CS-Beschattungsskandal

10. Oktober 2019 18:33; Akt: 10.10.2019 18:33 Print

Investigo erhebt schwere Vorwürfe gegen die CS

Die Firma Investigo Gmbh war für die Beschattung von Top-Banker Iqbal Khan verantwortlich. Nun kritisieren sie ihre Auftraggeberin, die Credit Suisse, scharf.

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Die Verantwortlichen der Credit Suisse ziehen aus der Bespitzelungsaffäre Konsequenzen. «Die Überwachung von Iqbal Khan war falsch und unverhältnismässig», heisst es in einer Mitteilung der Grossbank am Dienstag, 1. Oktober 2019. Der operative Chef Pierre-Olivier Bouée und der operative Sicherheitschef Remo Boccali treten per sofort zurück. Konzernchef Tidjane Thiam bleibt. Er habe die Überwachung nicht angeordnet. Für die Credit Suisse war die vergangene Woche eine schwierige. (Im Bild: VR-Präsident Urs Rohner und CEO Tidjane Thiam) Der Aktienkurs der Bank sackte vom Freitag, 20. September, bis Freitag, 27. September, um 5,8 Prozent ein. In diesem Zeitraum kamen zunehmend Details zum Bankerzoff zwischen CEO Tidjane Thiam und dem Ex-CS-Mann Iqbal Khan ans Licht. Das Finanzinstitut büsste fast 2 Milliarden Franken an Börsenwert ein. «Das hat sicher auch mit den negativen Berichten zu tun, denn einige Anleger reagieren sensitiv auf Reputationsrisiken», sagt Andreas Venditti, Bankanalyst der Bank Vontobel. Zwar lief es für die gesamte Schweizer Börse im gleichen Zeitraum eher schlecht. Analysten nennen die Unsicherheit um das Amtenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump als einen der Hauptgründe für den Knick im Kurs. Der SMI wie auch die UBS-Aktie begannen sich aber bereits ab Mittwoch zu erholen. Anders ist es bei der Credit Suisse: Hier kam das Wochentief erst am Freitag. Der Streit zwischen Thiam und Khan kostet die Bank nicht nur Geld an der Börse, sondern auch Reputation, wie Reputationsexperte Bernhard Bauhofer (Bild) zu 20 Minuten sagt: «Diese Geschichte trägt weiter dazu bei, dass die Schweizer Bankenbranche an Glaubwürdigkeit verliert.» Genau beziffern lasse sich dieser Reputationsschaden aber nicht. Nun bestehe die Gefahr, dass es zu einer Führungskrise komme. Sollte der jetzige CEO seinen Posten bei der CS verlieren, wäre VR-Präsident Urs Rohner (Bild), der Thiam einst als idealen Kandidaten zur Bank geholt hatte, gefordert, innert Kürze einen weniger kontroversen Nachfolger aufzubieten. Tidjane Thiam und Iqbal Khan sind Nachbarn. Thiams Villa mit Rundbau steht neben Khans Backsteinhaus. Auf Google Maps ist Khans Haus noch im Aufbau. Zwei Jahre habe die Bauphase gedauert, der Lärm sorgte für Spannung zwischen den Topmanagern. Wegen zwei Bäumen zwischen Thiams Villa und Khans Backsteinhaus kam es dann an einer Cocktailparty zum grossen Streit. Eine Zürcher Filiale der Credit Suisse besudelt von Vandalen am 1. Mai 2019. Der Name der Grossbank wird derzeit von einer hausgemachten Affäre befleckt und alarmiert Aktionäre. Vor seinem Wechsel zur UBS sorgt eine Posse um den ehemaligen Credit-Suisse-Spitzenmanager Iqbal Khan für Schlagzeilen. Der bekannte Bankmanager ist offenbar beschattet worden. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft erklärte am Montag, sie habe aufgrund einer Anzeige von Khan ein Strafverfahren wegen Nötigung oder Drohung eröffnet. Im Mittelpunkt der Affäre steht ein Streit zwischen CS-Chef Tidjane Thiam (im Bild) und Khan. Khan hat die CS zu äusserst vorteilhaften Konditionen verlassen. Seine ehemalige Arbeitgeberin, die Credit Suisse, liess Iqbal Khan beschatten. Laut dem Präsidenten des Schweizerischen Verbands der ausgebildeten Privatdetektive sind diese allerdings dilettantisch vorgegangen. Seltsam ist, dass ein Banker in einer derart hohen Position eine nur dreimonatige Kündigungsfrist hat. Auch gilt in einem solchen Fall in der Regel ein Konkurrenzverbot. Dass Khan schon im Oktober die Vermögensverwaltung der UBS übernimmt, ist höchst unüblich. Iqbal Khan gilt als Kronprinz von UBS-Chef Sergio Ermotti. Er wird die Sparte bei der UBS zusammen mit Tom Naratil leiten. Co-Chef Martin Blessing tritt hingegen zurück.

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Die Detektei Investigo Gmbh, die mit Auftrag der Credit Suisse den Banker Iqbal Khan beschattet hat, hat sich erstmals öffentlich geäussert. Gegenüber SRF hat sie schwere Vorwürfe gegen die Bank erhoben. Sie habe vertrauliche, nicht freigegebene Korrespondenzen und Informationen über das Unternehmen an die Presse weitergegeben. Dies sei «absolut unverständlich».

Investigo äusserte sich ausserdem dazu, was beim Auftrag schief gelaufen sei. «Nach all den Indiskretionen seitens der Auftraggeberin ist nicht auszuschliessen, dass auch die Überwachung durchgesickert ist», heisst es.

Grosser Reputationsschaden

Die Firma stellt also die Vermutung auf, dass Kahn bereits zuvor von einem Informanten über die Beschattung von Seiten der Bank informiert worden war. Weiter schreibt Investigo, dass sie durch die Affäre einen enormen Reputationsschaden erlitten habe. Die Folgen dessen seien nicht absehbar.

Die Credit Suisse hat sich bisher zum Statement von Investigo noch nicht geäussert.

Die Vorgeschichte

Iqbal Khan hatte seinen Posten bei der CS im Juli 2019 gekündigt. Ende August wurde klar, dass er zur Konkurrenz UBS wechselt. Im September wurde schliesslich bekannt, dass seine ehemalige Arbeitgeberin Kahn bespitzeln liess.

Noch ist unklar, wie diese Überwachung genau ablief. Die Bank widerspricht der Version der Geschehnisse, wie Khan sie beschreibt. Dieser gibt an, bei einer Einkaufsfahrt beschattet worden zu sein. Er habe daraufhin versucht, seine Verfolger abzuschütteln, was ihm aber nicht gelungen sei.

Also habe er ein Foto des Nummernschilds des Autos gemacht, aus dem er bespitzelt worden sei. Drei Personen sollen daraufhin versucht haben, ihm das Handy zu «entreissen». Einer von ihnen sei ein tätowierter Schlägertyp gewesen. Die CS behauptet jedoch, dass niemals versucht worden sei, ein Handy zu entreissen.

(doz)