«Keinen Schekel wert»

27. April 2011 17:41; Akt: 28.04.2011 09:39 Print

Israel lässt in Zürich Geld drucken

Orell Füssli produziert die neuste Banknotenserie des israelischen Schekels. Wie immer sind mit der Sujetwahl nicht alle glücklich. Orientalische Juden und Araber fühlen sich übergangen.

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Bereits die aktuelle 20-Schekel-Note wird seit 2008 in Zürich gedruckt. (Bild: Wikipedia)

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Die israelische Regierung hat vor kurzem die Gestaltung der neuen Banknotenserie genehmigt. Während auf den aktuellen Scheinen vor allem Persönlichkeiten aus der Politik abgebildet sind, werden die neuen Banknoten bekannte israelische Dichter und Literaten zieren. Auf dem 20-Schekel-Schein wird die Dichterin Rachel Bluwstein, auf dem 50-Schekel-Schein der russisch-israelische Poet Shaul Tchernichovsky, auf dem 100-Schekel-Schein die Schriftstellerin Leah Goldberg und auf dem 200-Schekel-Schein der Schriftsteller Nathan Alterman abgebildet sein.

Dieser Entscheidung war eine fast einjährige Diskussion vorausgegangen, bei der vor allem kritisiert wurde, dass nur aschkenasische (jüdisch-europäische) und keine sephardischen (ursprünglich spanische, die später im orientalischen Raum siedelten) Berühmtheiten bedacht wurden.

Auch Araber übergangen

«Es ist inakzeptabel, unvernünftig und unlogisch, dass es nicht einen sephardischen Juden auf den Geldscheinen gibt», kommentierte Silvan Shalom, Minister für Regionalentwicklung die Entscheidung. Die Portraits auf den Scheinen sollten das ganze Volk repräsentieren, fand Shalom, der selbst einer sephardischen Familie entstammt.

Sephardische Juden beklagen seit jeher, dass sie in Israel gegenüber aschkenasischen Juden benachteiligt wären. Die israelische Tageszeitung «Haaretz» ging noch einen Schritt weiter und beklagte, dass auch keine arabisch-israelischen Künstler berücksichtigt worden sind: «Es scheint, als seien arabische Bürger im Staat Israel keinen Schekel wert.»

Politiker zu heikel

Der erste Entwurf hatte eine noch heftigere Kontroverse ausgelöst. Ursprünglich waren Theodor Herzl (Begründer des politischen Zionismus), David Ben-Gurion (Staatsgründer), Menachem Begin (Frieden mit Ägypten) und Yitzhak Rabin (Frieden mit der PLO) vorgesehen gewesen. Eine unproblematische Wahl, hätte man meinen können.

Doch die Nachkommen Begins sperrten sich. Rechtskonservative Kreise, die Rabin des Verrats bezichtigen, wollten den Friedensnobelpreisträger nicht. Wieder andere fanden, Herzl und Ben-Gurion seien schon auf genügend israelischen Banknoten geehrt worden. Die Kontroverse konnte mit dem Ausweichen auf Künstler und Literaten wie erwähnt nur bedingt entschärft werden. Immerhin steht der Entscheid nun.

Die Orell Füssli Security Printing brauchen diese Streitigkeiten nicht zu kümmern, sie wird die Banknoten lediglich drucken. Das Tochterunternehmen des bekannten Zürcher Verlags produziert unter anderem auch die Schweizer Banknoten sowie den Schweizer Pass. Die neuen israelischen Banknoten sollen nächstes Jahr in Umlauf kommen.

(kri)