Intrigen und Kündigungen

06. November 2019 04:44; Akt: 06.11.2019 08:18 Print

So risikoreich lieben die Leser ihre Chefs

Der McDonald's-Chef musste gehen, weil er sich in eine Mitarbeiterin verliebt hatte. Ähnlich ging es auch vielen Lesern. Ein Karriere-Experte mahnt zur Vorsicht.

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Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig. Der Arbeitsplatz gleicht einer Liebesfabrik: Immer wieder verlieben sich Kollegen. Wenn zwischen den beiden Liebenden ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, wird es aber brenzlig. Aufkeimende Gefühle im Büro wurden jetzt etwa dem Chef von McDonald's zum Verhängnis: Steve Easterbrook muss seinen Posten räumen, weil er im Büro eine Liebesbeziehung mit einer Mitarbeiterin hatte. Erst im Oktober kostete die Liebesbeziehung mit dem Chef einer Schweizer Angestellten den Job. Markus Leibundgut, der CEO von Swiss Life Schweiz, und seine langjährige Stabschefin sind ein Liebespaar. Diese Liaison hat Konsequenzen für die Frau: Sie musste diesen Herbst den Posten räumen. Patrik Gisel, einstiger Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, hatte einst eine Beziehung mit einer (ehemaligen) Verwaltungsrätin. Darüber informierte er den gesamten Verwaltungsrat. Dabei stellte sich die Frage, ob Gisel und die Frau schon eine Beziehung hatten, als sie noch im Amt war. Bei Gisels Partnerin handelt es sich um die frühere Raiffeisen-Verwaltungsrätin Laurence de la Serna. Begründet wurde ihr Rücktritt mit «Veränderungen im beruflichen Umfeld sowie aus persönlichen Gründen». Und auch der einstige Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz, gegen den die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt, hatte Probleme wegen der Liebe. Der Grund: Er war mit der ehemaligen Raiffeisen-Rechtschefin Nadja Ceregato zusammen. Auch gegen die Frau wird ermittelt. Ebenfalls im Herbst 2018 wurde in Bern bekannt, dass der Chef des Bundesasylzentrums Ziegl mit einer ihm untergebenen Asylbeamtin ein Verhältnis angefangen hatte. Der Chef wurde wegen der Affäre schliesslich freigestellt. Karrieren-Experte Heinz Wyssling aus Zürich mahnt zur Vorsicht. Vor allem, wenn zwischen den beiden Liebenden beruflich ein direktes Hierarchie-Abhängigkeitsverhältnis besteht. «Das ist sehr heikel», warnt Wyssling. «In solchen Fällen: Finger weg!», meint Wyssling gar. Und wenn es die wahre Liebe ist und bleibt? «Dann ist es am besten, wenn einer der beiden Partner, bei einem hierarchischen Abhängigkeitsverhältnis, den Betrieb verlässt» Denn: Da nach Schweizer Recht kein konkreter Kündigungsgrund angegeben werden muss, könnte so auch bald die noch höhere Chefetage eine Kündigung aussprechen. Konfliktsituationen am Arbeitsplatz seien bei solchen internen Liebeskonstellation zudem kaum zu vermeiden: «Andere Mitarbeiter fühlen sich dann sofort benachteiligt, es entstehen Gerüchte und es wird gelästert», sagt Wyssling. Viel gelassener sieht es laut Wyssling aus, wenn sich Angestellte in Kollegen verlieben, die zwar in derselben Firma arbeiten, jedoch in einer anderen Abteilung oder einem anderen Team tätig sind. «Dann steht der Liebe eigentlich nichts im Weg», sagt der Experte. Auch sei man in solche Fällen nicht gezwungen, die Beziehung öffentlich bekannt zu geben: «Das ist und bleibt Privatsache.»

Zum Thema
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Der oberste McDonald’s-Chef stolpert über eine Liebesafäre. Weil sich Steve Easterbrook in eine Mitarbeiterin verliebt hatte, musste er den Fastfood-Riesen verlassen. Dass aus einer professionellen Arbeitsbeziehung eine Lovestory geworden ist, davon bereichten auch einige Leser. Dabei zeigt sich: Viele haben wegen der Liebe den Job gewechselt.

Umfrage
Sind Sie derzeit verliebt?

Gschnorr
Jasmin (27), Luzern

Ich liebte meinen Chef. Heute ist er nicht mehr mein Chef, aber wir lieben uns noch immer. Die Beziehung hält jetzt schon fünfeinhalb Jahre. Nach eineinhalb Jahren Beziehung wechselten wir beide den Job. Das Gschnorr ging echt auf die Nerven.

Kündigung
Beat (38), Sarnen

Ich habe mich Anfang 2018 in eine meiner Angestellten verliebt. Jedoch hat auch die Geschäftsleitung Wind davon bekommen und hat uns eine riesige Szene gemacht. Ich sollte sie entlassen – was ich aber nicht tat. So habe ich dann selbst gekündigt. Meine Partnerin trennte sich dann von ihrem damaligen Mann und wir zogen zusammen. Meine Partnerin arbeitete noch fast ein Jahr im Betrieb, jetzt ist sie auch weg. Wir sind sehr glücklich und dankbar, dass wir diesen Weg gegangen sind.

Risiko
Markus (41), Westschweiz

Ich hatte eine zweijährige Affäre mit einer Kollegin. Wir wussten beide, dass dies uns den Job kosten würde, wenn es rauskommt. Da ich in der Deutschschweiz lebte und sie in der Romandie, konnten wir unsere Beziehung gut vor der Firma geheimhalten. Die Beziehung ging dann auseinander. Der Grund war aber nicht die Firma.

Anziehung
R. (27), Rotkreuz

Ich hatte bei meinem früheren Arbeitgeber ein Verhältnis mit meinem Vorgesetzten. Das Verhältnis hatte bereits vor meinem offiziellen Stellenantritt begonnen, da ich vorher schon bei einigen Events der Firma mitgeholfen hatte und wir uns so schon näher gekommen waren. Wir fühlten uns beide sehr voneinander angezogen und konnten die Finger nicht voneinander lassen. Auch während der Arbeitszeit. Gefühle waren im Spiel, aber trotzdem konnten wir uns schliesslich auf keine Beziehung einlassen.

Hartnäckigkeit
Ruth (57), Bern

Wir arbeiteten in einer Druckerei, ich als Abteilungsleiterin, er als Buchbinderei-Mitarbeiter. Fünf Jahre lang grüsste man sich, wenn man sich begegnete, und an Firmenanlässen sass man nicht wirklich beieinander, weil zumindest ich an ihm nichts Interessantes fand. Doch eines Tages – aus keinem ersichtlichen Grund – veränderte sich meine Sichtweise: Plötzlich erschien er mir als sehr attraktiver, interessanter und netter Mann. Von da an nahm ich jede Gelegenheit wahr, in seine Abteilung zu gehen. Es zeigte sich, dass auch er Interesse an mir hatte. Die Konsequenz daraus? Unsere heute 27-jährige, bildschöne Tochter, die jetzt gerade ihr Studium erfolgreich beendet hat!


Der Expert rät: «Finger weg!»

Während eine Leserin meint, das Ganze sei kein Problem – «Beide müssen nur vernünftig genug sein» –, rät Karriere-Experte Heinz Wyssling aus Zürich zur Vorsicht. Vor allem, wenn zwischen den beiden Liebenden beruflich ein direktes Hierarchie-Abhängigkeitsverhältnis besteht. «Das ist sehr heikel», warnt Wyssling. «In solchen Fällen: Finger weg!», meint Wyssling gar.

Doch einfacher gesagt als getan: Sollten die Gefühle nämlich nicht zu unterdrücken sein, rät der Experte zur Offenheit: «Die beiden sollten von Anfang an ehrlich miteinander kommunizieren.» Sämtliche Szenarien und Eventualitäten sollten die Liebenden miteinander besprechen, um ein Drama bei einem allfälligen Liebes-Aus am Arbeitsplatz zu vermeiden.

Vorsicht vor Kündigung

Und wenn es die wahre Liebe ist und bleibt? «Dann ist es am besten, wenn einer der beiden Partner, bei einem hierarchischen Abhängigkeitsverhältnis, den Betrieb verlässt», sagt Wyssling. Konfliktsituationen am Arbeitsplatz seien bei solchen internen Liebeskonstellationen nämlich kaum zu vermeiden: «Andere Mitarbeiter fühlen sich dann sofort benachteiligt, es entstehen Gerüchte, und es wird gelästert», sagt Wyssling. Durch die Kündigung würde es sich also auch erübrigen, den Betrieb über die aufkeimende Liebe zu informieren.

Auch könnten sich plötzlich höhere Vorgesetzte einmischen: «Man wird sich im Betrieb dann fragen, inwiefern die Objektivität des involvierten Chefs noch gewährleistet ist», sagt Wyssling. Und da nach Schweizer Recht kein konkreter Kündigungsgrund angegeben werden muss, könnte so auch bald der blaue Brief ins Haus schneien.

Viel gelassener sieht es laut Wyssling aus, wenn sich Angestellte in Kollegen verlieben, die zwar in derselben Firma arbeiten, jedoch in einer anderen Abteilung oder in einem anderen Team tätig sind. «Dann steht der Liebe eigentlich nichts im Weg», sagt der Experte. Auch sei man in solche Fällen nicht gezwungen, die Beziehung öffentlich bekannt zu geben: «Das ist und bleibt Privatsache.»

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luzernpfopf am 06.11.2019 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe des Lebens

    Ich liebe einen Arbeitskollegen. Er arbeitet in der "Chefetage"... Alle aus der Firma wissen es und gönnen es uns von Herzen.... EIN GUTES GEFÜHL

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  • Knorrli am 06.11.2019 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts hinzuzufügen

    Statistisch "geschieht es" am häufigsten am Arbeitsplatz. Viele Menschen verbringen ja auch die meiste Zeit des Tages im Job.

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  • Marc am 06.11.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch bleibt Mensch

    Dieser Artikel zeigt exemplarisch auf, wie menschenunfreundlich gar asozial die heutige Arbeitswelt ist. Da soll dann noch, wie von den jungfreisinnigen vorgeschlagen, das Rentenalter steigen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 07.11.2019 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Ich arbeite bei einer Großbank in Zürich und pflege seit 3 Jahren eine offene Liebesbeziehung mit meinem Vorgesetzten Beat, da die meisten in unserem Team entweder bi- oder homosexuell sind, war dies bisher nie ein Problem, ausser für Joel, denn ich habe ihm den Beat ausgespannt ...

  • Ardit am 07.11.2019 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verliebt

    Nein bin nicht verliebt möchte auch nicht verliebt sein. bin zufrieden als Single ;-)

  • Denise La Belle am 07.11.2019 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bürotisch unser Spielplatz

    Ich finde eine Beziehung am Arbeitsplatz, oder wie man das nennen soll, super! Man kann sich gewisse Freiheiten herausnehmen und mein Chef braucht jeden Tag Entspannung und Zärtlichkeiten. Unglaublich wie sich dieser Extraservice auf die Karriere auswirkt. Sogar mein Bürooutfit bezahlt er.

  • huschmie am 07.11.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei heikle Punkte

    Es gibt zwei heikle Punkte. Vorgesetzter mit Untergebener oder wenn eine oder beide Beteiligten offiziell sonstwie gebunden sind. Alles andere sollte kein Problem sein.

  • Bürger am 07.11.2019 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Zeig mir deinen Kontostand und ich......

    Komisch bei 90 % der Kommentaren haben sich die meisten in ihrem Chef verliebt, ich würde eher meinen das dicke Portemonnaie und die Möglichkeit Karriere zu machen. Von wahre Liebe reden wir nicht eher die " Kontostandsliebe " wäre ehrlicher Büro Dame mit Büroangestellten eher selten zu treffen.

    • Denise La Belle am 07.11.2019 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bürger

      Wo liegt das Problem? Jeder soll das machen, was ihm am besten liegt. A propos liegen während der Arbeitszeit ist ja nicht schlecht, wenn man Ende Monat ein super Gehalt überwiesen bekommt. Ich finde in den Pausen und zwischen den Meetings ist es am besten, da braucht man einfach ein wenig ....

    • Nancy am 07.11.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

      Heutzutage ist Portmonee wichtig.

      Ja, ja, meisten Frauen heutzutage schaut nur Portemonnaie. Das ist heutzutage wichtig. Echte Liebe findet nicht mehr zu schnell heutzutage. Alle passt all spiet nur mit dem liebe.

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