Rauchen

07. Dezember 2018 10:36; Akt: 07.12.2018 10:36 Print

Sind E-Zigis weniger schädlich als Snus?

Hersteller von Oraltabak wie Snus behaupten, dass ihre Produkte bei der Rauchentwöhnung helfen. Das sagen Experten.

Bildstrecke im Grossformat »
Firmen wie Juul, Iqos und Red Kiwi Nude locken mit dem Versprechen, dass ihre Produkte weniger schädlich seien als herkömmliche Zigaretten. Nun wollen offenbar auch Oraltabakhersteller auf den Trend alternativer Rauchprodukte aufspringen. So versucht Parisienne-Hersteller British American Tobacco, seinen weissen Snus Epok als E-Zigaretten-Ersatz zu vermarkten. Ein Sprecher der Marke sagt zu 20 Minuten: «Epok ist die bessere Alternative zu E-Zigaretten, weil es die Zähne nicht verfärbt und ohne Pestizide und Schwermetalle auskommt.» Thomas Beutler von der Arbeitsgruppe Tabakprävention widerspricht dieser Darstellung. «Oraltabak ist grundsätzlich nicht gesünder als E-Zigaretten – Rauchstopp-Produkte ohne Tabak sind für die Gesundheit immer besser als solche mit Tabak, egal ob sie die Zähne verfärben oder nicht.» Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass Produkte wie Snus bei der Rauchentwöhnung helfen. «Ein Grund dafür ist, dass der Konsumstil von Snus und Zigaretten zu unterschiedlich ist. Zu rauchen oder sich ein Stück Tabak in den Mund zu schieben, ist etwas komplett anderes», sagt Beutler. Mit Nude der Marke Red Kiwi bringt eine Schweizer Firma eine eigene E-Zigarette auf den hiesigen Markt. Die Dampfgeräte sollen Anfang 2019 bei Coop, K-Kiosken oder Denner zu kaufen sein. Die E-Zigi ist laut Hersteller identisch mit jener von Juul. Juul will Schweizer Rauchern eine Alternative zum Tabak bieten. Die Werbung soll auf erwachsene Raucher ausgerichtet sein: Die Models seien mindestens 28 Jahre alt, so Juul. Auf dem Päckchen gibt es Nikotin-Warnungen. Der Doppelpunkt sei ein Übersetzungsfehler, der demnächst korrigiert werde, sagt Schweiz-Chef Jonathan Green zu 20 Minuten. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilt mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert hat, das Produkt anschliessend weiter nutzt. Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weiter genutzt. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, dass «kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirkten als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Raucher davon zu überzeugen, auf neue Raucherprodukte umzusteigen: Das ist die Mission von E-Zigaretten-Herstellern wie Juul, Iqos und Red Kiwi Nude. Die Firmen locken mit dem Versprechen, dass ihre Produkte weniger schädlich seien als herkömmliche Zigaretten.

Umfrage
Rauchen Sie E-Zigaretten?

Experten bestätigen, dass dies in der Tendenz stimmt. Auch wenn Langzeitstudien noch ausstehen. Nun wollen offenbar auch Oraltabakhersteller auf den Trend alternativer Rauchprodukte aufspringen. So versucht Parisienne-Hersteller British American Tobacco, seinen weissen Snus Epok als E-Zigaretten-Ersatz zu vermarkten. Den Lutschtabak gibt es seit April an Schweizer Kiosken zu kaufen. Dies ist legal, weil der Snus als Paste und nicht als Pulver verkauft wird. Ein Sprecher der Marke sagt zu 20 Minuten: «Epok ist die bessere Alternative zu E-Zigaretten, weil es die Zähne nicht verfärbt und ohne Pestizide und Schwermetalle auskommt.»

«Ein Stück Tabak im Mund ist anders als rauchen»

Thomas Beutler von der Arbeitsgruppe Tabakprävention widerspricht dieser Darstellung. «Oraltabak ist grundsätzlich nicht gesünder als E-Zigaretten – Rauchstopp-Produkte ohne Tabak sind für die Gesundheit immer besser als solche mit Tabak, egal ob sie die Zähne verfärben oder nicht.» Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass Produkte wie Snus bei der Rauchentwöhnung helfen. «Ein Grund dafür ist, dass der Konsumstil von Snus und Zigaretten zu unterschiedlich ist. Zu rauchen oder sich ein Stück Tabak in den Mund zu schieben, ist etwas komplett anderes», sagt Beutler.

Eine Studie des Universitätsspitals Lausanne mit 5000 Schweizer Rekruten aus dem Jahr 2017 stützt diese Aussage: Sie kam zum Schluss, dass Schnupftabak und ähnliche Produkte Raucher nicht dazu bewegen, weniger Zigaretten zu rauchen.

Krebs im Verdauungstrakt

In Norwegen und Schweden ist der Zigarettenkonsum zwar gesunken, während Snus immer beliebter wurde. Kritiker vermuten jedoch, dass dies weniger auf Snus als auf Anti-Rauch-Kampagnen zurückzuführen sei. In den USA liess sich kein Zusammenhang zwischen steigendem Snus- und sinkendem Zigaretten-Konsum feststellen.

Ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG) bestätigt zwar, dass Snus-Produkte wie Epok im Vergleich zu klassischen Zigaretten weniger schädlich sind. Aber: «Der Konsum von Lutschtabak kann Krebs im Verdauungstrakt und in der Speiseröhre hervorrufen. Er macht auch sehr schnell abhängig.»

(vay)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EineAbeEineUfe am 07.12.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Wochenende

    Auf diesen Beitrag muss ich erstmal die Oberlippe anheben und mich beruhigen ;P

  • Helga am 07.12.2018 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Su cht

    Man kann ja alles irgendwie schön reden. Aber schlussendlich ist nichts anderes als eine Suchtverschiebung!

    einklappen einklappen
  • Amina123 am 07.12.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dampfen hilft zigi-stopp

    seit etwa 4 wochen bin ich am dampfen.ich muss sagen,dass dies für mich die beste alternative ist,ganz aufzuhören mit den zigaretten.mein zigi-konsum hat sich schon am zweiten tag dampfen um über 20 zigaretten pro tag reduziert:) wenn ich dann noch die für mich richtige mischung an nikotin herausgefunden habe,bin ich bis ende jahr warscheinlich ganz zigaretten frei;)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nemi am 07.12.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohni Snus gaht sNemi nöd usem Huus!

    All diese Produkte sind so oder so schädlich, also lieber gar nicht damit anfangen. Ich bin sehr Snus-abhängig, stehe dazu, weiss dass es nicht gut ist... Habe schon einige Versuche unternommen, davon loszukommen, bisher jedoch immer gescheitert...

    • M.H. am 08.12.2018 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nemi

      Weiter versuchen, ist schade für Ihre Zukunft (möglicherweise, aber warum riskieren). Vielleicht Akkupunktur testen.

    einklappen einklappen
  • Snuser am 07.12.2018 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Snuser95

    Dank Snus habe ich das Rauchen aufgehört. Es ist sehr praktisch, man kann es konsumieren wo man will, ohne das sich jemand gestört fühlt. Viel günstiger ist es auch. Danke Schweden

  • Herr Max Bänzli Total Live wie immer am 07.12.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    es wird viel Unsinn geredet, wenn der schöne Tag so lange ist.

  • kauer am 07.12.2018 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    snus

    seit ich snuse brauche ich keine Zigis mehr. vorher 1-2Päckchen geraucht.

  • René am 07.12.2018 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harmlos

    Snus ist absolut harmlos , ......... für diejenigen die daneben stehen , im Gegensatz zu dem Rauch der Zigis und Dampfis .

    • Freier Mensch am 08.12.2018 20:39 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte keinen Quatsch erzählen!

      Der Dampf aus den Dampfgeräten ist für Nebenstehende absolut unschädlich!

    einklappen einklappen