Mögliches Börsen-Aus

08. August 2018 15:57; Akt: 09.08.2018 11:10 Print

Ist Musks mysteriöser Tweet ein Kiffer-Witz?

von Dominic Benz - Elon Musk denkt laut über einen Börsen-Abgang von Tesla nach – und sorgt für Chaos. Das steckt hinter seiner Ankündigung.

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Wie Donald Trump twittert Elon Musk gern viel und frisch von der Leber weg. Das sorgt regelmässig für Verwirrung und Chaos. So auch der Musk-Tweet vom Dienstagabend. Er erwäge, Tesla bei einem Kurs von 420 Dollar pro Aktie zu privatisieren, schrieb der Tesla-Gründer. An der Techbörse Nasdaq brachte das der Aktie umgehend einen Kursschub, danach wurde der Titel vom Handel ausgesetzt. Doch was genau hat Musk vor? Und ist die Zahl 420 bloss eine Anspielung? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was heisst «privatisieren»?
Konkret will Musk Tesla von der Börse nehmen. Die Aktien wären dann in privaten Händen. Um das umzusetzen, braucht man eine Gruppe von Investoren, die gewillt sind, die Papiere für einen bestimmten Preis zu übernehmen. Diesen Preis sieht Musk – wie im Tweet angekündigt – bei 420 Dollar pro Aktie. Musk gehört knapp ein Viertel der Papiere. Zwar ist Musk mit einem Nettovermögen von rund 20 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Doch alle Aktien von Tesla selber übernehmen kann er dann doch nicht. Der Marktwert von Tesla beläuft sich momentan auf rund 64 Millarden Dollar. Zum Vergleich: US-Autokonzern GM kommt auf 54 Milliarden, Ford auf 40 Milliarden.

Kann Musk Tesla einfach privatisieren?
Ein Unternehmen lässt sich grundsätzlich jederzeit von der Börse nehmen. Auch Swatch-Chef Nick Hayek denkt regelmässig über eine Dekotierung von der Börse nach. Bei Musk ist das Vorhaben offenbar schon weit gediehen. So schreibt er am Ende seines Tweets: «Finanzierung gesichert.» Für eine Privatisierung braucht Musk aber letztlich die Zustimmung der Aktionäre. Und zu diesen gehört offenbar seit kurzem auch Saudiarabiens Staatsfonds PIF. Laut Medienberichten am Dienstag soll der Fonds eine Beteiligung in Milliardenhöhe aufgebaut haben. Diese soll zwischen drei bis fünf Prozent liegen und einen Wert von 1,7 Milliarden bis 2,9 Milliarden Dollar haben. Die Saudis wären damit einer der acht grössten Tesla-Aktionäre.

Warum wurde der Handel mit Tesla-Aktien ausgesetzt?
Bereits der Bericht über die Beteiligung der Saudis versetzte dem Aktienkurs einen Schub. Weiter bergauf ging es nach dem Tweet von Musk. Am Nachmittag (Ortszeit) setzte die Nasdaq den Handel aus. «Wenn ein Kurs sich innert kurzer Zeit zu stark bewegt, wird der Handel der Aktie üblicherweise automatisch ausgesetzt», sagt Aktienexperte Michael Winkler von der Zürcher Kantonalbank zu 20 Minuten. Das sei nichts Aussergewöhnliches und geschehe, um den Grund für die starken Kursausschläge zu untersuchen. «In der Regel werden wichtige Ankündigungen vor Börseneröffnung gemacht. So haben die Investoren ausreichend Zeit, um die Nachricht zu verarbeiten», so Winkler. Den Tag beendete die Aktie 11 Prozent höher bei 379 Dollar.

Was steckt hinter der Zahl 420?
Im Netz wird bereits gemunkelt, dass Musks Tweet ein Kiffer-Witz ist. Denn in den USA wird der 20. April als Datum abgekürzt 4/20 – als Cannabis-Tag gefeiert. So treffen sich in San Francisco traditionsgemäss Tausende Kiffer, um kollektiv Gras zu rauchen. Ebenso gilt 420 auch als Codewort für den regelmässigen Cannabis-Konsum. Der Zielkurs von 420 Dollar könnte also ein versteckter Hinweis sein. Immerhin setzt Musk des Öfteren wenig ernst gemeinte Tweets ab.

Was würde ein Börsen-Aus bringen?
Musk ist ein Muffel, was Aktienkurs-Pflege und das Rechtfertigen vor Analysten betrifft. Entsprechende Analystenfragen hat er schon als «langweilig» abgekanzelt. In einem Schreiben an die Tesla-Mitarbeiter teilte Musk mit, er wolle mit der Privatisierung ein Umfeld schaffen, in dem Tesla am besten operieren könne. Zudem sorge die Pflicht, als börsenkotiertes Unternehmen jedes Quartal Zahlen vorzulegen, für enormen Druck. Eine definitive Entscheidung sei noch nicht gefallen. Für Experte Winkler ist klar: Abseits von der Börse könne man sich der langfristigen Entwicklung des Unternehmens widmen. Doch auch dann muss Musk ab und zu Zahlen nennen. «Auch diese Investoren wollen nicht nur alle fünf Jahre erfahren, wohin es mit Tesla geht.»

Ist Musks Tweet Kurs-Manipulation?
Laut Winkler ist der Tweet von Musk nicht illegal – auch wenn dieser für extreme Kurssprünge verantwortlich ist. Tatsächlich hat 2013 die US-Börsenaufsicht (SEC) bekannt gegeben, dass Unternehmen soziale Medien wie Twitter oder Facebook für die Verbreitung von Informationen nutzen dürfen. Einzige Bedingung: Die Investoren müssen vorher informiert werden, welche sozialen Medien gebraucht werden. Dennoch ist der Vorwurf der Manipulation nicht ganz vom Tisch. Der ehemalige SEC-Chef Harvey Pitt sagte laut «Spiegel» in einem Interview: «Wenn seine Äusserungen den Zweck hatten, den Aktienkurs zu bewegen, könnten sie Manipulation sein oder sogar Börsenbetrug.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 08.08.2018 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Visionär oder Verrückter

    Jede Visionär hat man zu seinen Zeiten als verrückt und eigensinnig bezeichnet. Die Geschichte wird zeigen, wie verrückt Musk wirklich ist.

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  • 4057 Basel am 08.08.2018 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inside Insider

    das ist kein Kiffer-Witz,dass ist ein Insider:-)

  • Carly I. am 08.08.2018 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag ihn

    Auch wenn er einigen nicht korrekt rüberkommt, er ist mir sehr sympathisch. Als eine aus der Ecke der Nerds, Verschwörungstheoretiker, Weltverbesserer und trotzdem bodenständige mit Grips hatte ich immer das Gefühl, er sei einer von uns...mit ein weeeenig mehr Kohle ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni S. am 08.08.2018 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab in den Knast zusammen mit Zuckerberg 

    Schon seltsam, dass Reiche Leute nie ins Gefängnis landen, schlussendlich sind seinetwegen Menschen gestorben!

  • Wave Dancer am 08.08.2018 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Berge von Schulden!

    Musk wird vom FED dazu gezwungen! Er wurde weitgehend von FIAT-Geld finanziert und hat Milliarden in den Sand gesetzt! Nun will das FED zumindest einen Teil des Geldes zurück, d.h. die Bude soll an private Zocker verkauft werden u. dann wahrscheinlich hops gehen!

    • CptMcROFLcopter am 08.08.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wave Dancer

      Ähm nein eher das Gegenteil wäre der Fall. Die Zocker werden dann eher aussen vor gelassen.

    • Erwin am 09.08.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Bildung tut gut

      Wave Dancer, viele Schweizer verstehen nicht wie Geld funktioniert - Sie auch nicht!

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  • Teddy B.Scheuert am 08.08.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der "Musk"le Trick :)

    Ich könnte mir vorstellen das es ernst ist. Die Firma macht seit Jahren keine Fortschritte. Lösung: seine Anteile an Private Investoren verkaufen (eigene Gewinnoptimierung) bevor der Wert = 0 ist. Gleichzeitig der Firma eine Zukunft geben da private Investoren ihre Anlagen auch bei Verlusten länger mit Zuschüssen versorgen. Den keiner verliert gerne die gesamte Investition.

    • Der Irre mit dem Smartphone am 08.08.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Teddy B.Scheuert

      Tesla hat auf die falsche Technologie gesetzt. Zu teuer, zu anfällig, nicht alltagstauglich, zu dreckig. Er wird wissen, was die etablierte Konkurrenz, als Nachfolger vom Benziner und Diesel plant.

    • juerie am 08.08.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Teddy B.Scheuert

      Keine Fortschritte? Schreiben sie doch nur über das, wo sie was verstehen. Tesla ist gerade daran die ganze Betrugsbande der Autoindustrie zu zwingen, endlich wieder innovativ zu werden! Das alleine ist bereits ein Riesenerfolg!

    • juerie am 08.08.2018 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Irre mit dem Smartphone

      Noch einer, der über Dinge schreibt und nichts davon versteht. Genau drum macht jetzt die ganze Betrugsbande der Autoindustrie genau das was Tesla macht, oder?

    • Der Irre mit dem Smartphone am 08.08.2018 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @juerie

      Tut sie das? Reine Elektroautos der großen europäischen Konkurrenz sind rar und die Stückzahlen gelinde gesagt bescheiden. Bei den US Autobauern sieht es wie aus? Einzig auf die Asiaten trifft deine Meinung zu, auch wenn es hauptsächlich Hybridautos sind. Gut möglich das ich mich täusche, ist nicht meine Branche, aber meine Beobachtungen lassen mich anderes erwarten/hoffen.

    • tttk am 08.08.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Irre mit dem Smartphone

      Komisch, das ASTRA hat gerade heute verboten, dass Audi A6 und A7 mit Betrüger-Diesel nicht mehr gelassen werden.

    • Basler am 09.08.2018 01:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Irre mit dem Smartphone

      leider spiegeln sich deine Beobachtungen nur im europäischen Raum nieder. China ist aktuell Weltmarktführer in Sachen Elektrotechnologie. Chevi/ Chrysler wird ab 2019 autonom fahrende Autos mit Elektromotoren auf den Markt bringen. Einzig die Europäer sind "hängengeblieben"

    • Hugop am 09.08.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Irre mit dem Smartphone

      Nicht falsche Technologie, aber falsche Strategie. Statt vernünftige Autos für jedermann bauen die Autos für Leute, die im Kopf im Kindergarten stehen geblieben sind. Flügeltüren, jede Menge Schnickschnack mit praktisch Null Nutzen wie gigantische Displays, Berserkermodus, merkwürdige Türöffnungen etc. Die Produktstrategie ist total verzettelt. Statt auf Qualität setzt man auf Gadgets, die gerade mal ein paar Tage Aha-Effekte erzeugen. Dafür vergisst man die Lehren aus der klassischen Autoindustrie und verbaut Schrauben, die sofort rosten etc.

    • german am 09.08.2018 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      @tttk

      "Komisch, das ASTRA hat gerade heute verboten, dass Audi A6 und A7 mit Betrüger-Diesel nicht mehr gelassen werden" -sätze ohne sinn, ich hasse es!

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  • Mike Meier am 08.08.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Rote Flagge

    Musk ist ganz offensichtlich gewaltig unter Druck. Er sucht nach einem goldenen Fallschirm, um sich finanziell zu retten. Anleger müssten sich spätestens jetzt von diesen Aktien verabschieden.

  • Heidi Heidnisch am 08.08.2018 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profiliersüchtig

    Zu Anfangs war ich noch Fan von seiner Unkonventionalität. Aber seit er sich mit seinem U-Boot bei der Rettung der in einer Höhle eingesperrten Thai-Fussballer profilieren wollte, und dann noch den Taucher, der täglich 14 Stunden unter Wasser war, und wahrscheinlich Hauptverantwortlicher für die erfolgreiche Rettung gewesen ist, als Pädo bezeichnete, ist er bei mir unten durch. Jetzt sollte er zuerst mal etwas Nützliches für die Menschheit tun, wenn ich ihn wieder respektieren soll.

    • Hugop am 09.08.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Denke auch, dass ihm die Medienaufmerksamkeit mächtig zu Kopf gestiegen ist und sein Ego massiv geschädigt ist.

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