Mehr Angestellte pro Quadratmeter

05. Mai 2017 07:06; Akt: 05.05.2017 09:33 Print

In den Schweizer Büros wird es immer enger

von I. Strassheim - Den Angestellten steht heute 30 Prozent weniger Platz zur Verfügung als vor 15 Jahren. Das bedeute Stress, sagt ein Arbeitspsychologe.

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Unternehmen schauen auf jeden Quadratmeter: In den Schweizer Büros rückt man deshalb immer näher zusammen. Die Aufteilung der Büroräume ist entscheidend. Das klassische Grossraumbüro hält der Arbeitspsychologe Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz für die «schlechteste der schlechten» Varianten. Neben den engen Platzverhältnissen ist auch die Hygiene ein Stressfaktor im Büro. Wo die grössten Bakterienherde liegen, hat das britische Reiningsunternehmen Hassle ermittelt. Das Ranking sehen Sie auf den folgenden Bildern. nehmen Bleistifte ein – auf ihnen wird im Stress gern herumgekaut. Hygienisch ist das nicht. Kopfhörer. Sie kommen schliesslich mit Haaren, Ohrenschmalz und Hautschuppen in Berührung. Der Kopierer wird durchschnittlich 300-mal täglich berührt. So tummeln sich darauf Erreger und Schmutz. Schweiss, Hautschuppen und Essenspartikel machen die Computermaus zur Keimfalle. Acht Stunden pro Tag ist sie im Dauereinsatz und dann ist sie auch noch häufig die Unterlage, wenn der Zmittag eingenommen wird - die Tastatur. Der Schreibtisch. Mehr als 10 Millionen Keime verschmutzen einen durchschnittlichen Bürotisch. Und damit 400-mal so viele wie einen Toilettensitz. Der Seifenspender soll die Hygiene verbessern. Am Druckknopf tummeln sich aber Bakterien und Keime. Und das nicht zu knapp. Die Mikrowelle wird gerne benutzt, aber selten geputzt. Laut den britischen Putz-Experten herrscht dort Ekel-Alarm. Essensreste, abgelaufene Joghurts, der Salat von letzter Woche – eigentlich sollte der Kühlschrank im Büro alle zwei Tage komplett geleert und geputzt werden. Der Wasserspender ist laut den Reinigungs-Experten die grösste Bakterienfalle im Büro. Das Wasser ist in der Regel schmutziger als Hahnenwasser.

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Die Arbeitsbelastung lässt sich auch in Quadratmetern messen: In den letzten 15 Jahren sind die Arbeitsplätze für Büromitarbeiter von durchschnittlich 18 auf 13 Quadratmeter geschrumpft. Das ist ein Rückgang um rund 30 Prozent, wie eine Umfrage des Immobilienmaklers AMI International in Genf zeigt.

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Schweizweit geht die Agentur CSL Immobilien davon aus, dass der Platz für Pult, Stuhl und Ablage auf 15 Quadratmeter zurückgegangen ist. «Treiber dafür ist der massive Kostendruck der Unternehmungen. Im Dienstleistungsbereich sind Personal und Mietzins die grössten Ausgabeposten», sagt Patricia Reichelt von CSL Immobilien zu 20 Minuten.

Anwälte haben die grössten Büros

Das Schweizer Arbeitsrecht schreibt vor, dass in einem Grossraumbüro ab fünf Mitarbeitern pro Arbeitsplatz mindestens rund 7 Quadratmeter nötig sind. In Büros mit drei oder vier Leuten sind es mindestens 8 Quadratmeter, in Büros für einen oder zwei Angestellte rund 9 Quadratmeter.

Diese Mindeststandards werden meistens mehr als erfüllt: In Anwaltskanzleien ist der Platz für die Mitarbeitenden am grössten, im Schnitt haben sie 32 Quadratmeter zur Verfügung, wie die Studie «Büromarkt 2017» des Immobilienberaters JLL zeigt. Meistens sitzen sie in repräsentativen Einzelbüros. Am wenigsten Platz haben Staatsangestellte mit einer Bürofläche von im Schnitt 15 Quadratmetern. Das dürfte auch am überdurchschnittlichen Anteil an Beschäftigten mit Teilzeitarbeit- und Desk-Sharing-Modell liegen, heisst es in der Studie.

Um Kosten zu sparen, wollen laut dem Immobilienberater JLL die meisten Unternehmen den Flächenverbrauch pro Kopf senken. Sie nutzen einen bevorstehenden Standortwechsel deswegen dazu, um den Büroplatz zu verkleinern.

Ermüdung und Kopfschmerzen als Folge

Das Urteil des Arbeitspsychologen Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz hierzu lautet: «Wenn sehr viele Leute über einen längeren Zeitraum auf engem Ort zusammen sind, ergibt das einen Crowding-Effekt.» Das bedeutet: Der individuelle Sicherheitsabstand wird überschritten. «Man sitzt näher zusammen, als man möchte, was eigentlich zur Kommunikation zwingt, man sollte sich aber auf die eigene Arbeit konzentrieren.» Die Folgen können Ermüdung und Kopfschmerzen wegen Überanstrengung sein.

«Das klassische Grossraumbüro mit festen Arbeitsplätzen und ohne spezielle Ruhe- oder Telefonzonen ist die schlechteste aller Alternativen», sagt Schulze. Der Grund: Unterbrechungen und Ablenkungen – beides die grössten Stresspunkte – sind dort am häufigsten.

Pultgrösse wechselt von Kontinent zu Kontinent

Welche Nähe noch als erträglich angesehen wird, hängt laut Schulze auch von der Kultur ab. In Asien ist man beispielsweise einen niedrigeren Sicherheitsabstand gewohnt, am Arbeitsplatz wie auch in der U-Bahn. Körperberührung zum Beispiel in Warteschlangen ist dort normal und wird nicht als aufdringlich empfunden.

Auch in den Büros ist die Dichte höher: Die Schreibpulte haben in Südostasien häufig eine deutlich geringere Tiefe als die in der Schweiz üblichen 80 Zentimeter. Entsprechend sitzen die Angestellten dort enger beieinander.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anerom am 05.05.2017 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    horror

    in einem Grossraumbüro zu arbeiten ist wirklich ungesund. Der kontinuierliche Lärmpegel, die abgestandene Luft. Es schlägt auf die Nerven und die Psyche und man kann nicht richtig produktiv sein. Aber die obere Etage will das nicht wahrhaben...

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  • cm am 05.05.2017 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schwatzend stresst

    der größte Stress sind schwatzende Kollegen die ihr ganzes Leben in der Runde werfen.

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  • Spider am 05.05.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vergleich zu früher

    Nicht nur, dass ich mir jeden Morgen meinen Arbeitsplatz im Grossraumbüro suchen muss, es ist auch extrem laut und die Klimaanlage ist ein Witz. Zuden könnten wir zu Hause eben so gut arbeiten aber as wollen sie auch wieder nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Baujm am 06.05.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch Vorteile

    Kommunikation und Zusammenarbeit wird durch offene Büros unterstützt. Die Akustik muss natürlich stimmen.

  • A. Maier am 06.05.2017 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Banken mit 3-4 m2

    Im Bankenumfeld sind Grossraumbüros mit ca. 3-4 Quadratmeter pro Mitarbeiter längst Standard. Ohne Kopfhöhrer ist konzentriertes Arbeiten unmöglich...

  • Gigi am 06.05.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teufelskreis

    Batteriehaltung für Hühner wurde verboten, jetzt führt man sie für Menschen ein. Ich dachte, unsere Wirtschaft läuft gut, warum dann diese Sparerei? Ach, ja, um beim Aktionär gut dazustehen: Weniger Ausgaben, mehr Gewinn. Ist leider sehr kurzsichtig. Auf lange Sicht macht diese Haltung die Angestellten krank, was dann wieder sehr viel kostet, also muss man sparen.

  • Herr Max Bünzlig am 06.05.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    bei uns in Uster ist es bald so eng, das ich der Sekretärin auf den Knien sitzen muss

  • G.D. am 06.05.2017 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Traumwelt

    Ich habe nun die Kommentare durchgelesen und frage mich, ob diese Laura eigentlich arbeitslos ist? Unglaublich unreife, usachliche Kommentare, und dies etwa 30 mal?! Die soll mal zuerst erwachsen werden und arbeiten und aus Ihrer Traumwelt erwachen.