Poulet vs. Burger

04. Januar 2017 15:57; Akt: 04.01.2017 16:13 Print

Im Fast-Food-Markt tobt der Verdrängungskampf

von P. Michel - KFC expandiert in die Schweiz. Experten sehen für die Branche jedoch kein Potential mehr, weil Burger und Pommes immer weniger gefragt sind.

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Im Frühjahr 2017 will Kentucky Fried Chicken bekanntgeben, an welchem Standort die erste Schweizer Filiale eröffnet werden soll. Zwar gibt laut Gastrosuisse die Gruppe der 15- bis 29-Jährigen knapp einen Drittel ihres Essensbudgets für die Verpflegung unterwegs aus. Insgesamt aber stagniert der Markt: 2014 erwirtschaftete die Branche noch rund 2,7 Milliarden Franken, ein Jahr später waren es bereits 112 Millionen weniger. Für Gastronomie-Experte Leo Egloff ist darum klar: Der Fast-Food-Markt in der Schweiz ist «am Zenit» angekommen. «Der herrschende Verdrängungskampf ist unerbittlich. Dass viele klassische Anbieter mit ihrem Latein am Ende sind, sieht man daran, dass sie Rabattaktionen am Laufmeter lancieren.» Egloff sieht den Grund dafür, dass die klassischen Fast-Food-Anbieter straucheln, auch an deren Image: «Früher war der McDonalds für Junge noch ein angesagter Treffpunkt, heute ist die Coolness von Burgern und Chicken-Nuggets verblichen.» Einen weiteren Faktor ortet Egloff in der Expansion der inländischen Konkurrenz: So hätten Migros und Coop die wachsende Nische der «gesunden und hochwertigen» Take-Aways mit Angeboten wie Migros' Bio-Take-Away oder Marché-Express an guten Lagen besetzt. Auch der neuste «Foodreport» des deutschen Zukunftsinstituts legt den Schluss nahe, dass Konsumenten statt Burgern und frittiertem Hähnchen zunehmend gesunde Alternativen bevorzugen: «Kriterien wie regional, biologisch, saisonal, frisch, fleisch- und glutenfrei spielen eine grosse Rolle. Fast Food muss nicht mehr nur schnell sein, sondern auch gut», schreiben die Forscher.

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Der amerikanische Fast-Food-Riese Kentucky Fried Chicken (KFC) plant sein Comeback in der Schweiz: Im Frühjahr 2017 soll der Standort für die erste Filialeröffnung bekannt gegeben werden.

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Die Expansionspläne von KFC kommen zu einem Zeitpunkt, in dem die klassischen Fast-Food-Anbieter unter Druck stehen. Denn den Schweizer Konsumenten scheint der Hunger nach Burgern und Pommes vergangen zu sein.

Zwar gibt laut Gastrosuisse die Gruppe der 15- bis 29-Jährigen knapp einen Drittel ihres Essensbudgets für die Verpflegung unterwegs aus. Insgesamt aber stagniert der Markt: 2014 erwirtschaftete die Branche noch rund 2,7 Milliarden Franken, ein Jahr später waren es bereits 112 Millionen weniger. Allein der Umsatz von McDonalds ist in diesem Zeitraum um 30 Millionen Franken eingebrochen.

«Fast-Food-Markt hat den Zenit erreicht»

Für Gastronomie-Experte Leo Egloff ist darum klar: Der Fast-Food-Markt in der Schweiz ist «am Zenit» angekommen. «Der herrschende Verdrängungskampf ist unerbittlich, und dass viele klassische Anbieter mit ihrem Latein am Ende sind, sieht man daran, dass sie Rabattaktionen am Laufmeter lancieren.» Es gebe eigentlich keinen Platz mehr für weitere klassische Anbieter.

Dränge trotzdem ein neuer Konkurrent wie KFC in den Markt, würden die Marktanteile der anderen Anbieter entsprechend noch mehr unter Druck geraten. Egloff glaubt jedoch nicht, dass KFC seine Absichtserklärung in die Tat umsetzen wird. Gegenüber «Blick» sagte eine KFC-Sprecherin, dass man langfristig mehr als 50 Filialen in der Schweiz plane.

Egloff bleibt skeptisch: «Nachdem die Kette in der Vergangenheit Filialen wieder schliessen musste, dürfte auch den KFC-Managern klar sein, dass die Bedingungen seither nicht besser geworden sind.» Er verweist dabei auf die Tatsache, dass KFC zwei Filialen in der Romandie 2004 dichtmachen musste. Auch der erste Standort am Zürcher Stauffacher musste nach der Eröffnung 1981 bald wieder schliessen.

KFC-Entwicklungschef Marco Schepers hingegen ist von der Strategie überzeugt. Bereits 2013 zum Start der Expansion erklärte er in einem internen Bericht, dass 60 Prozent der Kunden ohnehin nicht zur Konkurrenz gingen, wenn sie «mal nicht zu KFC kommen können». Es müsse daher sehr viel schiefgehen, «damit eine Filiale nicht läuft».

«Coolness von Burgern ist verblichen»

Gastro-Experte Egloff sieht den Grund dafür, dass die klassischen Fast-Food-Anbieter straucheln, auch in deren Image: «Früher war der McDonalds für Junge noch ein angesagter Treffpunkt, heute ist die Coolness von Burgern und Chicken-Nuggets verblichen.»

Diese Entwicklung müsse sich aber nicht zwingend auf kleine Betriebe wie Kebab-Stände auswirken, sagt Egloff. Er glaubt darum nicht, dass KFC diesen Anbietern die Marktanteile abgraben würde. «Die persönliche Beziehung zum Wirt wird heute immer wichtiger – da können kleine Anbieter mit guten Produkten und Service punkten, während bei den grossen Ketten Massenabfertigung herrscht.»

Fast Food muss heute auch gesund sein

Einen weiteren Faktor für die Misere der klassischen Fast-Food-Industrie ortet Egloff in der geschickten Expansion der Grossverteiler: So hätten Migros und Coop die wachsende Nische des «gesunden und hochwertigen» Take-Aways mit Angeboten wie dem Migros Bio-Take-Away, Marché-Express oder Coop to go an guten Lagen besetzt.

Auch der neuste «Foodreport» des deutschen Zukunftsinstituts legt den Schluss nahe, dass Konsumenten statt Burgern und frittiertem Poulet zunehmend gesunde Alternativen bevorzugen: «Kriterien wie regional, biologisch, saisonal, frisch, fleisch- und glutenfrei spielen eine grosse Rolle. Fast Food muss nicht mehr nur schnell sein, sondern auch gut», schreiben die Forscher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 04.01.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Und was sind die Alternativen?

    Fade Sandwiches oder pampige Pizza-Stücke von Migros und Coop? Teure und pseudo-gesunde Wraps von Hitzberger? Noch teurere Sushi-Röllchen von Yoojis? Manchmal sehne ich mich nach den guten alten Burger- und Frittenbuden wie Cindys und Silberkugel (beide leider am Aussterben). Das schmeckte noch lecker, und man muss das Zeug ja nicht jeden Tag essen.

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  • Pat am 04.01.2017 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bla Bla!

    Gar nix ist eingebrochen! Nur die Systemgastronomie überlebt, das ist angebrochen. Mc D. war nur nicht innovativ genug, das sagen sie selbst. Aber Marché, Dean&David, Chickeria, BK, Nordsee, Spiga, Vapiano,... sie alle wachsen weiter! Denn untergehen tun mehrheitlich die kleinen individuellen Restaurants von Fritz bis Heiri. Nur diejenigen die liquid sind und rechnen können überleben. Und dass Mc D., Starbucks, etc. nicht rechnen können, kann man nicht behaupten.

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  • marc am 04.01.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    burger ja, aber nur wenn...

    ich esse sehr gerne burger.. aber nur qualitativ gute in richtigen burgerhäusern, zahle auch gerne mehr wenn ich dafür geschmacklich richtig geile und frische produkte mit guter qualität erhalte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Afroman am 05.01.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KFC

    Jaaa maaan endlich KFC! Ich hoffe nur das sie schweizer huhn benutzen dafür aber die Preise steigern und somit der beste KFC der Welt werden!

  • chickenfarm am 05.01.2017 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    und wie ist das?

    werden jetzt neue konzentrationlager für hühner in der schweiz gebaut, damit der bedarf an fleisch gedeckt werden kann? oder kommen sie aus ausländischen 'körner picken macht frei' lagern?....

  • Salomon am 05.01.2017 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    KFC = Keiner findet's cool!

    Das Problem von KFC: Niemand hat heute mehr Lust, stinkendes Hühnerfleisch aus brutalster Massentierhaltung zu essen. Was dort eimerweise aufgetischt wird ist ja geradezu eine Verhöhnung jeglicher Tierschutz- und Umweltschutzgedanken.

  • Ronny C. am 05.01.2017 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Experten wissen alles

    Unsere CH-"Experten" sind also smarter als die Experten der milliardenschweren companies wie McDonalds und KFC (resp. Yum! Brands, denen KFC, Pizza Hut und Taco Bell gehört) ? Kann ich mir kaum vorstellen. Dagegen sind Migros und Coop so klein und unbedeutend wie eine Tankstelle in einem Kaff in Mexiko. Nehme doch an, dass diese "Experten" sich geäussert haben.

    • Trompete am 05.01.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      Selbstverständlich hat er sich gemeldet. Er sitzt ja in 2 Wochen im Weissen Haus.

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  • sigi am 04.01.2017 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Junk food

    Es wurde hier einfach die falsche frage gestellt! Es sollte heissen: wie oft essen sie junk food? kfc ist ganz klar junk food! Ein salat kurz gekauft ist auch fast food!