Untersuchung

22. Februar 2011 21:08; Akt: 23.02.2011 10:23 Print

In Europa droht Google eine Milliardenbusse

Der Internet-Konzern soll Konkurrenten blockiert und seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben. Die Klagen nehmen zu - und Noch-CEO Eric Schmidt wehrt sich mit allen Mitteln.

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Googles CEO, Eric Schmidt, hat an einer WEF-Party in Davos den EU-Kommissär getroffen, der eine Untersuchung gegen den Internet-Konzern führt. (Bild: Keystone)

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Google sieht sich mit einer weiteren Beschwerde gegen seine marktbeherrschende Stellung bei der Internet-Suche konfrontiert. Nachdem bereits im vergangenen Jahr vier Klagen der Konkurrenz bei der EU-Kommission eingegangen waren, hat nun das französische Unternehmen 1plusV nachgelegt. Das teilte der Internet-Suchmaschinenspezialist am Dienstag mit. Bereits Ende November hatte die EU-Kommission ein Prüfverfahren gegen Google eingeleitet. Gestern hat die New York Times brisante Informationen dazu veröffentlicht (siehe Box).

Europas Wettbewerbshüter untersuchen, ob der IT-Riese bei der Online-Suche Ergebnisse manipuliert und Konkurrenten benachteiligt hat. Falls sich die Vorwürfe erhärten, droht dem Konzern eine hohe Busse. Eine Frist für den Abschluss des Verfahrens gibt es nicht.

«Beschwerde nützte nichts»

1plusV entwickelt spezielle Suchmaschinen, darunter Ejustice.fr (Kultur) und Eguides.fr (Kultur). Das Unternehmen wirft Google vor, die Entwicklung solch vertikaler Suchmaschinen, die sich auf bestimmte Themengebiete konzentrieren, zu blockieren. Wenn Konkurrenten das Google-Werbesystem nutzen wollten, würden sie gezwungen, ausschliesslich dessen Software zu verwenden, erläuterte 1plusV.

Ejustice hatte sich bereits im vergangen Jahr beschwert - daraufhin hat Google nach Angaben von 1plusV die Links zu Tausenden Webseiten über Ejustice heruntergestuft. «Für Ejustice.fr waren die Folgen für den Zugriff katastrophal und langanhaltend», schrieb das Unternehmen.

Insgesamt liegen der EU-Kommission bereits vier Beschwerden von Google-Konkurrenten vor, die sich benachteiligt sehen. So wurden Anfang Februar die britische Preisvergleichs-Website Foundem, die Justizsuchmaschine ejustice.fr und das zu Microsoft gehörende deutsche Konsumentenportal Ciao vorstellig.

Hoher Marktanteil

Sollte die Kommission zu dem Schluss kommen, dass Google seine marktbeherrschende Stellung im Suchmaschinenbereich oder bei der Onlinewerbung missbraucht, drohen dem Konzern erhebliche Strafen. Diese könnten im Höchstfall mehrere Milliarden Dollar betragen. Wann die Kommission eine Entscheidung fällen wird, ist noch völlig unklar.

Weltweit liegt Google ganz vorne und hat rund 85 Prozent Marktanteil bei Suchanfragen, in Deutschland und Europa sogar mehr als 90 Prozent.

Update 23. Februar:
Über die Medienstelle von Google Schweiz ist 20 Minuten Online ein offizielles Google-Statement zur laufenden Untersuchung zugestellt worden. Darin heisst es, das Unternehmen arbeite eng mit der Europäischen Kommission zusammen, um die vielen verschiedenen Geschäftszweige zu erklären. Google habe immer versucht, das Richtige zu tun für seine Nutzer und Inserenten. Es gebe aber auch «immer Verbesserungsmöglichkeiten». Weiter betont Google, dass es sich bei 1PlusV um das gleiche Unternehmen handle, das letztes Jahr in Zusammenhang mit eJustice Klage eingereicht habe.

(dsc/sda)