Duzis-Umfrage

09. Mai 2019 15:32; Akt: 09.05.2019 15:32 Print

In diesen Firmen dürfen Mitarbeiter den CEO duzen

von S. Spaeth - Das Duzis selbst mit dem obersten Chef gehört in vielen Schweizer Firmen dazu. Warum dieser Wandel? Wer aufs Du setzt und wo man lieber auf etwas mehr Distanz geht.

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Die Pöstler dürfen ihren CEO duzen: «Ich bin Roberto», beschied der neue Post-CEO Roberto Cirillo im April seinen 50'000 Mitarbeitern. Die Post legt aber Wert darauf, dass es keine offiziell verordnete Du-Kultur gibt. «Ich respektiere es natürlich, wenn jemand das Sie bevorzugt», so Post-Chef Cirillo. Alle 3300 Aldi-Suisse-Mitarbeiter dürfen ihren Chef Timo Schuster duzen. Die Du-Kultur gibt es bei Aldi Suisse seit 2019. Duzis mit allen 32'000 Mitarbeitern hat 2018 auch SBB-Chef Andreas Meyer gemacht. Bei der SBB heisst es zur Du-Kultur: «Die Zeit war reif dafür, denn eine unkomplizierte Zusammenarbeit über die Bereichsgrenzen hinweg wird immer wichtiger.» Alle per Du: Das gilt bei der Airline Swiss offiziell seit 2017. Im Bild: Swiss-Chef Thomas Klühr. «Der respektvolle Umgang untereinander ist ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Mit dem Du erhalten und fördern wir das», heisst es bei der Swiss. Seit 2017 gilt das Du auch unter allen Mitarbeitern der Bank Cler. Im Bild: CEO Sandra Lienhart. Die Du-Kultur wurde zusammen mit der Neupositionierung und dem Rebranding der Bank Cler im Jahr 2017 eingeführt. Duzis ist man auch bei Raiffeisen Schweiz. Und zwar seit 2016. Für die Mitarbeiter ist er einfach Heinz. Heinz Huber ist seit 2019 CEO von Raiffeisen Schweiz. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind aber autonom und frei in der Ausgestaltung der Du-Regel. Lidl-Schweiz-CEO Georg Köll hat die Du-Kultur 2016 eingeführt. «Von der Du-Kultur versprechen wir uns einen unkomplizierten und freundlichen Umgang sowie eine Kommunikation auf Augenhöhe über alle Hierarchiestufen», heisst es bei Lidl. Seit dem Stellenantritt von Hansruedi Köng als PostFinance-CEO gilt die Du-Kultur. Bei PostFinance arbeiten rund 3300 Personen. «Vorgesetzte und Mitarbeitende begegnen sich auf Augenhöhe», heisst es bei der Medienstelle über die Du-Kultur. Die Angestellten dürfen ihn Urs nennen: Swisscom-CEO Urs Schaeppi. Die Du-Kultur bei der Swisscom geht zurück auf den damaligen CEO Carsten Schloter. Der beliebte Topmanager führte das Du schon 2008 ein. Die Reisebranche ist eine Du-Branche. Bei Hotelplan gilt das Du für alle seit 2008. Im Bild: CEO Thomas Stirnimann. In amerikanisch geprägten Firmen kam die Du-Kultur schon viel früher. Bei Microsoft Schweiz gilt die Du-Kultur seit 1989. Im Bild: Microsoft-CEO Satya Nadella. Bei der Credit Suisse dürfen die Mitarbeiter CEO Tidjane Thian nicht einfach duzen. Es gibt keine offizielle Du-Kultur. Das Du ist in der Bank aber verbreitet. Zurückhaltend beim Du ist auch die UBS mit Chef Sergio Ermotti. Für den Grossteil der Mitarbeiter des Migros-Genossenschaftsbundes ist er Herr Zumbrunnen. Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen ist seit dem Frühjahr 2018 an der Spitze des Detailhändlers. «In gewissen Situationen mit Entscheidungsträgern in oberen Hierarchien kann Siezen von Vorteil sein, auch um Achtung gegenüber Erfahrung und Know-how der Person auszudrücken», sagt ein Migros- Sprecher. Coop-Chef Joos Sutter hat keine offizielle Du-Kultur durchgesetzt. «Vorgesetzte und Mitarbeitende entscheiden selber, ob sie sich duzen oder lieber beim Sie bleiben möchten», heisst es bei Coop.

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«Ich bin Roberto.» Dieses Angebot machte der neue Post-CEO Roberto Cirillo im April seinen 50'000 Pöstlern. Neu aufs Du setzt seit 2019 auch Aldi Suisse. Und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des Schweiz-Chefs. Für die 3300 Mitarbeiter ist der bis anhin Herr Schuster genannte CEO einfach Timo. Duzis mit allen 32'000 Mitarbeitern hat auch SBB-Chef Andreas Meyer gemacht. In einem persönlichen Mail hat die SBB-Konzernleitung im Frühling 2018 allen rund 32'000 Mitarbeitenden das Du angeboten. (Wo Mitarbeiter sonst den obersten Boss duzen dürfen, zeigt die Diashow oben.)

Umfrage
Sind Sie mit dem CEO Ihrer Firma per Du?

Warum der Wandel zur Du-Kultur? Personalexperte Matthias Mölleney sieht darin einen allgemeinen gesellschaftlichen Trend, der vor allem durch die jüngeren Generationen geprägt worden sei. «Firmen setzen aufs Du, weil sie nicht veraltet und steif wirken möchten», so der Ex-Swissair-Personalchef und heutige HR-Berater.

SBB: 16 Prozent bevorzugten das Sie

Bei der SBB heisst es zur Du-Kultur: «Die Zeit war reif dafür, denn eine unkomplizierte Zusammenarbeit über die Bereichsgrenzen hinweg wird immer wichtiger.» Das Du sei Ausdruck eines Zusammenrückens und einer vertrauensvollen Kommunikation. Interessant ist, dass die SBB vor Einführung des «Dus für alle» den Mitarbeitern den Puls gefühlt hat: 84 Prozent von knapp 2000 Teilnehmern einer Online-Umfrage sprachen sich 2014 fürs Du aus.

Seit 2016 auf das Du vom Lehrling bis zum CEO setzt auch Lidl Schweiz. «Wir versprechen uns von der Du-Kultur einen unkomplizierten und freundlichen Umgang sowie eine Kommunikation auf Augenhöhe über alle Hierarchiestufen», so eine Sprecherin. Ähnlich tönt es bei vielen Unternehmen. Bei Raiffeisen Schweiz heisst es zusätzlich: «Das Du stärkt die Mitarbeiterbindung und die Identifikation mit dem Unternehmen.»

Zurückhaltend beim Duzismachen sind laut der Erhebung 20 Minuten die Grossbanken Credit Suisse und UBS sowie die beiden Detailhandelsriesen Migros und Coop. Die Du-Kultur-Skepsis liege einerseits an den Branchen, andererseits handle es sich eher um traditionell ausgerichtete Unternehmen, sagt Experte Mölleney.

Migros: Siezen, um Respekt auszudrücken

«Vorgesetzte und Mitarbeitende entscheiden selber, ob sie sich duzen oder lieber beim Sie bleiben möchten», heisst es bei Coop. Die CS und die Migros betonen, dass das Du weit verbreitet sei. «In gewissen Situationen mit Entscheidungsträgern in oberen Hierarchien kann Siezen von Vorteil sein, auch um Achtung gegenüber Erfahrung und Know-how der Person auszudrücken», sagt Migros- Sprecher Patrick Stöpper.

«Die Du-Kultur hat dort ihre Risiken, wo sie als Zwang empfunden wird», sagt Mölleney. Das Du nehme eine gewisse Distanz weg (siehe Interview). Darum werden gewisse Firmen nicht müde zu betonen, es gebe keine verordnete Du-Kultur: «Wer sich mit dem Sie wohler fühlt, kann weiterhin siezen», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Und auch der neue Post-Chef, der für die Mitarbeiter einfach Roberto ist, liess sein Personal wissen: «Ich respektiere es natürlich, wenn jemand das Sie bevorzugt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chuck Norris am 09.05.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut

    An alle die so viel wert auf "Sie" legen, lasst euch gesagt sein, die Höflichkeitsform macht einen Menschen nicht höflicher, sondern sein Charakter.

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  • Dumby am 09.05.2019 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merket auf

    Sich Volksnah zu geben ist ein uralter Trick von Chefs um sich mehr Wohlwollen zu verschaffen..

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  • Pohlt R. am 09.05.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du

    Bei AXA auch verordetne Du-Kultur. Betriebskima trotzdem total im Keller.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettina am 10.05.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du, die Drohne ist

    abgestürzt tönt natürlich schon ganz anders als Sie, die Drohne ist abgestürzt.

  • Frido am 10.05.2019 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Toll ist die Firma in der ich arbeite nicht aufgeführt, da sind über 12000 Leute angestellt und man ist bis mit dem CEO auf Du und Du, aber wir haben es zum glück nicht nötig hier zu erscheinen...

    • Dominik am 10.05.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

      @ Frido

      Ein wunderbare gute Nachtgeschichte, jetzt fehlt nur noch, dass jeder Mitarbeiter gleich viel verdient wie der CEO.

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  • galan am 10.05.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Hiltianer

    Den besten Arbeitgeber habt ihr vergessen; HILTI Schweiz.

    • Ex-Hiltianer vom Ländle am 10.05.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

      @ galan

      Also, bei Hilti Liechtenstein sind die sehr knausrig.

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  • Niki am 10.05.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt hat nichts mit Sie oder Du zu tun

    Der Respekt vor einem Chef/Vorgesetzten hat überhaupt nicht mit DU oder SIE zu tun! In meinem vorherigen Job hatte ich den Chef gesiezt, jedoch null Respekt, da er ein A....loch & Menschenverachter war. Mit meinem jetzigen Chef bin ich per DU, und ich respektiere ihn völlig, weil er seinen Job wirklich gut macht! DAS ist der Unterschied, ob jemand Respekt verdient!

    • Noel am 10.05.2019 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      @ Niki

      Respekt haben und Respekt verdienen ist sehr wohl ein großer Unterschied.

    • MaxMax am 10.05.2019 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      @ Niki

      Wer selbst kein Respekt hat kann auch nicht respektiert werden.

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  • cocco am 10.05.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du-Kultur!

    auch bei der amag! und ich finds super. macht vieles einfacher und schafft besseres klima, da weniger Distanz herrsch.