Verzweiflungstat

21. August 2018 07:00; Akt: 22.08.2018 09:42 Print

Touristen aus Europa sollen Irans Kassen füllen

von Dominic Benz - Das wirtschaftlich angeschlagene Land setzt auf den Tourismus. Im Visier sind Gäste aus Europa. Reiseexperten sind skeptisch.

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Irans Wirtschaft ist am Boden. Seit Monaten ächzt die islamische Republik am Persischen Golf unter den US-Sanktionen: Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 12 Prozent, die Währung ist kaum noch etwas wert. Einen iranischen Rial bekommt man für rund 0,00002 Franken. Auch europäische Unternehmen wenden sich vom Staat ab. Kürzlich haben die Deutsche Bahn sowie die Deutsche Telekom ihren Rückzug aus dem Iran bekanntgegeben.

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Ausgerechnet jetzt setzt der Iran auf den Tourismus. Ausländische Gäste sollen Geld bringen. «Besonders jetzt können wir mit der Förderung unseres Tourismuspotenzials eine alternative Einnahmequelle für Devisen schaffen», zitiert «Travelnews» Irans Vizepräsidenten und Tourismus-Chef Ali-Asghar Munessan. Haben letztes Jahr rund fünf Millionen Touristen das Land besucht, sollen es 2018 mehr werden. Im Visier sind vor allem Gäste aus Europa.

Keine Direktflüge

Die grossen Touristenströme dürften allerdings auch künftig ausbleiben. «Der Iran ist überhaupt kein Massentourismus-Land», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan Suisse, zu 20 Minuten. Die Nachfrage sei auf tiefem Niveau. Interesse bestehe aber beim anspruchsvollen Touristen. «Das Land ist prädestiniert für geführte Rundreisen, um die Kultur zu entdecken», so Huguenin. Auch für Trekking sei das Land geeignet. Pro Jahr bietet Hotelplan Suisse zwei bis drei Gruppenreisen an. Anfliegen kann man die Hauptstadt Teheran von der Schweiz aus etwa mit der Lufthansa. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es aber aus der Schweiz keine Direktflüge.

Zwar ist die Anreise mit einem gültigen Visum problemlos. Doch die politische Lage dürfte viele Touristen abschrecken. Bei den Reisehinweisen für den Iran schreibt der Bund auf seiner Webseite: «Auch wenn die allgemeine Lage insgesamt als ruhig bezeichnet werden kann, bestehen latente Spannungen.» Das Risiko von Anschlägen bestehe im ganzen Land. Besonders die Grenzgebiete zum Irak, zur Türkei und zu Afghanistan seien kritisch. Vor allem auf dem Land könnten je nach Region Entführungen nicht ausgeschlossen werden.

Strenge Kleidervorschriften

Ein Reisehindernis dürften auch die strengen islamischen Kleidervorschriften für Frauen sein. Kopftuch und langer Mantel sind zwingend. «Für den normalen Strandtouristen ist das sicher abschreckend», sagt Thorsten Merkle, Tourismusexperte von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. Wer sich aber für das Land interessiere, nehme diese Regeln in Kauf. Dass diese Vorschriften zumindest für Touristen gelockert werden könnten, glaubt Merkle derzeit nicht.

Er betont: «Im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Iran nach unseren Werten kein freies Land.» Touristen müssten sich gewisser Einschränkungen bewusst sein. So dürfe beispielsweise nicht einfach alles fotografiert werden. Die meisten sozialen Medien seien nicht frei zugänglich. «Auch müssen Touristen nach Angaben des Auswärtigen Amtes damit rechnen, dass die iranischen Behörden SMS und Mails mitlesen», so Merkle.

Folgen für weitere Reisen

Grundsätzlich findet er das Vorhaben des Iran aber gut. «Für viele Entwicklungsländer ist der Tourismus ein wichtiger Weg, um Geld ins Land zu holen.» Zudem habe das Land neben einer guten touristischen Infrastruktur viel zu bieten: Historische Schätze, Kultur und schöne Strände. Der Experte glaubt darum, dass der Iran mehr ausländische Gäste anlocken kann. «Einen Massentourismus aus der Schweiz wird es aber nicht geben.»

Hinzu kommt, das eine Iran-Reise Folgen für weitere Reisen hat. Wer nach einem Iran-Aufenthalt als Tourist in die USA reisen will, muss dann ein Visum beantragen, sagt Merkle. Das Ausfüllen eines Esta-Formulars, das Schweizern einen visumfreien Aufenhalt für maximal 90 Tage ermöglicht, reiche dann nicht mehr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dan am 21.08.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schöne Strände

    was nützen mir schöne Strände, wenn ich nicht im Bikini am Strand liegen darf und zum Schluss noch mit der Burka ins Wasser muss. Also meide ich dieses schöne Land.

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  • Mani Motz am 21.08.2018 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Solange Kleidervorschriften wie beschrieben gelten, ist der Iran für mich kein Thema.

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  • Courroxxi879 am 21.08.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, dorthin gehe ich nicht

    Der Iran ist ein fundamentalistischer islamischer Staat in dem die Menschen nicht tun dürfen was sie wollen. Und erst recht nicht die Frauen. Nein, danke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosmarie Wüthrich am 23.08.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschriften gibt es überall

    Ja der böse Iran. Und wer an die Klagemauer will, darf alles machen was er will?Wer in Dubai machen kann was er will auch? Auch das stimmt nicht, im Vatikan, in Venedig in Italien, in Australien oder Amerika usw. Überall gibt es gewisse Vorschriften. In der Innerschweiz mit kurzem Rock in die Kirche?Probiert es einmal.....

  • sara m am 23.08.2018 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit dieser einschränkung nicht 

    ich wollte schon immer in den iran. nun habe ich im artikel gelesen, dass ein einreisen in die usa ohne visum nich mehr möglich ist. darum werde ich meinen wunsch in den iran zu reisen begraben! diese einschränkung möchte ich nicht! so ist es nicht mehr möglich spontan meine verwandten zu besuchen.

  • Martial2 am 22.08.2018 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf eigenes Risiko...

    Schönes Reiseziel, wenn man genug vom Leben hat, könnte man eine Rundreise machen: Iran - Irak - Afghanistan - Libyen und Syrien, dann dort bleiben!

  • dust-e-Iran am 22.08.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das Reiseland

    Vor ca. 20 Jahren das erste Mal. Seither sicherlich mehr als 15 mal. Bei uns kann auch nicht alles fotografiert werden und e-Mails werden weiss Gott von wem mitgelesen. Ich miete ein Auto und fahre selbst und man kann wierder einmal Autofahren ohne dauernd die Polizei im Nacken zu haben. Natürlich gut Farsi gelernt so kann ich mich mit den Iranern unterhalten. Man kommt überall hin (inkl. den Nuklearanlagen) ohne behelligt zu werden. Das wunderbarste und schönste Reiseland überhaupt.

  • Carole Njeim am 22.08.2018 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das muss man über IRAN wissen

    Iran ist ein grosses Übel. Im Nahen Osten versucht Iran immer wieder stabile und ruhige Länder zu destabilisieren indem sie ihre schiitischen Milizen schickt. Iran hat Irak, Jemen, Libanon und jetzt Syrien mit schiitischen Milizen gefüllt damit diese für Chaos im Land und in den Nachbarländer sorgen. Das ist eine scheussliche Gaunerei. Zudem führt IraN Kriege mit anderen Ländern im Boden von IraK, Jemen, Libanon und Syrien. Iran will mehr Länder der Region unter ihrer Kontrolle bringen weil sie eine Weltherrschaft anstreben.