Würde und Privatsphäre

07. Juli 2014 12:58; Akt: 07.07.2014 12:58 Print

Ikea-Häuschen für Menschen auf der Flucht

So einfach aufzubauen wie ein Billy-Regal: Ab 2015 liefert Ikea Hütten für Flüchtlinge. 30'000 davon soll die UN bereits bestellt haben.

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Stabiler, haltbarer und wetterbeständiger: So sollen sie sein, die Hütten von Ikea, die der Möbelgigant eigens für Flüchtlinge entworfen hat. Sie bieten 17,5 Quadratmeter Platz für eine Familie von sechs Personen, aber am meisten freuen sich die Bewohner über die Tür, die sie nun besitzen. Das passt. Denn die neuen Unterkünfte sollen den Familien nicht nur «physischen Schutz, sondern auch emotionalen in Form von Würde und Privatsphäre» gewähren, wie Olivier Delarue vom Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zum «Spiegel» sagt.

Die Plastikkonstruktion, die in vier Stunden per Hand und ohne Werkzeug zusammengebaut werden könne, wurde ein Jahr lang im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Somalia getestet. Sie sollten die handelsüblichen weissen Zelte in Flüchtlingslagern ersetzen, die mühsam aufgezogen werden und von denen normalerweise nach spätestens sechs Monaten aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse nur noch Fetzen übrig sind. Ikeas Hütten dagegen sollen mindestens sechsmal so lange halten, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt.

Die Hütten haben Seitenwände aus Plastik, sind rund 120 Kilogramm schwer und am Dachsims sind Solarzellen zur Stromversorgung befestigt. Eine spezielle Schutzfolie reflektiert tagsüber Hitze und sorgt durch einen Belüftungsspalt für etwas kühlere Temperaturen im Innenraum.

So einfach aufzubauen wie ein Billy-Regal

Die Hütte sei «flach und stapelbar wie ein Bücherregal verpackt, einfach zu transportieren und mit wenigen Steckverbindungen zu errichten», wie Ikea auf seiner Webseite schreibt. Die UN lässt jetzt laut «Bild-Zeitung» bereits 30'000 Stücke von Ikea produzieren. Jedes Häuschen soll etwa 500 Euro kosten, Ikea übernimmt wohl einen Teil der Produktionskosten.

In den letzten beiden Jahren hat die Ikea Foundation eine Zusammenarbeit zwischen schwedischen Designern und dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR gefördert. Rund 100 Millionen Dollar flossen bislang in verschiedene Projekte.

Die Zahl der Menschen, denen das Projekt helfen könnte, ist gewaltig. Mehr als 45,2 Millionen Menschen lebten 2012 nicht mehr in ihrem Zuhause, die Mehrheit war auf der Flucht vor Krieg und politischen Konflikten. Es 1st die höchste Flüchtlingszahl seit 20 Jahren. Etwa 3,5 Millionen Flüchtlinge leben derzeit weltweit in Zelten und provisorischen Notunterkünften. Viele Flüchtlinge sind gezwungen, mehr als zwölf Jahre in einer solch temporären Behausung leben zu müssen.

(cls)