Neue Währung

31. Dezember 2010 20:14; Akt: 01.01.2011 08:32 Print

In Estland wird jetzt auch mit Euro bezahlt

Estland führt als 17. Staat den Euro ein. Die Baltenrepublik ist das dritte Land aus dem ehemaligen Ostblock, das die europäische Einheitswährung als Zahlungsmittel übernimmt.

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Estland gehört jetzt auch zur Eurozone.

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Mitten in der europäischen Schuldenkrise hat Estland am Samstag den Euro eingeführt und seine bisherige Währung, die Kronen, aufgegeben. Estland ist der 17. Staat, der die europäische Gemeinschaftswährung einführt.

Es ist das erste Mal, dass eine ehemalige Sowjet-Republik den Euro einführt. Die Nachbarländer Lettland und Litauen hoffen darauf, 2014 ihren Einstieg feiern zu können. Estlands Beitritt gilt angesichts der anhaltenden Krisen in Griechenland und Irland als Vertrauensbeweis für die Gemeinschaftswährung.

Regierungschef Andrus Ansip zog den symbolischen ersten Euro- Schein aus einem Geldautomaten, der eigens dafür vor der Oper in der Hauptstadt Tallinn aufgestellt worden war. Die Einheitswährung tritt an die Stelle der estnischen Krone, die wiederum 1992 den sowjetischen Rubel nach der Unabhängigkeit Estlands ersetzt hatte.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüsste den Beitritt der Esten zum gemeinsamen Währungsgebiet. «Das ist ein starkes Zeichen für die Attraktivität und Stabilität, die der Euro den Mitgliedern der Europäischen Union bringt», erklärte er.

«Der Euro ist dazu da, das Alltagsleben zu verbessern. Estlands Beitritt bedeutet, dass nun über 330 Millionen Europäer Euro-Scheine und -Münzen in ihren Taschen haben.»

Bevölkerung für Euro

Im Vorfeld der Euro-Einführung hat sich die Regierung in Tallinn trotz vieler negativer Schlagzeilen rund um den Euro hinter die Währung gestellt. Und auch die Esten sprachen sich mehrheitliche für die Ablösung der Krone aus.

Die Regierung knüpft grosse Erwartungen an den Beitritt zur Euro- Zone. Bis zu ein Prozent mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr werde der Euro dem Land bringen, sagt der estnische Wirtschaftsminister Juhan Parts unlängst. Er beruft sich dabei auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Ministerpräsident Ansip dagegen strich die Stabilität und den Schutz vor Spekulanten hervor, die der Euro-Beitritt mit sich brächten. Ausserdem besteht die Hoffnung, dass durch den Euro neue ausländische Investoren angelockt werden. Der Wechselkurs der Krone ist bereits seit 2002 an den Euro gekoppelt.

Die Gegner der Euro-Einführung befürchten allerdings, dass Estland durch die Gemeinschaftswährung Schaden nehmen wird. «Wie lange kann ein System, dessen Mitglieder die Stabilitätskriterien nicht einhalten, noch bestehen?», sagt etwa Anti Poolamets, Chef einer estnischen Anti-Euro-Bewegung.

Von Finanzkrise getroffen

Estland ist nach Slowenien und der Slowakei das dritte osteuropäische Land, das den Euro einführt. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 stellte die damalige Regierung radikal von der Plan- auf die Marktwirtschaft um.

Das Land erwarb sich dank seines beeindruckenden Wirtschaftswachstums den Ruf des «baltischen Tigers». 2004 trat Estland der EU bei.

Bereits 2007 hatte die Regierung in Tallinn den Beitritt zur Euro- Zone versucht, scheiterte aber, weil die boomende Wirtschaft damals die Inflation zu stark nach oben getrieben hatte.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise erwischte allerdings auch das kleine baltische Land mit 1,3 Millionen Einwohnern kalt: Die Wirtschaftsleistung brach 2009 um 14,1 Prozent ein.

Ökonomisch spielt der Einstieg Estlands in die Euro-Zone allerdings kaum eine Rolle: Das Bruttoinlandprodukt des Landes macht gerade einmal 0,2 Prozent der in der Euro-Zone aktuell erwirtschafteten 8,9 Billionen Euro.

(sda)