Immobilien

24. Oktober 2019 16:00; Akt: 25.10.2019 06:47 Print

Darum finden Schweizer keine guten Wohnungen

von Raphael Knecht - Trotz hoher Nachfrage stehen Immobilien leer: Das Angebot bei Eigentumswohnungen wächst am falschen Ort – oder ist schlicht zu teuer.

Die Kosten für Wohneigentum steigen – dafür dürften die Mieten bald sinken. (Video: RKN)
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Die Zahl der Schweizer, die sich eine Eigentumswohnung wünschen, steigt stark: Im August dieses Jahres waren 7000 Suchabos für entsprechende Objekte mehr aktiviert als im Vorjahresmonat, wie es in der aktuellen Immo-Studie von Wüest Partner heisst. Insgesamt sind es 44'300 Suchabos.

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Neben der steigenden Nachfrage nimmt auch das Angebot zu. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass mehr Wohnungen gebaut werden – die Neubautätigkeit hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Der Grund ist laut der Studie vielmehr, dass die Lage der zum Verkauf stehenden Objekte schlecht ist.

Zu lange Pendlerwege

So würden viele der ausgeschriebenen Wohnungen an zu abgelegenen Orten stehen. Interessenten müssten dann grosse Pendlerwege in Kauf nehmen, um attraktive oder infragekommende Arbeitsplätze erreichen zu können.

«Die an einer Eigentumswohnung interessierten Leute möchten nicht zu viel Zeit ihres Lebens im Zug oder Auto verbringen», sagt Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring bei Wüest Partner, zu 20 Minuten. Darum kämen oft nur Wohnungen in der Nähe von attraktiven Arbeitszentren in Frage.

Gute Lage ist zu teuer

Günstiger gelegene Wohnungen sind für den Grossteil der interessierten Schweizer allerdings zu teuer. «Zwar sind die Einkommen in der Schweiz in den vergangenen Jahren gestiegen, aber die Immobilienpreise verzeichneten ein noch grösseres Wachstum», sagt Weinert.

Seit 2009 sind die Preise von Eigentumswohnungen schweizweit mit 21,8 Prozent um mehr als ein Fünftel gestiegen. In attraktiver Lage ist das Wachstum noch extremer: Wohnungen in der Stadt Zürich kosten 41,7 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Im Gegensatz zu den steigenden Preisen bei Wohneigentum rechnet Wüest Partner für 2020 mit sinkenden Mieten (siehe Video oben).

Dazu kommt laut Weinert, dass die Tragbarkeitsregeln für Hypotheken nicht an die neue Zinssituation angepasst wurden. Das macht es für interessierte Käufer schwieriger, die nötige Finanzierung bei der Bank zu erhalten.

Eigene Wohnung bleibt ein Traum

Weil die Wohnungen zu teuer sind beziehungsweise die Lage nicht passt, ist im vergangenen Jahr das Transaktionsvolumen zurückgegangen: 2018 wurden 1,8 Prozent weniger Eigentumswohnungen gehandelt als 2017. Besonders in hochpreisigen Gegenden werden weniger Wohnungen verkauft: Im Kanton Zürich brach das Volumen bereits vor zwei Jahren mit einem Minus von 20,6 Prozent regelrecht ein.

Da das Finanzierungsumfeld weiterhin attraktiv ist, dürfte das Interesse an Eigentumswohnungen – wie auch die Enttäuschung – in Zukunft gross sein: «Da das Angebot in vielen Fällen nicht erschwinglich ist, werden die eigenen vier Wände für viele Haushalte ein Traum bleiben», heisst es in der Studie.

Mehr Kompromisse beim eigenen Haus

Bei Einfamilienhäusern ist die Kompromissbereitschaft laut Weinert hingegen etwas höher als bei Wohnungen. Weil für viele Schweizer – insbesondere Familien – der Traum vom eigenen Haus noch grösser ist, seien Interessenten teils eher bereit, ein etwas abgelegeneres Objekt zu kaufen. Dies auch, weil Häuser noch teurer als Wohnungen seien und viele Haushalte sich erst recht kein eigenes Haus in der Nähe von Arbeitszentren wie etwa Zürich leisten könnten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Scherrer am 24.10.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau gut recherchiert

    Das Einkommen ist in den letzten Jahren gestiegen, leider habe ich davon nichts gemerkt!

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  • Marc Müller am 24.10.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich, Zürich, Zürich und... Zürich

    In der Stadt Zürich lebt 1/20 -stel der CH-Bevölkerung, dafür spricht man bei 50% aller Erhebungen, Analysen, Befragungen... davon. Hat nur am Rande mit diesem Beitrag zu tun, ich weiss. Trotzdem: 95% leben NICHT in der Stadt Zürich. Sie liegt nicht mitten in der Schweiz, ist (man staune) nicht die Hauptstadt und schon gar nicht der Mittelpunkt aller Interessen... sorry, das musste sein :-)

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  • Michi am 24.10.2019 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total erleichtert

    Bin ziemlich beeindruckt von den Erkenntnissen. Hätte das nie im Leben erwartet. Bin froh, dass so kluge Leute so aufschlussreiche Schlüsse ziehen können. Das lag nämlich alles überhaupt nicht auf der Hand vorher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf Kurt am 28.10.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist auch wichtig!

    Viel wichtiger ist der Zustand der Schule, falls man Kinder hat oder will. Besser weiter pendeln und Ortsschule hat 90% bildungsnahe Schüler als näher pendeln und 90% bildungsferne Schüler.

  • getäuschter Wähler am 27.10.2019 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache und Wirkung

    Und täglich grüsst die PFZ...

  • Tristan15 am 27.10.2019 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Politisch

    In der Rot/Grün/Alternativen Stadt ZH leben viele Assoziale, welche den allg. Wohnraum in Beschlag nehmen. Preise für die Allgemeinheit steigen!

  • Wenn dan richtig. am 26.10.2019 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Inox

    Die Einkommen steigen immer aber um der Teuerung entgegen zuwirken. Nach den GAVs ist es üblich, dass jeder Arbeignehner jährlich eine Lohnanpassung bekommt. Wird viel nicht gemacht. Leider isg die Teuerung grösse wie def ausgleich, somit ist es zwar korrekt das die Einkommmen steigen. Jedoch steigen die Ausgaben auch.

  • Eine Frau am 25.10.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will nicht arbeiten

    daher muss ich mit meinem Mann schlafen, damit er die Miete zahlt

    • Ardit am 25.10.2019 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eine Frau

      Arbeiten ist wichtig auch wenn keine lust hast musst arbeiten wie im jedem anderen Land

    • Im Staatsbetrieb am 25.10.2019 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eine Frau

      Gehen Sie in ein Staatsunternehmen, da klappt das gut...

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