250'000 Fr aus Crowdfunding

23. Mai 2018 06:43; Akt: 23.05.2018 14:53 Print

Wollen Quadronis Spender jetzt ihr Geld zurück?

von R. Knecht - Gegen den Whistleblower im Bündner Baukartell-Skandal laufen Verfahren, die seinen Heldenruf in Frage stellen. Das stört seine Unterstützer aber nicht.

Bildstrecke im Grossformat »
Natanael Wildermuth (rechts) will Whistleblower Adam Quadroni mittels Crowdfunding unterstützen. «Quadroni hat alles verloren, ausser seiner Ehrlichkeit und seiner Aufrichtigkeit», sagt Wildermuth. Doch es werden Vorwürfe gegen den Whistleblower laut. Quadroni soll die Liquiditätsplanung seiner Firma Linard Quadroni SA frisiert haben, weswegen ein Treuhänder Millionen in die Firma investiert habe in der Hoffnung, sie vor dem Konkurs retten zu können. Die Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne stellen sich jedoch hinter Quadroni. Im Bild: Quadroni mit dem Kampagneninitiator Natanael Wildermuth (l.) Ein Leser sagt, er bereue es nicht, Quadroni 20 Franken gespendet zu haben. Schliesslich sei er ihm so oder so dankbar. Im Bild: Quadroni mit dem Kampagneninitiator Natanael Wildermuth (l.) Quadroni deckte ein Baukartell im Unterengadin auf. Er sass bei den Preisabsprachen am Tisch und entschied sich 2006, auszusteigen. Aufgrund seiner Informationen büsste die Wettbewerbskommission sieben Firmen jüngst mit insgesamt 7,5 Millionen Franken. Den Preis, den er dafür bezahlte, war hoch: Er erhielt keine Aufträge mehr und ging in Konkurs. Dazu kam Streit um das Besuchsrecht für seine Töchter, nachdem seine Frau ausgezogen war. Nachdem die beiden einen wüsten Streit gehabt hatten – seine Frau wirft ihm vor, sie geschlagen zu haben –, rief diese einige Tage später die Polizei, als er mit den Kindern unterwegs war. Der Verdacht: «akute Suizidalität, Hinweise auf geplanten erweiterten Suizid sowie häusliche Gewalt.» Die Polizei rückte mit einer Sondereinheit ein. Drei Tage verbringt Quadroni in der Psychiatrie. Als er zurückkommt, ist die Frau mit den Kindern weg. Seither kämpft er für sein Besuchsrecht. Das Kantonsgericht entschied, dass er seine Töchter alle zwei Wochen für einen Tag unter Aufsicht zu sich nehmen darf. Mit dem Geld aus dem Crowdfunding will Quadroni diesen Entscheid ans Bundesgericht weiterziehen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 250'000 Franken hat Natanael Wildermuth für Adam Quadroni, den Whistleblower im Fall des Bündner Baukartells, gesammelt. Die Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit.com läuft noch bis Anfang Juni. Bereits Anfang Monat brach sie den Rekord für das Projekt, das auf Wemakeit.com innert 72 Stunden am meisten Geld erhalten hat. Doch kürzlich erschienen Berichte über Verfahren, die gegen Quadroni im Gange sind.

Umfrage
Glauben Sie, dass auch Quadroni Dreck am Stecken hat?

Quadroni wird des Betrugs bezichtigt. Er soll laut Medienberichten 2014 die Bilanz seines Unternehmens verfälscht haben. Zudem habe er 2016 ein Fahrzeug verkauft, ohne es nach Bezahlung zu liefern. Der Heldenruf des Whistleblowers wird somit in Frage gestellt. «Es tut mir für alle leid, die ihm Geld gespendet haben, ihr werdet jeden einzelnen Rappen bereuen», fasst Leser Ben einen Teil der Leserreaktion zusammen.


Innert sechs Tagen häufte die Kampagne für Adam Quadroni 100'000 Franken an. Daraufhin erschien dieses Dankesvideo. (Video: Natanael Wildermuth)

Nichts zu bereuen

Wollen die Unterstützer jetzt ihr Geld zurück? Der Initiant wollte diese Frage von 20 Minuten nicht beantworten. Von den Lesern, die bei der Kampagne mitgemacht haben, kommt in einer Umfrage von 20 Minuten ein klares Nein: Einer von ihnen schreibt, er habe die Kampagne nicht unterstützt, weil er Quadroni für einen Helden halte. Es gehe darum, dass der Mann dadurch überhaupt vor Gericht bestehen könne. «Sonst wäre er einfach von den grossen Fischen, die noch viel mehr Dreck am Stecken haben, gefressen worden», so der Leser. Ob Quadroni sich wirklich etwas zuschulden kommen liess, würde sich dann zeigen.

Ein weiterer Leser sagt ebenfalls, er bereue es nicht, Quadroni 20 Franken gespendet zu haben. Schliesslich sei er ihm so oder so dankbar. Da Quadroni selbst Mitglied des Kartells war, sei zudem von vornherein klar gewesen, dass er selbst nicht ganz sauber sei.

Rückforderungen sind gar nicht möglich

Zudem dürfte es auch gar nicht möglich sein, das Geld zurückzufordern. Nur wenn eine Kampagne den vordefinierten Zielbetrag nicht erreicht, bekommen Unterstützer auf Wemakeit.com ihr Geld zurück. Im Fall Quadroni lautet dieses Ziel 100'000 Franken und ist damit längst überholt.

Ein Leser wollte wissen, ob das Geld aus der Kampagne an Quadroni geht, unabhängig davon, ob er in den laufenden Verfahren schuldig gesprochen wird oder nicht. Laut Kampagnenbeschreibung entscheiden darüber Quadronis Rechtsberater und Alt-Bundesgerichtspräsident Giusep Nay und Initiant Natanael Wildermuth im Einvernehmen mit Quadroni und seinem Anwalt.

Ziel der Kampagne sei, Quadroni die finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, damit er ein neues Leben aufbauen und um das kontrollfreie Besuchsrecht bei seinen Töchtern kämpfen könne. Quadroni will einen Entscheid des Kantonsgerichts, das ihm nur begleitetes Besuchsrecht einräumt, vors Bundesgericht ziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 23.05.2018 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkungstaktik

    Schon beängstigend dass dies plötzlich wichtiger ist als die Bau-Mafia welche er aufgedeckt hat. Nur weil er selber nicht sauber ist hat das keine Auswirkung auf die Kriminelle Energie hinter der Baubranche...

    einklappen einklappen
  • Oralapostel am 23.05.2018 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    BD hat Recht

    Klau wenig und sie werfen dich ins Gefängnis - Klau im grossen Stil und sie machen dich zum König!

    einklappen einklappen
  • Der Skeptiker am 23.05.2018 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtgerangel

    An diesen Vorfwürfen gegen Quadroni dürfte nicht viel mehr dran sein, als dass Ihn gewisse Kreise nach wie vor versuchen weiter in den Dreck zu ziehen und mundtot zu machen, wer merkts?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Renato Giudicetti am 23.05.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    A. Quadroni vs Regierungsstellen

    Es ist ohnegleichen, was sich der bündnerische Regierungsrat in der Rundschau geleistet hat - und mit - in Abwesenheit zig andere Mitwisser. A. Quadroni hat um seine pure Existenz gekämpft. Da sind Fehler zwar unvermeidlich, nicht aber tolerierbar. Statt ihm aud den Weg zurück zu helfen, stehen plötzlich Leute da, die das erschweren. Warum wohl? Gerechtigkeitssinn oder nur Neid über Quadronis Glück mit den helfenden Mitmenschen, wer weiss das.

  • E.T. am 23.05.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich

    Herrlich, wie die STudies auf den Quadroni reingefallen sind. Was man im Studium eben nicht lernt, ist Lebenserfahrung. Was für ein Sumpf bei den Berglern.

  • Herr Paternoster LIVE in der Bank am 23.05.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ich möchte nun meine 5.-- SFr. retour wenn es noch geht

  • Dante Veritas am 23.05.2018 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ruf vernichten durch die Presse

    Es ist ein altbekanntes Mittel der Mächtigen - auch im "sauberen" Schwiizerländli - einen unliebsamen Gegner durch Schmutzkampagnen und zusammenhanglose Anschuldigungen zu zerstören. Ich habe das Gespräch mit dem Bündner Regierungsrat in der Rundschau gesehen. Ein himmeltrauriger Auftritt der seinesgleichen sucht. Der Mann hat keine Ehre. Warum wird bei ihm nicht ermittelt? Die Schweizer Justiz ist ein WITZ!

    • Renato Giudicetti am 23.05.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dante Veritas

      Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Ausführung. Ich habe das TV Rundschau Statement auch gesehen, wir wahren alle empört über diese Ignoranz. Hoffentlich wird man sich bei Wahlen daran denken...

    einklappen einklappen
  • K.M. am 23.05.2018 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Erfahrung

    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das Aufdecken von Ungerechtigkeiten wirtschaftlich und sozial sehr nachteilig sein kann. Diejenigen die bereit sind zu betrügen sind auch bereit zu verleumden und schlecht zu machen. Traurige Gesellschaft.