Agglo-Überbauung

09. Juli 2019 11:42; Akt: 13.08.2019 18:29 Print

Vermieter will Wohnungen über Influencer loswerden

von Barbara Scherer - Es gibt zu viele leere Objekte und zu wenig neue Mieter: Deshalb machen jetzt sogar Influencer Werbung für Wohnungen.

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Sie räkeln sich auf den Betten, spielen mit einem Hund im Wohnzimmer oder stehen lächelnd neben einer Kommode: So werben die ehemalige Freestyle-Skifahrerin Mirjam Jäger, die Stylistin Luisa Rossi und der Schauspieler und Tänzer Marco Andre Da Silva für die Wohnungen der Privera AG.

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Für 343 neue Wohnungen auf dem «Im Guss»-Areal im Norden von Bülach sucht die Immobiliendienstleisterin Mieter. «Viele Schweizer suchen im Internet nach neuen Wohnungen. Aktionen auf Social Media sind daher sehr geeignet, um die Aufmerksamkeit von interessierten Mietern zu gewinnen», erklärt Katharina Bornhauser, Fachverantwortliche Kommunikation Privera AG.

Die drei Influencer sollen nun die Wohnungen ihren Followern auf Instagram schmackhaft machen. Mit dem Zug sind die Wohnungen vom Zürich Hauptbahnhof rund 30 Minuten entfernt. Und eine 3,5-Zimmer Wohnung kann ab monatlich 2100 Franken gemietet werden. Doch ein Blick auf die Profile der Influencer zeigt: Noch ist nichts vom Wohnungsmarketing zu sehen.

1000 Franken für einen Post

«Die ersten Posts gehen nächste Woche online», erklärt Germina Preses, Social-Media-Managerin der PR-Agentur Flowcube. Sie leitet die Influencer-Kampagne im Namen von Privera. Gestartet wird die Aktion mit einem Foto und einem Video pro Influencer.

Ein Team vom Möbelhaus Pfister hat dafür drei Wohnungen auf dem «Im Guss»-Areal in verschiedenen Stilen eingerichtet. Wie sich die Influencer für die Wohnungen in Szene setzen, bestimmen sie selbst. Was die drei Influencer bei ihrem Einsatz verdienen, will Preses nicht bekanntgeben. «Die Entschädigung hängt von der Art und Anzahl der Follower, dem Timing sowie den Wünschen des Kunden und vom Aufwand ab», sagt Preses.

Laut Branchenkennern können erfolgreiche Schweizer Influencer mit etwa 1000 Franken pro Post rechnen. Luisa Rossi und Marco Andre Da Silva haben beide über 10'000 Follower. Mirjam Jäger folgen sogar über 30'000 Personen. Die bezahlten Posts der Immobilienfirma werden die drei Influencer mit #ad – sprich als Werbung, kennzeichnen.

Wohnungen auf dem Land haben es schwerer

«Mit Influencern Wohnungen anzupreisen, ist eine Möglichkeit, um digital affine Mieter zu erreichen», sagt Robert Weinert, Immobilienexperte bei Wüest Partner. Ob die Strategie langfristig erfolgreich ist, lasse sich aber noch nicht sagen.

«Letztlich ist neben Preis und Ausstattung die Lage der Wohnung ausschlaggebend, ob sie attraktiv für die Mieter ist.» Je abgelegener die Immobilie liege, desto schwieriger sei es, neue Mieter zu finden.

Auch leere Immobilien lohnen sich für Investoren

«Das Problem ist, dass es im Moment zu viele Wohnungen und zu wenig neue Mieter gibt», erklärt Weinert. So standen gemäss Bundesamt für Statistik letztes Jahr 72'294 Wohnungen in der Schweiz leer. Deshalb setzten Vermieter vermehrt auf eine kreative Vermarktung ihrer Objekte: Sie locken mit Gutscheinen, ÖV-Abos und mietfreier Zeit.

Doch warum werden weiterhin neue Wohnungen gebaut, wenn die Mieter fehlen? «Für Investoren ist es immer noch rentabel, in Immobilien zu investieren, auch wenn diese teilweise leer bleiben», sagt Weinert. Grund dafür sei das Tiefzinsumfeld: Derzeit lassen sich im Immobilienmarkt höhere Renditen erzielen als bei vergleichbaren Anlagealternativen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Hefti am 09.07.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Da hilft alles influencen nichts

    Die können influencen wie sie wollen, aber wer bitte ist bereit, 2100 Franken zu zahlen für eine 3,5-Zimmer-Wohnung in einem Wohnsilo, und dann noch in Bülach?? Das sieht so traurig und trostlos aus. Thanks, but no thanks.

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  • Patric Hurschler am 09.07.2019 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Problem sind nicht die Whg

    Das Problem ist die Privera AG. Wer mit diesem unsäglichen Verwalter zu tun hatte weiss in Zukunft Finger weg. Zusätzlich finde ich 2'100 für eine 3,5 Whg in der Pampas einen stolzen Preis.

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  • O. Soder am 09.07.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Oder so.

    Und mit einer 3.5-Zimmer Wohnung ab 2100.- monatlich sind wir ja auch fast schon im bezahlbaren Bereich. Oder so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kruzi.fix am 16.07.2019 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    weitere Einschränkungen inkl.

    und den Parkplatz dürfen die Bewohner nur einmal pro Tag benutzen. 1x rausfahren und 1x wieder einparken. Doch, passt.

    • Bartli am 23.07.2019 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      Selber schuld

      wahrscheinlich wieder Mietbunker und Renditeobjekte für Immohaie. Viel zu teuer und Angaben fehlen. Man könnte schöner bauen und sogar günstige vermieten. Ein 3-Zimmerwohnung nicht unter 76 Quadratmeter maximum inkl. Akkonto NK für 1500 wäre genug.

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  • Name am 10.07.2019 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Rossi und Co.

    Die können ja da einziehen, für die sind 2100 Franken vielleicht bezahlbar. Für mich nicht.

  • Zitteraal am 10.07.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Mein Nettolohn: 5000 Franken. Wohnung in Bülach: 2100 Franken. Noch Fragen? Meine Wohnung ist gleich gross und kostet die Hälfte.

  • Laura am 10.07.2019 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mrs. Noizy

    Die Immoblase soll endlich Platzen damit wir wieder mit reelen Werten was Mieten oder kaufen können. Ist zwar doff für PK's welche viel Geld so investiert haben aber so wie's jetzt ist gehts auch nicht mehr weiter.

  • Andi am 10.07.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer

    sorry, aber für Bülach sind 2100,- / 3.5 Zimmer zu teuer! kein Wunder verläuft die Vermietung nur schleppend!