Schwarzgeld in Genf

25. März 2015 11:08; Akt: 25.03.2015 17:41 Print

Indien will Deal mit Datendieb Falciani

Die indische Regierung vermutet Millionen von unversteuertem Geld ihrer Landsleute in der Schweiz. Sie hat dem HSBC-Datendieb Hervé Falciani ein Angebot gemacht.

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Hervé Falciani Mitte Februar bei der Präsentation seines Buches in Rom. (Bild: Keystone/Giuseppe Lami)

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Sein Datendiebstahl hatte die Bankenwelt in Aufruhr versetzt: 2009 entwendete der Informatiker Hervé Falciani beim Genfer Ableger der britischen Bank HSBC Datensätze zu 100‘000 Kunden. Nun berichten verschiedene indische Medien, darunter Hindustan Times, dass der indische Staat Falciani eine Belohnung bezahlen will, falls er ihnen Details zu indischen Kunden mit Konten bei HSBC in Genf gebe. Von offizieller Seite wurde der Kontakt zu Falciani bestätigt, jedoch ohne die Höhe der Belohnung zu nennen. Nun würde die Regierung auf die Antwort des Ex-HSBC-Mitarbeiters warten.

In Frankreich arbeitete Falciani mit den Behörden zusammen. Er sieht sich als Whistleblower, der Unrecht aufgedeckt hat. In der Schweiz hingegen ist der Informatiker angeklagt wegen Bankgeheimnisverletzung und unbefugter Datenbeschaffung. Die Regierung Indiens bestätigt, bereits mehrere Gespräche mit Falciani geführt zu haben. Er verfüge über mehr Informationen, als die Regierung bisher habe, sagte ein hoher Regierungsbeamter zu Hindustan Times. Derzeit ist Indien im Besitz einer Liste mit 628 indischen Kunden, die Bankkonten bei HSBC in Genf besassen.

Vor kurzer Zeit hatte Falciani ein Buch veröffentlicht. Darin berichtet der ehemalige HSBC-Informatiker von einem Netzwerk aus Hunderten von internationalen Agenten, die zusammengearbeitet hätten, um die Bank zu bezwingen. «Wir waren um die 100 Leute, wir alle hatten dasselbe Ziel, aber nur zehn von uns haben bei der Bank gearbeitet», schreibt er.

(sas)