Bargeld oder Geschenke

07. Januar 2019 11:47; Akt: 07.01.2019 11:47 Print

In welchen Branchen darf ich Trinkgeld geben?

von R. Knecht - Die einen erwarten es, die anderen dürfen es gar nicht annehmen: Trinkgeld wird sehr unterschiedlich gehandhabt. So sieht es in einzelnen Branchen aus.

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Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders. Ein grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der » nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten. Vor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen. Bei der Polizei kann es von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Angestellte der Stadt Zürich etwa dürfen nicht übersteigen und die Unabhängigkeit des Empfängers dadurch nicht beeinträchtigt wird. Die eigentlich keine Trinkgelder entgegengenommen», sagt Sprecherin Yvette Petillon. Auch hier gehe der Batzen allenfalls ins Personalkässeli. Der Kondukteur darf grundsätzlich ein Trinkgeld entgegennehmen. Sprecher Reto Schärli sagt aber zu 20 Minuten, er habe bisher noch nie gehört, dass ein SBB-Angestellter ins Reisezentrum bringen. In der Flugbranche sind Trinkgelder schenken. In der Schweiz ist es üblich, bei Taxifahrten ein Trinkgeld zu geben. Allerdings erhalten Taxifahrer Trinkgeld, weil viele Kunden kontaktlos bezahlen. In den Stores der Telecom-Branche kommt es oft vor, dass Kunden sich mit kleinen Geschenken, beispielsweise Schokolade, hingegen seien Trinkgelder verständlicherweise eher unüblich. Wie viel Trinkgeld ist angebracht? Darüber streiten sich viele Restaurantbesucher in der Schweiz. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Auffassungen darüber, wie hoch der Zustupf für den Service sein soll. Leserin Kathrin sagt etwa: «Wenn das Servicepersonal mich einfach gut bedient, ist das noch kein Grund für Trinkgeld. Eine regelkonforme Ausübung des Jobs verdient noch kein Trinkgeld.» Der Gastro-Experte Rafael Saupe ist damit einverstanden. «Es kann tatsächlich nicht sein, dass man für die blosse Ausführung einer Leistung Trinkgeld geben muss», sagt er zu 20 Minuten. Wenn der Service aber überdurchschnittlich gut und freundlich war, ist Trinkgeld angebracht, so der Experte. «Mit dem Trinkgeld kann der Gast die Wertschätzung ausdrücken.» Leser Roger meint zudem: «Trinkgeld ist nicht angebracht – der Arbeitgeber hat wie in allen anderen Fällen auch einen angemessenen Lohn zu entrichten.» Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, sagt der Gastro-Experte Saupe. Gebe der Gast aber in einem Restaurant immer wieder wenig Trinkgeld, mache er sich beim Personal sicherlich nicht speziell beliebt. «Vom Service kann er dann keine Extraleistungen erwarten.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dass man im Restaurant ein paar Fränkli als Trinkgeld da lässt, ist in der Schweiz auch heute noch üblich. In manchen Branchen ist es umgekehrt: Trinkgeld muss abgelehnt werden. In einem Spital in Österreich wollte sich der Journalist Dieter Chmelar kürzlich mit 20 Euro dafür bedanken, dass das Pflegepersonal sich bis zu ihrem Tod um seine Tante gekümmert hatte. «Das dürfen wir nicht annehmen. Tun wir es, können wir gekündigt werden», zitiert Heute.at die Krankenschwestern. Auf Twitter entfachte Chmelar eine lange Diskussion:

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Wie sieht es in der Schweiz aus? Wer darf Trinkgeld überhaupt annehmen und wo ist es üblich?

Ärzte
Kein Verbot

Ein grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist, muss sich aber an die Richtlinien des Verbands halten. Diese besagen, dass solche Zuwendungen das «übliche Mass kleiner Anerkennungen» nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten. Das betrifft nicht nur direkte Trinkgelder, sondern etwa auch Vererbungen im Todesfall des Patienten.

Post
Kleine Gemeinden

Vor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa Pralinés, selbst gebackene Guetzsli oder einen Zustupf fürs Kaffeekässeli. Wie Post-Sprecherin Léa Wertheimer zu 20 Minuten sagt, darf das Personal laut dem Generalarbeitsvertrag der Post solche Geschenke annehmen, solange sie landes- oder branchenüblichen Trinkgeldern entsprechen. Geschenke, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Tätigkeit selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen. Wer dem Pöstler einen Fünfliber geben möchte, damit er besonders vorsichtig mit dem erwarteten Päckli umgeht, dürfte also Pech haben.
«Eine Dame wartete an einem kalten Tag mit einer Tasse Tee auf die Pöstlerin.»

Polizei
Maximal 100 Franken

Bei der Polizei kann es von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Angestellte der Stadt Zürich etwa dürfen keine Geschenke annehmen. Wer dem Polizisten dafür etwas geben möchte, dass er das gestohlene Velo gefunden hat, darf das in der Regel aber trotzdem, da Höflichkeitsgeschenke eine Ausnahme bilden. So dürfen Polizisten in der Stadt Zürich Trinkgelder annehmen, solange sie einen Wert von 100 Franken nicht übersteigen und die Unabhängigkeit des Empfängers dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Bahnreisen
Eher Guetsli als Geld

Der Kondukteur darf grundsätzlich ein Trinkgeld entgegennehmen. Sprecher Reto Schärli sagt aber zu 20 Minuten, er habe bisher noch nie gehört, dass ein SBB-Angestellter ausserhalb des Speisewagens ein Trinkgeld erhalten habe. Manchmal würden Passagiere dem Kondukteur aber selbst gebackene Guetsli geben oder zum Dank einen Kaffee ins Reisezentrum bringen.

Flugreisen
Annehmen erlaubt

In der Flugbranche sind Trinkgelder sehr unüblich. Bei der Swiss etwa sei es der Crew aber nicht verboten, Trinkgeld anzunehmen, wenn es denn jemand anbieten würde, sagt Sprecher Stefan Vasic zu 20 Minuten. Gelegentlich komme es vor, dass Gäste dem Personal als Zeichen der Wertschätzung eine Schachtel Pralinés oder Ähnliches schenken.

Taxi
5 bis 20 Franken am Tag

In der Schweiz ist es üblich, bei Taxifahrten ein Trinkgeld zu geben. Allerdings erhalten Taxifahrer immer seltener Trinkgeld, weil viele Kunden kontaktlos bezahlen. Wie Georges Botonakis, Sprecher des Taxiverbands Zürich, zu 20 Minuten sagt, geben Kunden mit dieser Bezahlmethode so gut wie nie ein Trinkgeld. Ein Taxifahrer erhalte in Zürich pro Tag 5 bis 20 Franken Trinkgeld.

Telecom
Schoggi vor Ort

In den Läden der Telecom-Branche kommt es oft vor, dass Kunden sich mit kleinen Geschenken, beispielsweise Schokolade, für guten Service bedanken, wie etwa Sunrise-Sprecherin Séverine de Rougemont zu 20 Minuten sagt. Beim telefonischen Kundenkontakt hingegen seien Trinkgelder verständlicherweise eher unüblich. Bei Salt heisst es allerdings, Trinkgelder würden generell dankend abgelehnt. Am besten bedanken sich Kunden mit einer positiven Bewertung in der Zufriedenheitsumfrage nach dem Besuch im Laden, wie Sprecherin Viola Lebel zu 20 Minuten sagt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 07.01.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    ehem. Kondi

    Als wir (vor ca. 15 Jahren) noch Billette verkauften durften, kam es manchmal vor, dass ein Reisender die 10Rp (o.ä.) nicht zurück wollte. Das hab dann in ein spezielles Fach in meinem Dienstportemonnaie gelegt. Wenn ich dann einen Reisenden hatte, der 10Rp zuwenig hatte (meistens Randständige) konnte ich dann trotzdem ein Billet austellen und musste keine Busse wegen den 10Rp schreiben. So ersparte dem Reisenden eine Busse und das Schamgefühl ein Billet nicht bezahlen zu können und dem Büro den Aufwand einer Busse nachzugehen, die ja eh nicht gezahlt werden würde/konnte.

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  • Gina am 07.01.2019 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich mach wies mir gefällt

    Ich gebe denen Menschen Trinkgeld mit denen ich zufrieden war egal aus welcher Branche

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  • stefan h am 07.01.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    handwerker?

    und was ist mit handwerklichen Dienstleistungsberufen, wie z Bsp service elektriker, maler oder sanitär?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Glückliche am 08.01.2019 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin sehr dankbar

    Ich gebe gerne Trinkgeld und zwar in allen Bereichen. Ich freue mich, wenn ich anderen eine kleine Freude machen kann. Seitdem ich in der Schweiz lebe, geht es mir sehr gut und davon möchte ich gern etwas weitergeben.

  • Kevin B. am 08.01.2019 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld gerechtfertigt

    Stark gehbehindert (nur mühsam mit Rollator) fahre ich nicht selbst Auto. In unserer kleineren Stadt bietet ein Taxi-Unternehmen für solche Kunden Fahrten auf übliche Distanzen und auch bloss für Kurzstrecken; mit bequemem Fahrzeug, inkl. Ein- und Ausstiegshilfe, Begleitung bis zum Zielort ( z.B. Arztpraxis ) und verstauen des Rollators im Auto durch stets freundliche Fahrer. Alles zum Normaltarif ohne Zuschlag. Da ist ein hohes Trinkgeld für mich selbstverständlich.

  • Serviceknabe am 08.01.2019 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso so wütend

    Gebt Trinkgeld oder gebt keins. Ich bin euch nicht böse wenn es keines gibt. Ihr seid doch alle Mündige, selbstbestimmende Bürger..also hört auf, euch so zu echauffieren über etwas das euch überlassen wird. Ich bin einfach um jeden Rappen sehr froh, denn die Gastro ist kein Mio.-Geschäft. Weder für Angestellte noch für Arbeitgeber.

  • Cycy Müller am 08.01.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Coiffeur

    Ich gebe meiner Coiffeuse jeweils Trinkgeld wenn der Schnitt in Ordnung ist. Sie haben mir auch schon gesagt, dass sie auf dieses angewiesen sind!

  • Rentner66 am 08.01.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    UNNÖTIG

    Trinkgeld ist eine heute überflüssige Angelegenheit. Jede Art von Dienstleistung wird über einen fixen Preis definiert, welcher von mir als Konsument zu bezahlen ist. Eine gute Dienstleistung darf erwartet werden, ansonsten ist der Wetttbewerb gross genug um sich einen anderen Dienstleister zu suchen.

    • Spectre121 am 08.01.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rentner66

      Nö ist es eben nicht. Den Preis macht man mit dem Unternehmen ab und davon hat die oder der Angestellte den Lohn und sonst nichts. Schaut man sich die Gastro Branche an dann merkt man dass die Angestellten nicht so viel verdienen. Hinzu kommen etliche nicht bezahlte Überstunden und Einsätze am Wochenende und Feiertagen. Ich gebe immer Trinkgeld wenn ich zufrieden war. Das hat nichts damit zu tun dass ich etwas für einen fixen Preis kaufe sondern dass ich die Person die mich bedient hat für gute Arbeit belohnen möchte.

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