Freiburger Firma

30. Juli 2013 18:59; Akt: 30.07.2013 18:59 Print

Ilford bankrott - 220 Mitarbeiter auf der Strasse

Die Hoffnung starb zuletzt: Anfang Monat zeigten sich die Verantwortlichen noch optimistisch, nun geben sie auf. Weil kein Geldgeber gefunden wurde, schliesst Ilford Imaging seine Türen.

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Bis jetzt ist nicht klar, ob die 220 Angestellten von Ilford überhaupt ihren Juli-Lohn bekommen. (Bild: Keystone/Sandro Campardo)

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Der Westschweizer Fotopapierhersteller Ilford hat keinen neuen Geldgeber gefunden und ist damit bankrott. Die 220 Angestellten wurden am Dienstag am Firmenstandort in Marly FR über die Situation in Kenntnis gesetzt.

«Wir haben aktiv nach neuen Investoren gesucht - leider ohne Erfolg», erklärte Ilfords operativer Direktor Lars Sommerhäuser gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das Zivilgericht sei bereits am Montag informiert worden und werde nun in den nächsten Tagen entscheiden, ob offiziell der Konkurs verhängt wird.

Auch die kantonalen Behörden, insbesondere das Arbeitsamt, seien auf dem Laufenden. «Es muss nun eine Lösung gefunden werden, damit die Mitarbeiter zumindest noch einen Teil ihres Juli-Lohnes erhalten», sagte Sommerhäuser weiter. Die Gehälter für den Monat Juni seien inzwischen überwiesen worden, zur einen Hälfte von der Arbeitslosenversicherung des Kantons, zur anderen Hälfte von Ilford.

Angestellte Schweiz fordern Massnahmen zur Unterstützung

Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz forderte in einem Communiqué, die Unternehmensleitung von Ilford müsse seine Verantwortung bis zum letzten Stück wahrnehmen. Alle Beträge, die nicht von der Insolvenzabfindung durch die Arbeitslosenversicherung gedeckt würden, müssten von Ilford übernommen werden.

Zudem sollten die Mitarbeiter so schnell wie möglich mit Arbeitszeugnissen ausgestattet und bei der Jobsuche unterstützt werden, verlangt der Verband.

Die Hoffnung starb zuletzt

Die einstige Ciba-Tochter Ilford hatte bis zuletzt die Hoffnung nach einem neuen Investor nicht aufgegeben. Am 2. Juli hatte Personalchefin Susanne Badini der SDA noch gesagt, das Unternehmen habe weiterhin «ziemlich realistische Chancen», einen neuen Investor zu finden. Es sei «nur eine Frage des Timings», bis nächstens eine Lösung gefunden werde.

Einen Tag zuvor hatte der englische Investor Paradigm Global Partners LLP sein finanzielles Engagement bei Ilford zurückgezogen. Drei Jahre davor hatten die Briten die Firma dem japanischen Papierkonzern Oji Paper abgekauft.

Einst ein Vorzeigeunternehmen

Ilford war einst das Flaggschiff der Branche für die Entwicklung und Herstellung von beschichteten Produkten für die Foto- und Druckindustrie. In den vergangenen Jahren war die Firma aber zunehmend unter Druck geraten.

Einerseits wurde die Situation in der Fotoproduktionsbranche generell schwierig. Andererseits litt Ilford auch unter dem starken Franken, da das Unternehmen beinahe den gesamten Umsatz im Ausland erwirtschaftet.

(rey/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter meier am 30.07.2013 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    schade...

    alle haben früher ilford-fotozubehör eingesetzt. alle sind auf den digitalen zug gesprungen. alle finden die heutige meldung schade - das ist das problem.

    einklappen einklappen
  • Dani am 31.07.2013 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe früher selbst entwickelt

    habe echt gehofft es entwickelt mal jemand ein Verfahren bei dem ausgedruckte Fotos ähnlich lange halten wie selbst entwickelte.

  • Pedro Freiburger am 30.07.2013 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trauer und hoffnung

    Sehr schade um ilford. Vermutlich war jedoch die vergangenheit der zukunft im wege. Als analoger fotograf habe ich aber die hoffnung, dass aus der asche was neues entstehen wird. Das wichtigste ist vorhanden: das wissen und engagement der mitarbeiter

Die neusten Leser-Kommentare

  • Visionär am 31.07.2013 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähige manager

    Illford hat Potential für Spezialitäten. Nur solche Konzerne sind sehr schwerfällig und hören oft den Mart nicht. Wurde den Mitarbeitern an der Front zugehört ? Hat man von Kodak nix gelernt. Also wirklich.... Schweizer: gebt Gas ! Werdet wieder innovativer auf allen Ebenen. Sonst fährt auch in anderen Bereichen der Zug ab.

  • Sprinter am 31.07.2013 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit-Geist-Weitsicht-Manager ?

    ...es erinnert stark an die Zeit, wo die Digi-Pix online an die FOTOLABO geschickt wurden um Papierabzüge fürs Mami zu machen. Im Liefercouvert wurde dann noch "grosszügig und gratis" ein 36er-Film mitgeschickt. Eben im Zeitalter von Digi-Cams. NB: FOTOLABO (bei Valora) gibt's auch nicht mehr. Die damals Verantwortlichen auch nicht!

  • Dani am 31.07.2013 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe früher selbst entwickelt

    habe echt gehofft es entwickelt mal jemand ein Verfahren bei dem ausgedruckte Fotos ähnlich lange halten wie selbst entwickelte.

  • peter meier am 30.07.2013 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    schade...

    alle haben früher ilford-fotozubehör eingesetzt. alle sind auf den digitalen zug gesprungen. alle finden die heutige meldung schade - das ist das problem.

    • S.S. am 31.07.2013 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ...

      schade, sondern das ist der lauf der Zeit!

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  • Mathias am 30.07.2013 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Inkjet-Papieren überlebt man nicht!

    Wàhrend der britische Ableger unter Harman mit Chemikalien, Filmen und Spezialitäten wie Direktpositivpapier für die analoge Fotografie floriert, hat sich die Schweizer Ilford darauf bescränkt, Druckpapier für handelsübliche Inkjet-Printer anzubieten - notabene von gerade mal durchschnittlicher Qualität. Kein Wunder kam es so. Bei aller Trauer und allem Entsetzen muss man auch mal die Realität sehen; eine Zukunft hätte die CH-Ilford so nicht gehabt. Aber zum Glück gibt es Harman Technology Ltd., die alles im Angebot führen was das Analogfotografenherz begehrt.