Euro- Ende?

14. Dezember 2010 09:08; Akt: 14.12.2010 09:43 Print

In einer Woche vom Euro zur D-Mark

von Sandro Spaeth - Deutschland ist des Euro überdrüssig. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wünscht sich die D-Mark zurück. Ist das realistisch? Wir haben uns umgehört.

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Wie lange bleibt Deutschland noch in der Eurozone? (Bild: Keystone)

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Die Deutschen haben genug von der «Transferunion». Sie wollen nicht mehr länger für Portugal, Irland, Griechenland und Spanien bluten. Am Wochenende zeigte eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für «Bild am Sonntag», dass 56 Prozent aller Deutschen die D-Mark zurück wollen.

Stellt sich also die Frage, ob eine Rückkehr zu einer Landeswährung überhaupt möglich ist. Fakt ist: Bei der Gründung der Währungsunion im Jahr 1999 war ein Ausstieg aus der Eurozone nicht vorgesehen. Sind die Länder also auf Gedeih und Verderb zum Euro verdammt? – Wohl kaum, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: So bestand ab 1865 zwischen Frankreich, Italien und Belgien die lateinische Münzunion, die aber wieder zerbrach. Und auch die skandinavische Währungsunion zwischen Dänemark und Schweden (ab 1872) ist wieder zerfallen.

«Unrettbar verloren»

Nicht mehr viel Kredit geniesst die Währungsunion beim Finanzexperten und Euro-Kritiker Walter K. Eichelburg, der den meistgelesenen deutschsprachigen Gold- und Krisenblog hartgeld.com betreibt. «Der Euro ist unrettbar verloren. Für die Staaten bleibt nur, eine Währungsreform durchzuführen und neues Geld zu drucken», so Eichelburg zu 20 Minuten Online. In dieser Angelegenheit am weitesten fortgeschritten sei Deutschland, das die neue D-Mark bereits fertig gedruckt habe. Eichelburg ist überzeugt: «Die D-Markt könnte innerhalb einer Woche eingeführt werden.» Wann es so weit ist, kann auch Eichelburg nicht beantworten. Für ihn ist aber klar: Von Deutschland werde eine unlimitierte Haftung am EU-Rettungsschirm für die angeschlagenen Staaten gefordert. «Das kommt nicht gut. Irgendwann steigt der Zahler aus.»

Im politischen Prozess vorgesehen ist ein Ausstieg aus der Eurozone natürlich nicht: «Wenn der politische Wille eines Landes aber eindeutig ist, dürfte es einen Weg geben», sagt ZKB-Ökonom David Marmet. Ein Ausstieg wäre aber enorm schwierig zu bewerkstelligen. «Die Umstellung auf eine neue Währung müsste innerhalb einer Nacht geschehen und im Vorfeld dürfte nichts davon an die Öffentlichkeit dringen», erklärt Marmet. Gelänge dies nicht, käme es zu tumultartigen Szenen an den Finanzmärkten. Konkret bedeutet dies: Hegt Deutschland die Absicht, zur D-Mark zurückkehren, und Anleger würden davon Wind bekommen, dürften sie in der Angst, dass der Euro ohne den Wirtschaftsmotor Deutschland noch weiter absinkt, in harte Währungen flüchten. Der Euro fiele ins Bodenlose.

Fixer Wechselkurs

Eine Möglichkeit, um der Spekulation etwas Einhalt zu gebieten, wäre allenfalls ein zwischenzeitlicher fixer Wechselkurs für die «neue» D-Mark und den Euro. Doch auch da sieht Marmet Probleme: «Die Unsicherheit würde einfach bis zum Zeitpunkt andauern, an dem die Währungen wieder frei zirkulieren.» Zudem ist laut Marmet keinesfalls sicher, dass die Bundesbank den von ihr festgesetzten Kurs der D-Mark zum Euro würde halten können.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Die Kräfte von Spekulanten sind immens: 1992 waren Investoren – angeführt vom legendären George Soros – überzeugt, dass das britische Pfund überbewertet sei und zogen in den Kampf. Die Folge: Sie schafften es, England aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) zu drängen.

Notendruckplatten liegen bereit

Dass ein Ausstieg Deutschlands aus der Euro-Zone möglich ist, glaubt auch Buchautor und Eurokritiker Bruno Bandulet, der den Euro-Untergang in seinem Buch «Die letzten Jahre des Euro» skizziert hat: «Die Einführung einer neuen Währung ist möglich. In der Bundesdruckerei liegen die Notendruckplatten bereit», so Bandulet zu 20 Minuten Online.

Wird die D-Mark also schon bald ihr Comeback feiern? Ökonom David Marmet hält das Szenario, dass in näherer Zukunft Länder aus dem Euro aussteigen, für wenig wahrscheinlich. «Die Eurozone ist eine politische Vision, welche die Politik bis aufs Letzte verteidigt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bubu am 14.12.2010 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Geheimplan

    Geheimplan: Die Deutsche Bundesregierung plant den Austritt aus der Euro-Zone. Schon ab 1.1.2011 könnte die DM eigeführt werden. Seit April dieses Jahres gibt es in der Presse immer wieder Gerüchte, dass die Deutschen die DM bereits gedruckt hätten.

  • Hugo am 14.12.2010 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nobel geht es zu Grunde

    Bis auf's Letzte... wie ist das zu verstehen ? Bis zum Endsieg des Euro ?... oder bis man so weit ist wie jetzt in Ungarn wo man den kleinen Leuten einfach so mal 16 Mia Rentengeld klaut... wobei ja der 750 Mia Rettungsschirm auch zu Kosten der Kleinen geht... ja der Euro hat es in sich... und die Politik wusste schon vor 6 Jahren was passieren wird. Und was hat man gemacht in dieser Zeit... Schulden... mehr schulden... nochmals schulden... und jetzt macht man schon wieder schulden.... horror !!

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  • tartaruga1941@web.de am 14.12.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    Dass Deutschland den Euro "abschiesst" ist so klar wie das Amen in der Kirche!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 23.12.2010 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    NWO

    Eine Weltwährung, eine Weltregierung eine Weltbank, eine Weltarmee.. auf das läuft alles hinaus und 99,9% der Menschen verstehen das nicht.. Der Euro wird zusammenkrachen und den Weg ebnen für eine neue Weltwährung. Politik ist KEIN Zufall sondern bis ins kleinste Detail geplant. So wie es bereits auch ein "Drehbuch" gibt für den Untergang des Euros und der EU. Was in diesem Drehbuch an unterster Stelle steht sind wir Bürger.. (kleine, unwichtige Fische..)

  • nomade am 19.12.2010 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Eurokrise

    Es geht nicht anders, sonst verbluten die Deutschen. Damit wäre auch der europäische Wirtschaftsmotor am Ende. Wenn Merkel schlagartig zur D-Mark zurückkehrt, wird sie die Heldin Deutschlands. Was machen dann die Franzosen, Belgier, Holländer usw.? Wieder die eigenen Währungen einführen ? Wäre eine Zwischenlösung möglich? Euro Nord?

  • HP von Europa am 18.12.2010 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Eurodollar

    Als der Euro eingeführt wurde, war aus diversen Quellen zu vernehmen, dass es sich hier lediglich um eine Übergangswährung handeln würde. Plan sei eine Fusion mit dem US$. Was wohl ist an diesem "Gerücht" Fact?

  • Burgos von Buchonia am 17.12.2010 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die D Mark muss kommen

    Die lieben Nachbarn können nur eines gut. Deutschland beschimpfen. Wenn die D Mark wieder existent ist, werden die Empfängerländer bitten und betteln, dass ihnen D wieder unter die Arme greift. Spekulanten kann ebenfalls bei einem nationalen Alleingang paroli geboten werden. (Gesetzliche Regelung, Börsenverbot für eine gewisse Zeit). Dass dabei viele Spekulanten leiden und größeren Schaden hinnehmen müssen, ist nicht die Sache der deutschen Regierung. Dass deutsche Banken, die bisherigen Profiteure der ganzen Misere, ebenfalls ein Problem haben werden, ist auch nicht tragisch.

  • Bruno T. am 17.12.2010 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    EuroZone und USA

    Auf dem Platz stehen zwei Fässer ohne Boden. Das eine trägt die Beschriftung "EuroZone", das andere "USA". In 5 Jahren wird es den Euro nicht mehr geben. In 10 Jahren wird der Dollar 0.- Wert haben und die USA kann damit Abschliessen ihr eigenes Geld Tag ein und aus zu drucken.

    • Bernd am 17.12.2010 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Vater des Gedankens

      Bei ist wohl wieder mal der Schweizer Wunsch Vater des Gedankens...

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