Schuldenlimit überschritten

01. Juni 2011 19:22; Akt: 06.06.2011 11:57 Print

Im Sommer droht die US-Pleite

von Sandro Spaeth - Weil Barrack Obama das Geld ausgeht, muss der US-Präsident wohl im Sommer die staatlichen Leistungen massiv herunterfahren. Amerika stünde still wie bei einem Generalstreik.

storybild

Bald kein Geld mehr? US-Präsident Barrack Obama. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die finanzielle Lage der USA wird immer prekärer. Der Schuldenberg beträgt mittlerweile 14,4 Billionen Dollar. Damit ist die Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen erreicht – oder besser gesagt um 100 Milliarden überschritten. «Derzeit nützten die USA noch kurzfristige Kreditlimiten aus», erklärt Joachim Klement, Chefstratege der Beratungsfirma Wellershoff und Partner. Spätestens im August dürfte aber auch diese Quelle versiegen.

Um die drohende Pleite abzuwenden versuchten die Demokraten am Dienstag den Schuldendeckel per Gesetzesänderung zu knacken. Doch die grosse Mehrheit im Repräsentantenhaus stimmte dagegen, darunter auch zahlreiche Vertreter von Obamas Demokraten. Den Präsidenten bringt dies in massive Schwierigkeiten. US-Finanzminister Thmothey Geither hatte unlängst vor grossen wirtschaftlichen Konsequenzen gewarnt, sollte dem Staat der Geldhahn zudrehet werden.

Zwangsferien für Beamte und Ranger

Allein um die Ausgaben dieses Jahres zu bezahlen, müssten sich die Amerikaner 1,64 Billionen Dollar leihen. Doch woher nehmen, wenn sich die Republikaner und Demokraten nicht einigen und die Schuldenobergrenze bei 14,3 Billionen bleibt? Die Folge wäre laut Ökonom Klement ein sogenannter «Government Shutdown» im bevorstehenden Sommer. Der Ökonom vergleicht die Massnahme mit einem Generalstreik. Die USA würde lahmgelegt. Das Weisse Haus müsste beispielsweise auf die Auszahlung von Arbeitslosengeld und Renten verzichten. Zudem würde Washington die Bürokraten in die Zwangsferien schicken und die Rancher aus ihren Nationalparks abziehen.

Einen solchen Stillstand erlebten die USA bereits einmal während rund vier Wochen im Winter 1995/96. An der Macht war damals Bill Clinton. In dieser Zeit blieben 30 000 Visa-Anträge liegen, die Patientenhotline des Gesundheitsministeriums war stumm und in hunderten Ortschaften türmten sich giftige Abfälle. Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren laut dem Wellershoff-Chefstrategen aber gering. «Die US-Wirtschaft wuchs damals solide, die Arbeitslosigkeit war tief und die Generation der Baby-Boomer stand noch voll im Erwerbsleben.»

640 000 Arbeitsplätze in Gefahr

In diesem Jahr wären die Konsequenzen noch verheerender: Noch verläuft die Erholung der US-Konjunktur schleppend und die Wirtschaft ist stark von der lockeren Geldpolitik abhängig. Kommt es zur Geldklemme, sind die staatlichen Fördermassnahmen gefährdet. Zudem beträgt die die Arbeitslosigkeit in den USA mittlerweile fast zehn Prozent während Teile der geburtenstarken Jahrgänge im Ruhestand sind. «Erhalten sie vorläufig kein Geld, würde der Konsum massiv gehemmt», erklärt Klement. Zudem könnte sich schon die Angst um eine verzögerten Auszahlung negativ auswirken. Im Falle eines «Shutdown» rechnen Experten der Denkfabrik Third Way mit dem Verlust von 640 000 Arbeitsplätzen und befürchten eine Kreditklemme.

Wahltaktik und heilige Kühe

Hinter dem Streit um die Schuldenobergrenze steht viel Wahltaktik, denn im kommenden Jahr stehen in den USA Präsidentschaftswahlen an. So versuchen die Republikaner mit ihrem Widerstand gegen die Erhöhung der Schuldenlimits den Demokraten Sparversprechen abzuringen und bei den Wählern zu punkten. Kommt es im Sommer aber tatsächlich zum «Government Shutdown», könnte der Schuss für die Republikaner auch nach hinten losgehen. «Die Bevölkerung würde die Schuld für ausbleibende Renten und geschlossene Spitäler den Republikanern zuweisen und sie bei den Wahlen bestrafen», vermutet Klement.

Die Gefahren einer US-Geldklemme wittern auch die Anleger. Immer mehr Investoren sichern sich gegen das Risiko ab, dass die USA die Schulden nicht mehr ganz zurückbezahlen können. Im letzten Jahr hat sich das Volumen sogenannter Credit Default Swaps von 12 auf 24 Milliarden Dollar verdoppelt. Klar ist, angesichts des Schuldenbergs von über 14 Billionen Dollar müssen die USA sparen. Die beiden politischen Lager sind sich einfach über das Wo nicht einig. Die Republikaner bevorzugen die Sozialausgaben, die Demokraten die Armee. Das Problem: Beide Bereiche sind den US-Wählern heilig.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Weiss am 01.06.2011 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Was denkt ihr

    Ist hiermit wohl ihre eigene Währung gefährdet?

    einklappen einklappen
  • Karin am 02.06.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP will diese US-Verhältnisse f. CH

    Sowas passiert halt, wenn Machos herrschen. Und da wollen tatsächlich ein paar Kurzsichtige für die Schweiz auch eine Volkswahl des Bundesrates. Damit wir möglichst schnell US-Verhältnisse hier haben und nur noch diejenigen mit dem meisten Geld, die sich die besten Anwälte und Werbebüros leisten können, Bundesrat werden.

    einklappen einklappen
  • René Widmer am 03.06.2011 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    $-Kurs

    Also stellen wir uns auf einen $-Kurs von rund 50 Rappen ein - das wird dann kurzfristig für viele Nationen zum Wirtschaftsproblem...

Die neusten Leser-Kommentare

  • marco stampfli am 22.06.2011 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    presidänt usa

    es ist sooo einfach alles bei obaba zu suchen.amerikaner haben jahtzehnte lang vor obama in saus und braus gelebt.bush und konsorte haben sehr,sehr hohe schulden hinterlassen.und obama soll jezt in kürzester zeit alles erledigen.usa kann froh sein einen solchen presidänten zu haben

    • Jürg aus Lugano am 25.06.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      Präsident USA

      Also, lieber Marco, als Präsident hat Obama noch nicht viel geschafft von dem was er versprach ... um Präsident zu werden.

    einklappen einklappen
  • simon08/15 am 07.06.2011 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    lekturat

    Zudem beträgt die die Arbeitslosigkeit in den USA mittlerweile fast zehn Prozent während Teile der geburtenstarken Jahrgänge im Ruhestand sind. // spart ihr neu am lektor, oder fällt nur mir auf, das "die die" ein die, zu viel ist?

  • MadChengi am 07.06.2011 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    China baby!!!

    Die Chinesen kaufen dann noch die restlichen Schulden der USA auf und danach den EU-Schrott. Dann habt ihr Globalisierung - aber irgendwie anders, wie ihr euch das vorgestellt habt.

  • MadChengo am 07.06.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wurde aber auch Zeit

    Die Fed hat seit 1934 kein Gold mehr, hat den ganzen Krempel an das Bundesfinanzministerium weiterverschoben...und die??? Ha, ja - streng geheim, wie immer in USA. Nur alle anderen müssen dauernd alles offenlegen (CH) Tja, wer nicht an Verschwörungstheorien glaubt ist selber schuld und hört weiter auf seinen Finanzberater!

  • René Isler am 07.06.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Leere Worthülsen

    Da ist offenbar nichts mehr vom "heiligen Barrack Obama" vorhanden. Während unsere staatlichen und linken Medien ihn bei seiner Wahl als US-Präsident zum wahren Messias empor gehoben haben, ist aus den damals leeren und nebelösen Worthülsen nun der bittere Alltag eingekehrt. Herr Obama darf sich dennoch brüsten, als erster Präsident die Vereinigten Staaten finanziell und gesellschaftlich an die Wand gefahren zu haben. Nur die Hautfarbe alleine ist halt noch immer kein Garant für eine gute Staatsführen.