleite des Reiseveranstalters bangen die Hotels um ihr Geld – und nötigen die Gäste, vor Ort Nachzahlungen zu tätigen. «Wir und zahlreiche andere Gäste des Reiseunternehmens werden von unserem Hotel aufgefordert, unsere restlichen Tage bis zur Abreise zu zahlen», sagt L. zu 20 Minuten (im Bild: Flughafen auf Fuerteventura). Der Forderung will L. nicht nachkommen: «Momentan zahlen wir erstmal gar nichts.» So habe sie auch von Thomas Cook ein Mail erhalten. Darin betone der Reiseveranstalter, dass die Zurich Versicherung in Deutschland die Zahlungen übernehme. Wegen der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook sind Tausende Touristen im Ausland gestrandet. Der deutsche Ableger des britischen Reisekonzerns Thomas Cook hat einen Insolvenzantrag gestellt. Peter Fankhauser ist seit Herbst 2014 CEO von Thomas Cook. Er verdiente während seiner Amtszeit über 10 Millionen Franken. Die hohen Löhne der Thomas-Cook-Manager sorgten regelmässig für Diskussionen. Erst auf Druck der Aktionäre wurde Fankhausers Bonus, der zuweilen bis 225 Prozent des Grundgehalts ausmachen durfte, begrenzt. HSG-Absolvent Fankhauser wird als sehr bodenständig beschrieben: So stieg er etwa jährlich mit Kollegen aus der Reisebranche in der Schweiz aufs Mountainbike. «Fankhauser war kein Schickimicki-Manager, kein Schwätzer und Blender», heisst es über den bestverdienenden Schweizer der Reisebranche. Sein Reiseveranstalter ist nun jedoch insolvent. Alle Flüge sind gestrichen worden. (Archivbild) Das Unternehmen befindet sich in der Zwangsliquidation. Für die Kunden von Thomas Cook wird nun eine Rückholaktion gestartet. Der zweitgrösste Reisekonzern der Welt hatte das ganze Wochenende um eine Abwendung der Insolvenz gerungen. Von der Insolvenz betroffen sind unmittelbar rund 160'000 britische Touristen. (Symbolbild) Für die Rettung von Thomas Cook wäre eine Finanzierung in der Höhe von umgerechnet 250 Millionen Franken nötig gewesen.

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Thomas Cook ist pleite. Europas zweitgrösster Reiseveranstalter musste vor ein paar Tagen Insolvenz anmelden. Davon sind Hunderttausende Reisende betroffen. Viele von ihnen weilen derzeit noch in einem Hotel, dass sie zusammen mit einem Flug in einem Pauschalangebot bei Thomas Cook gebucht haben.

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So auch Leserin Andrea L.* Sie macht momentan Ferien auf den Kanarischen Inseln. Doch entspannen kann sie nicht. Denn die Betreiber eines Viersternhotels auf Fuerteventura wollen von ihr Geld. «Wir und zahlreiche andere Gäste des Reiseunternehmens werden von unserem Hotel aufgefordert, unsere restlichen Tage bis zur Abreise zu zahlen», sagt L. zu 20 Minuten.

Hotels bangen um ihr Geld

Weil der Geldhahn von Thomas Cook zu ist, bangen die Hotels um ihr Geld. Sie versuchen, es bei den Gästen direkt einzufordern – obwohl diese bereits ihre Pauschalreise bei Thomas Cook oder einer der Tochtermarken wie Neckermann Reisen bezahlt haben. Der Forderung will L. nicht nachkommen: «Momentan zahlen wir erstmal gar nichts.»

So habe sie auch von Thomas Cook Deutschland ein Mail erhalten. Darin betone der Reiseveranstalter, dass die Zurich Versicherung die Zahlungen übernehme. «Im Mail steht, dass wir versichert sind und nicht zahlen müssen.»

Hotels nötigen ihre Gäste

Auf Anfrage bestätigt Zurich die Übernahme der Hotel- und Rückflugkosten. Zudem sollen die Hotels bereits jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen erhalten. «Dies gilt sofort und unter der Voraussetzung, dass Thomas Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden.» Reisende sollen den Forderungen vor Ort nicht nachkommen.

Viele Touristen haben das Gleiche erlebt wie Leserin L. Laut Berichten mussten schon etliche Thomas-Cook-Kunden umgerechnet über 1000 Franken auf den Tisch legen. In Tunesien sollen britische Gäste des Ferienresorts Les Orangers von Wachen an der Abreise gehindert und zur Nachzahlung von mehreren Tausend Pfund genötigt worden sein.

70 Millionen Euro offen

Die Pleite des Reisekonzerns trifft Tunesien hart. Über 200'000 Touristen reisten jährlich mit Thomas Cook nach Tunesien. Derzeit sollen vom Veranstalter rund 70 Millionen Euro an offenen Rechnungen bei tunesischen Hotels ausstehen.

In Spanien etwa sind vor allem die Kanaren und die Balearen sowie Andalusien, Valencia und Katalonien betroffen. Mit Thomas Cook waren im vorigen Jahr rund 3,6 Millionen Personen nach Spanien gekommen. Auf den Kanaren machten diese Kunden laut Behörden 20 Prozent aller ausländischen Besucher aus, auf den Balearen 10 bis 15 Prozent.

Der Urlaub ist leider vermiest

Walter Kunz kann die Sorgen sowohl der Hotels als auch der Feriengäste verstehen: «Die Pleite bringt alle Beteiligten in Bedrängnis», sagt der Geschäftsführer vom Schweizer Reise-Verband zu 20 Minuten. Ein allgemeines Rezept, wie sich die Feriengäste vor Ort verhalten sollten, gebe es nicht (siehe Box). Je nachdem bleibe einem aber kaum etwas anderes übrig, als zu zahlen: «Was nützt es, wenn man sonst nicht aus dem Hotel kommt und dann noch den Flug verpasst?», sagt Kunz.

Leserin L. berät sich nun mit anderen betroffenen Hotelgästen, wie es weitergeht. Der Transfer zum Flughafen sei schon mal gestrichen worden. Sie hofft, dass nun der Rückflug bezahlt ist. «Leider sind wir nur am Hoffen und Bangen, dass alles gut kommt. Das alles hat uns die Ferien vermiest», so L.

(mit Material der SDA)

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moritz von der Mühle am 28.09.2019 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würg

    Da verdient einer bis zum abwinken Millionen und das Fussvolk kann das ausbaden. Zum kot...

    einklappen einklappen
  • Serge am 28.09.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so...

    Tip top, ergibt ne schwarze Liste von Hotels die zu meiden sind. Nächstes Jahr dann wieder jammern....

    einklappen einklappen
  • Daniel Baum am 28.09.2019 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komisch

    ich dachte die hotels erhalten das geld schon vor der Reise

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Internet am 03.10.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Bewertung

    Wer trotzdem Geld von den Gästen fordert sollte mit 1 Sterne Bewertung abgestraft werden. So können sich Reisende zukünftig vor solchen Hotels schützen.

  • Annagret am 01.10.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit leerem Geldbeutel

    Geht man nicht in die Ferien. Mir tun die Kinder 2mal leid,im Flieger weinen und schreien Sie und jetzt sitzen sie auf der Strasse.

  • Dagobert McDuck am 30.09.2019 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisen zu Billigpreisen

    Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen... Zum Beispiel, dass man die Reise - Versicherung 'vergass' zu schliessen. Diese kostet dann ja auch nichts.

  • Reto Meier am 30.09.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Vorauszahlung

    Wenn ich als Reisender schon Vorauszahlen muss, dann sollten es auch die Veranstalter und Fluggesellschaften müssen.

  • H. Schmid am 30.09.2019 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schändlich

    Nicht einmal Eure Redakteure kennen offensichtlich den Unterschied zwischen "das" und "dass". Eine Schande!