Eigenheim

08. Juli 2014 09:03; Akt: 08.07.2014 09:05 Print

Hypozinsen nähern sich dem Tiefststand

Trotz eindringlicher Warnung vor einer Immobilienblase: Die Zinsen für Festhypotheken sind im zweiten Quartal 2014 weiter markant gesunken und nähern sich dem Rekordtief von 2012.

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Noch bleibt die Zinswende aus – obwohl Banken und Bund schärfere Regeln im Hypothekenbereich beschlossen haben. Laut dem aktuellsten Hypothekenbarometer des Vergleichsdienstes Comparis sind die Richtzinsen für Festhypotheken im zweiten Quartal nochmals deutlich gesunken und nähren sich dem Rekordtief von 2012 an.

Vor allem die Zinsen für zehnjährige Festhypotheken sind im zweiten Quartal deutlich gesunken, von 2,4 auf 2,2 Prozent. Zehnjährige Festhypotheken konnten von Kunden mit guter Bonität oftmals gar unter der psychologischen Marke von 2 Prozent abgeschlossen werden. Die Zinsen für fünfjährige Laufzeiten gingen von 1,6 auf 1,4 Prozent zurück. Wer gut verhandelte, konnte sogar zu 1,2 bis1,3 Prozent abschliessen. Damit liegen die Zinsen nahe am Rekordtief von Ende 2012.

Enorme Hypothekarverschuldung

Dass die Zinsen nochmals gesunken sind, dürfte jene Kreise bestätigen, die unablässig vor der Bildung einer Immobilienblase warnen und Gegenmassnahmen fordern. So haben die Banken Ende Juni auf Druck der Finanzmarktaufsicht die Anforderungen bei der Hypothekenvergabe verschärft. Seither müssen Neuhypotheken bereits nach 15 statt wie bisher nach 20 Jahren zu zwei Drittel amortisiert sein. Der Bundesrat begrüsst die Verschärfung.

Die aktuelle Hypothekarverschuldung in der Schweiz beträgt bereits 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, was Experten als zu viel erachten. Die sinkenden Zinsen dürften das Hypothekarvolumen nun eher weiter ansteigen lassen.

Neue Vergaberegeln haben wenig Auswirkungen

Viele Eigenheimbesitzer beschäftigt derzeit die Frage, ob sich der Traum vom Eigenheim trotz der neuen Amortisationsregeln noch realisieren lässt: Comparis-Sprecher Felix Schneuwly beruhigt: «Nur jeder zwanzigste potenzielle Immobilienkäufer wird angesichts der neuen Bedingungen eine günstigere Immobilie suchen müssen.» Die Auswirkungen der verschärften Amortisation seien gering. Zudem könnten betroffene Hypothekarnehmer oftmals mehr Eigenmittel beisteuern, durch Erhöhung des Vorerbes, Familien-Darlehen oder Vorsorgegelder.

In Sachen Vorsorgegelder hat aber kürzlich Bundesrat Alain Berset mit seinem Vorschlag für viel Wirbel gesorgt. Demnach soll für Wohneigentum keine Pensionskassengelder mehr verwendet werden dürfen, weil vielen das Geld im Rentenalter fehlt. Wer ein Haus baut oder kauft, nimmt laut Zahlen des Bundesamtes für Statistik durchschnittlich rund 80'000 Franken von der Pensionskassen. Jedes Jahr machen rund 25'000 davon Gebrauch.

Versicherungen günstiger als Banken

Auffallend sind laut dem neusten Hypothekenbarometer die markanten Unterschiede bei den 10-Jahres-Angeboten zwischen Banken und Versicherungen. Der Vergleich der drei günstigsten relevanten Versicherungen und Banken zeigt: Bei den Versicherungen zahlen Kunden im vergangenen Quartal im Schnitt 0,2 Prozentpunkte weniger Zinsen als bei den Banken. Je nach Bonität des Kunden klaffen die Unterschiede bis zu einem halben Prozent auseinander.

Die günstigen Angebote haben die Schuldner zum Abschluss von langfristigen Verträgen bewogen. Zwischen April und Juni bevorzugten drei Viertel der Schuldner Festhypotheken mit langfristigen Laufzeiten zwischen 7 und 15 Jahren. Knapp ein Viertel wählte mittelfristige Laufzeiten zwischen 4 und 6 Jahren. Nur 3 Prozent entschieden sich für kurzfristige Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Häusle-Besitzer am 08.07.2014 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Enfache Lösung

    Logisch will keiner seine Hyposchulden zurückzahlen, warum sollte man das auch tun, finanziell lohnt sich das einfach nicht.... Die Lösung wäre simpel: Eigenmietwert (=virtuelles "Einkommen") endlich abschaffen, dafür Schulden nicht mehr abzugsfähig. So wäre der 0815-Liegenschaftsbesitzer sicher motivierter, seine Schulden zu tilgen...

  • Mieter am 08.07.2014 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ok und jetzt

    Gut und was ist mit den Wohnungen? Die sind masslos überteuert!!

  • Hannes Müller am 08.07.2014 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    All diese Scheiss-Finanzinstitute (ich entschuldige mich für dieses Wort bei den Lesern) leihen Geld von Kunden und SNB (Volksvermögen) ohne ihr Gehirn einzuschalten und sind für diese Misere schuld. Diese Typen sollten ihr eigenes Geld auslehnen - das würde schlagartig ändern. Das Geld anderer zu verjubeln und sich dabei noch zu bereichern - ein Vorrecht von Banken und Versicherungen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hafäkäs am 08.07.2014 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berset will uns " enteignen"

    und aus uns ein Volk von Mietern machen. Es ist nämlich umgekehrt, nicht den Rentnern fehlt das Geld im Alter sondern durch die Vorbezüge für W'Eigentum fehlt es den P'Kassen und dem Staat, denn die Miete kann ja Steuertechnisch nicht abgezogen werden, Hypozin-sen aber schon. So wie ich es im Kt. St.Gallen bei meinen Eltern erlebt habe, gibt es keine finanzielle Unterstützung vom Staat, solange ein Eigenheim vorhanden ist, das private Vermögen muss bis auf 25000 bei Ehepaare und bei Einzelpersonen 15000 geschrumpft bz. das Haus muss verkauft werden sein, vorher gibt es keine Hilfe vom Staat.

  • JKaro am 08.07.2014 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    mind.30% Eigenkapital fordern

    Viel zu billig. Eine Erhönung bedeutet so für viele das AUS. Mehr Eigenkapital fordern von den Eigentümern. Abzahl. nach spät. 10 Jahren.

    • Gabi am 08.07.2014 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Diskriminierung am mieter

      blödsinn! So kommt man ja nie zum eigenheim und wird mit den steuern abgezockt! Leider kann ich nichts erben und alleine kriegt man das ek kaum zusammen. Ohne pensionskasse schon gar nicht. Dabei verdiene ich gut! Aber der staat nimmt mir fast alles, weil ich mieterin bin und keine kinder habe.

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  • Ernst Kappeler am 08.07.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    150 % der jährl. Wirtschaftsleistung?!

    Na denn, gute Nacht Schweiz!! Das Erwachen der breiten 'unwissend bleiben wollenden' Masse der Haus'besitzer' wird mehr als nur grausam sein... Der Spruch wird derselbe sein wie immer: "Das konnte ja wirklich niemand ahnen"! Jeder ist seines Glücks eigener Schmid...

    • Fubar am 09.07.2014 03:11 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso?

      Wohneigentum ist ja eine langfristige Investition, die relativ wertbeständig ist. Da macht es nichts, dass die Hypo-Schulden 150% der jährlichen Wirtschaftsleistung sind. Die Häuser lösen sich ja nicht einfach so in Luft auf.

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  • Ein zufriedener Kunde am 08.07.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied Banken und Versicherungen

    Einen Unterschied des Zinssatzes der Bank und der Versicherung ist offensichtlich. Nein, die Banken sind nicht die Abzocker, viel mehr ist der gesamte Service(fachliche Beratung, Ansprechperson in finanziellen Fragen usw.) darin inbegriffen. Bei der Versicherung bekommt man dies alles nicht. Nun kann jeder selber entscheiden, ob er lieber ein bisschen mehr zahlt, um einen ständigen Ansprechspartner zu haben.

    • F. ma am 08.07.2014 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      bist du Banker?

      Bei Versicherungen bekommst du auch eine Seriöse Beratung. Versicherungen sind von der FINMA strenger überprüft als Banken. Wenn eine Versicherung nicht mind. 80% Kundengelder/Verpflichtungen garantieren kann wird sie von der FINMA liquidiert. Welche Bank schafft 80% ?

    • toni am 08.07.2014 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      F.ma und zufriedener

      ihr seit beide im Unrecht. F.ma, sehr viele Banken schaffen locker deine 80 %, gewisse Banken haben sogar deutlich über 100 % (sieh dich mal bei KB's, RB's, Regiobanken usw. um, musst nicht nur auf die Grossbanken schauen)! Der Unterschied liegt auch nicht (nur) bei der Beratung (aber sicher auch etwas), die Versicherungen sind einfach viel wählerischer, z.B. muss die Bonität seeehr gut sein, die Belehnung darf nicht über 50 % (oder so) sein, die Hypothek muss mindestens Fr. 300'000 (oder so ähnlich) betragen. Somit geht die Versicherung NULL Risiko ein und kann somit günstigere Zinsen bieten.

    • Fubar am 09.07.2014 03:13 Report Diesen Beitrag melden

      @toni

      Da kenne ich aber ganz andere Beispiele bei Versicherungs-Hypotheken...

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  • Hannes Müller am 08.07.2014 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    All diese Scheiss-Finanzinstitute (ich entschuldige mich für dieses Wort bei den Lesern) leihen Geld von Kunden und SNB (Volksvermögen) ohne ihr Gehirn einzuschalten und sind für diese Misere schuld. Diese Typen sollten ihr eigenes Geld auslehnen - das würde schlagartig ändern. Das Geld anderer zu verjubeln und sich dabei noch zu bereichern - ein Vorrecht von Banken und Versicherungen.

    • Ernst Kappeler am 08.07.2014 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Typen sollten ihr eig. Geld auslehnen?!

      Da haben Sie wohl unbewusst eine Real-Satire produziert! Wer sich je schon mal mit der sog. Geldschöpfung befasst hat, weiss, dass die Geschäftsbanken für Kredite, so auch Hypotheken, tätsächlich ihr 'eigenes' aus LUFT (sic!) geschöpftes Giral-Geld ausleihen!! Das nennt sich auch FIAT-Money!!

    • Der.Ökonom am 08.07.2014 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      SNB

      @ Hannes Müller Die SNB gehört nicht dem Volk sonder den Aktionären. Genauso wenig wurde die UBS damals mit Steuergelder gerettet.

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