Ferien bei den Griechen

20. Mai 2012 17:03; Akt: 20.05.2012 17:06 Print

Hoteliers verzweifeln ob der Politik

von Alex Hämmerli - Stabilität oder Chaos? Euro oder Drachme? Wegen der politischen Unsicherheit sind die Buchungen griechischer Hotelzimmer noch weiter eingebrochen. Nur Schweizer bleiben dem Land treu.

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So voll wie hier wird es an Griechenlands Stränden diesen Sommer wohl nur noch selten werden.

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Die griechische Tourismusbranche ist wahrlich nicht zu beneiden: Nach dem Wahldebakel am 6. Mai seien die Buchungen von Hotelzimmern noch einmal eingebrochen, beklagen die Mitglieder der Panhellenischen Hotelier-Vereinigung. Derzeit betrage das Minus gegenüber dem Vorjahr je nach Region 30 bis 50 Prozent. Am schlimmsten treffe es die Halbinsel Peloponnes sowie die Inseln Korfu und Kreta. Mittlerweile hat Griechenland eine Übergangsregierung. Für 17. Juni sind Neuwahlen angesagt.

Besonders verheerend für den Tourismus ist, dass die Deutschen fernbleiben. Pro Jahr verbrachten bislang rund zwei Millionen Deutsche ihre Ferien bei den Hellenen. Dieses Jahr werden es deutlich weniger sein (20 Minuten berichtete). Nicht einmal auf eingeschworene Griechenland-Fans sei mehr Verlass, klagen die Hoteliers.

Schweizer zieht es auf die Krisen-Inseln

«Die Deutschen bleiben weg», bestätigt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan Suisse. «Die Schweizer lassen sich aber zum Glück nicht von den Negativmeldungen beeindrucken.» Die Buchungszahlen für Griechenland lägen etwas über denen vom Vorjahr. Und auf den Krisen-Inseln Korfu und Kreta seien diesen Sommer sogar mehr als zehn Prozent mehr Schweizer zu erwarten. Einzig in Athen sehe es düster aus: In der Hauptstadt, wo es häufig zu Streiks und Ausschreitungen kommt, seien die Buchungen im hohen zweistelligen Prozentbereich eingebrochen.

Ähnlich klingt es bei Tui Suisse: Dort haben ebenfalls mehr Schweizer Gäste Sommerferien in Griechenland gebucht. «Die Nachfrage ist nach einem zurückhaltenden Start vor einigen Wochen angesprungen», sagt Sprecher Roland Schmid auf Anfrage von 20 Minuten Online. Auch bei Kuoni heisst es, man sehe «keine touristische Krise» in Griechenland, auch wenn sich die Familien mit den Buchungen etwas zurückhalten würden.

Touristen auf Schnäppchenjagd

Für die guten Buchungszahlen aus der Schweiz seien vor allem die tiefen Preise verantwortlich, heisst es bei den Reiseveranstaltern: Wegen dem starken Franken und weil die Hoteliers aufgrund der sonst so schwachen Nachfrage gezwungen seien, Rabatte zu gewähren, könne man dieses Jahr rund 20 Prozent günstiger in Griechenland Ferien machen als im vergangenen Sommer. «Für den Preis eines Drei-Sterne-Hotels in Italien kann man sich in Griechenland eins mit Vier Sternen leisten», veranschaulicht Huguenin. «Die Hoteliers sind froh, wenn die Gäste kommen, auch wenn sie weniger bezahlen.»

Die Panhellenische Hotelier-Vereinigung drängt nun auf Massnahmen, die den Besuchern sorgenlose Ferien garantieren sollen. Was die Hoteliers genau im Sinn haben, ist indes noch nicht klar. Laut Schmid von Tui ist es «entscheidend, dass es auf den Ferieninseln wie bis anhin ruhig bleibt und die Ferien wie gebucht zur Freude der Gäste verlaufen». Huguenin von Hotelplan Suisse sieht in Griechenland ein ähnliches Potenzial wie nach dem Umsturz in Ägypten: «Der Service ist in Griechenland schon jetzt ausgezeichnet», so Huguenin. «Statt wie Könige müssen die Gäste nun aber wie Kaiser behandelt werden.» Dann könnten auch Skeptiker kaum mehr nein zu Ferien bei den Griechen sagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel Würt am 21.05.2012 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eurokrise

    geht lieber nach Italien z.B nach Rimini da könnt ihr auch günstig Ferien machen und das essen ist auch noch 1000 mal besser.....

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  • Kai Förster am 21.05.2012 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ferien ohne

    Schweizer gefallen mir als Deutscher auch besser als ständig deren überhebliches Gebaren und Gekrächze zu hören. Also liebe Schweizer bleibt bitte dort fern, wo wir Urlaub machen, wie z.B. auf Mallorca, den kanarischen Insel, Türkei und Kreuzfahrtschiffen wie Aida und Tui etc.. So wie ich es hier gelesen habe, tun wir uns somit gegenseitig ein gefallen.

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  • Blondie am 21.05.2012 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland wir kommen!

    In 4 Wochen geht es ab nach Kos....denke das wir uns nicht so verunsichern sollten...Wir hoffen mal das es für unsere Familie wieder so schön wird wie immer...

Die neusten Leser-Kommentare

  • soso am 21.05.2012 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Drachme 2.Teil

    2. Teil soso: Wenn die Drachme eingeführt und abgewertet wird, muss zwingend der Kurs festgelegt werden,sodass er nicht dem freien Fall zum Opfer fällt, und Börsenspekulationen ausgesetzt ist!

  • wesi am 21.05.2012 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Marschall

    Na was wohl? 1.Drachme einführen. 2.Abwerten. 3. Schuldenschnitt. 4. Marschallplan!All diese Varianten können einen Staatsbankrott verhindern und vermeidet zugleich, dass die anderen EURO-Länder mit in den Abgrund gerissen werden!

  • Roland Schneider am 21.05.2012 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich geh in die Türkei

    Also ich gehe sicher nicht mehr nach Griechenland! Überall Streiks, unfreundliches Volk! Ich geh wie letztes Jahr in die wunderschöne Türkei!

  • L.Angel am 21.05.2012 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien!!

    Gehe im Sommer auch zwei Wochen nach Rhodos trotz negativen Meldungen.

  • früherer Griechenlandfan am 21.05.2012 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    Ich bin Jahrelang an die verschiedensten Orte in Griechenland gereist, was ich aber seit 2 Jahren nicht mehr mache. Seit dem Euro ist das Essen, die Liegestühle etc. viel teurer geworden und die Strände und Strassen immer schmutziger. Der Abfall am Strand wurde nie entsorgt, die die Geld für ihre Liegestühle verlangt haben, sind den ganzen Tag nur faul rumgesessen und haben nichts gemacht. Viele Griechen müssen umdenken und auch etwas tun fürs Geld! Meine griechischen Freunde in der Schweiz sehen das übrigens auch so.