Eigentumswohnungen

23. Juli 2018 10:31; Akt: 24.07.2018 00:19 Print

Hotel-Eigentümer verklagt Locarno auf 20 Millionen

von Vanessa Sadecky - Locarno hat bei einem Wohnungsbauprojekt des Parkhotels Delta im Nachhinein die Spielregeln geändert. Der Investor klagt auf Schadenersatz.

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Das Parkhotel Delta geht gegen die Stadt Locarno vor. Diese hat bei einem Erweiterungsprojekt des Hotels die gesetzliche Lage zum Nachteil des Investors geändert. Die neu gebauten Eigentumswohnungen des Delta Resort können so nicht mehr wie geplant verkauft werden. Darum will der Hotel-Investor die Stadt Locarno auf 20 Millionen Franken Schadensersatz verklagen. Dies schreibt die PR-Firma des Parkhotels Delta in einer Medienmitteilung.

Konkret ist den vor allem aus der Deutschschweiz stammenden Wohnungskäufern des Resorts verboten worden, mehr als acht Wochen pro Jahr in der eigenen Wohnung zu verbringen. Betroffen sind beim Delta Resort 52 Eigentumswohnungen, die auf dem Areal des Parkhotels Delta gebaut wurden und vom Hotel gemanagt werden.

Maximal acht Wochen pro Jahr in der eigenen Wohung

Nach Kritik aus Reihen der Grünen intervenierte die Stadtregierung 2014 und belegte die Wohnungen des Delta Resorts mit neuen Nutzungsauflagen. Demnach müssen die Eigentümer in ihren Wohnungen auch fremde Benutzer akzeptieren. Anfang 2018 kam die Auflage hinzu, dass die Besitzer selber höchstens noch acht Wochen pro Jahr in den Wohnungen verbringen dürfen.

Gemäss Mitteilung verlangt zudem der Stadtrat von Locarno, dass auch die Mieter der Wohnungen im Resort diese unverzüglich verlassen. Andernfalls, so drohte die Stadtregierung, würden sie «mit Gewalt ausquartiert».

Warnung vor Klagen

Von den neuen Auflagen sei beim Erteilen der Baubewilligung für die Hotelresidenzen nie die Rede gewesen. Dies habe auch der vom Stadtrat von Locarno beauftragte Gutachter Lorenzo Anastasi in seiner Beurteilung des Falls festgestellt. Anastasi warnte den Stadtrat, das Festhalten an seinen nachträglich beschlossenen Betriebsauflagen könne massive Schadenersatzklagen an die Adresse der Stadt zur Folge haben. Er legte laut der Mitteilung der Locarner Stadtregierung deshalb nahe, auf einen Kompromissvorschlag der Hoteleigentümerin einzugehen.

Die Hoteleigentümerin hatte sich nach eigenen Angaben bereit erklärt, die Wohnungen während 52 Wochen pro Jahr an Hotelgäste zu vermieten. Der Locarner Stadtrat lehnte diesen Kompromissvorschlag ab.

Geschätzter Schaden von 20 Millionen Franken

Die neuen Auflagen der Stadtregierung könnte die Stadt Locarno teuer zu stehen kommen. «Von diesen Auflagen war bei der Erteilung der Baubewilligung und auch während des
Baus nie die Rede. Jetzt finden wir deswegen keine Käufer für die Wohnungen mehr», sagt Alessandro Ambrosoli, Geschäftsführer des Parkhotels Delta. Gemäss Ambrosoli beläuft sich der Schaden, den der Stadtrat dem Parkhotel damit verursacht hat, auf über 20 Millionen Franken.

Das Parkhotel Delta hat deshalb den Anwalt und früheren FDP-Präsidenten Fulvio Pelli mit einer Schadenersatzklage gegen die Stadt Locarno beauftragt. Ausserdem will Pelli gegen die Ausweisungsbeschlüsse der Stadtregierung vorgehen, die die Deutschschweizer Wohnungsmieter in der Hotelresidenz betreffen.

Pelli erachtet das Verhalten der Locarner Regierung nicht nur rechtlich, sondern auch politisch als stossend: «Dass einer Eigentümerin nach Fertigstellung eines Baus betriebliche Auflagen gemacht werden, die die wirtschaftliche Tragbarkeit ihres Baus zunichtemachen, ist rechtswidrig, verstösst gegen die Rechtssicherheit und ist deshalb inakzeptabel», wird Pelli in der Mitteilung zitiert.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

..... während 520 Wochen pro Jahr..... hallo 20.Min. Wir Leser sind Blöd, aber 520 Wochen sind 3640 Tage – RSwiss

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wundert nicht! am 23.07.2018 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ausweisung von Deutschschweizern?

    «Ausserdem will Pelli gegen die Ausweisungsbeschlüsse der Stadtregierung vorgehen» Mittlerweile ist es für Schweizer einfacher, eine Haus im Ausland zu kaufen, als in der Schweiz. Unglaublich beklopptes Land...

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  • Bussi Bussi am 23.07.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Hoffentlich muss Locarno dieses Fehlverhalten teuer bezahlen.

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  • Marc am 23.07.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Wenn ich hier die Kommentare lese, zweifle ich am Bildungsstand der Leser: ja, 520 Wochen ist korrekt. Es sind 52 Wohnungen und 52 Wochen pro Jahr, ergibt total ca. 2'700 Wochen, davon werden 520 Wochen an Hotelgäste vermietet, also ca. 20%.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lisa W. am 24.07.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür

    Das nennt man einen willkürlichen Behördenentscheid. In einen sauberen Rechtsstaat wäre sowas nicht möglich.

    • Retus am 24.07.2018 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Willkuer

      Die Stadt Locarno widerspricht dieser Darstellung. Warum wird die Stellungname der Stadt Locarno nicht veroeffentlicht? Waereeigentlich fair!

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  • Touristik-Promoterin am 24.07.2018 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Komödie Locarno

    Erstaufführung von: der Schuss ins Knie. Exklusiv rund um die Piazza. Locarnese -StimmbürgerInnen wählt endlich Leute mit Verstand in Eure kleine Regierung. Solche fürchterlichen Possen fördern keineswegs den Festival- und Grotti-Betrieb.

  • Thomas Weinmann am 24.07.2018 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beklopptes Tessin

    Im Tessin scheinen solche unglaublichen Sachen immer häufiger vorzukommen. Dabei lebt der Kanton vom Tourismus. Wer kann das Verstehen? Und wenns dann schlecht geht, wird gejammert und alles Andere ist natürlich schuld an der Misere. Schade schade schade!

  • Rudinio am 24.07.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umgehung der Gesetze

    Man hat versucht , die 2. Wohnungsinitiative zu umgehen. Locarno hat es gemerkt und gehandelt. Alles in Ordnung.

    • Thomas am 24.07.2018 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rudinio

      Eben nicht, sie hätten es bei der Baubewilligung merken müssen.

    • Ueli am 24.07.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rudinio

      Wieviel Wohnungsinitiativen gab es denn?

    • Willi oui c'est moi am 24.07.2018 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli

      Ist richtig, er sagte zweit Wohnungsinitiative, da es evtl immer noch nicht verstanden hast. Die Initiative gab es nur eine für 2. Wohnung. Gecheckt? Und ja sie wollten bestimmt die umgehen.

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  • Fragenfr Fragen am 24.07.2018 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das Rassimus??

    Kann man hier auch sagen das es Rassimus ist gegen gegen Personen aus anderen Kantonen??

    • Rebi am 24.07.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fragenfr Fragen

      Es ist wohl eher diskriminierend

    • Sämi am 24.07.2018 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rebi

      Rassismus ist diskriminierend. Schon allein deswegen, weil es gar keine verschiedenen menschlichen Rassen gibt.

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