Harsche Kritik

01. März 2013 08:58; Akt: 01.03.2013 10:50 Print

Ist Schweizer Schoggi unfair produziert?

von Valeska Blank - Schweizer Schokoladenfirmen haben Mitschuld an der Ausbeutung von Kakaobauern. Das sagen die Globalisierungskritiker der EvB. Die Hersteller verweisen auf ihre Nachhaltigkeits-Engagements.

storybild

Die Schweizer Schokoladenhersteller könnten die Herkunft ihrer Kakaorohstoffe nicht zurückvefolgen, kritisiert die EvB. (Bild: Keystone)

Fehler gesehen?

Der Kakao in der Schweizer Schoggi wird immer noch grösstenteils unfair produziert. Das ist das Fazit einer neuen Studie der Erklärung von Bern (EvB) über die Schweizer Schokoladeproduzenten. Die Nichtregierungsorganisation spricht von menschenrechtswidrigen Zuständen, unter denen die Kakaobauern arbeiten müssen. Ihr Ertrag sei so niedrig, dass die meisten von ihnen in absoluter Armut lebten.

Umfrage
Achten Sie beim Schoggi-Kauf auf faire Produktion?
31 %
69 %
Insgesamt 1830 Teilnehmer

Aufgrund der Resultate aus ihrer Befragung unter 19 Schweizer Schokoladenhersteller hat die EvB ein Ranking erstellt. Es zeigt, welche Firmen sich für eine gerechte Herstellung stark machen – und welche eher lax mit dem Thema umgehen. Oben auf der Rangliste steht der Kakaohändler Pronatec aus Winterthur. Als zweites verantwortungsvolles Unternehmen wird Chocolats Halba aufgeführt. Das Unternehmen produziert hauptsächlich für den Schweizer Detailhandel und ist Teil der Coop-Gruppe.

Weltweit tätige Grossunternehmen wie Nestlé, Lindt & Sprüngli, Barry Callebaut oder Kraft Foods schneiden dagegen schlechter ab. Die EvB führt sie in der Kategorie der «nachlässigen» Firmen auf. In dieser Sparte findet sich auch die Migros-Tochter Chocolat Frey. Ganz unten im Ranking sind unter anderen Camille Bloch – aus diesem Haus stammen etwa die Marken Ragusa oder Torino – und die Confiseur Läderach AG.

Grosses Machtgefälle

Laut der EvB ist eines der Hauptprobleme der Konzerne die fehlende Rückverfolgbarkeit der Kakaorohstoffe. «Wer die Herkunft der Ursprungsstoffe seiner Produkte nicht kennt, kann auch nicht gegen Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen bei deren Anbau und Weiterverarbeitung vorgehen», kritisiert Andrea Hüsser, die bei der EvB die Studie verfasst hat.

Ein weiterer Knackpunkt sei die Preispolitik beim Kakao, für die sich die Schokoladenfirmen noch zu wenig einsetzten. «Das Machtgefälle zwischen den Kleinbauern und den Grosskonzernen macht faire Preisverhandlungen praktisch unmöglich», so Hüsser.

Kopfschütteln bei Herstellern

Die Kritik der EvB stösst bei den Schokoladenfirmen auf Unverständnis. Lindt & Sprüngli und Camille Bloch verweisen auf Anfrage von 20 Minuten Online auf ihre Zusammenarbeit Source Trust. Das Projekt will die Situation der Bauernfamilien durch Ertragssteigerungen und nachhaltigen Anbau verbessern.

Nestlé verweist auf seinen «Cocoa Plan», der helfen soll, die Schwierigkeiten in den Kakao-Anbaugebieten anzugehen. Zudem arbeite Nestlé mit der Fair Labor Association zusammen, um die Kakaoversorgungskette zu durchleuchten. Chocolat Frey bezieht nach eigenen Angaben 70 Prozent Kakao, der durch das Nachhaltigkeits-Label UTZ zertifiziert wurde. Die Confiseur Läderach AG verweist auf ihre Mitgliedschaft bei der World Cocoa Foundation, die sich für eine nachhaltige Kakaowirtschaft engagiert.

Doch auch diese Engagements überzeugen die EvB nicht. An der Basis, bei den Kleinbauern, sei davon noch nichts angekommen, sagt Studienautorin Hüsser: «Kommuniziert wird viel, umgesetzt fast nichts.» Zudem hätten die Schokoladenhersteller nur reagiert, weil in Zukunft ein Mangel an Kakaobohnen drohe. «Hinter diesem vermeintlich ethischen Verhalten stehen knallharte wirtschaftliche Interessen», so Hüsser.

Die Wahrheit über Schweizer Schokolade, behauptet die EvB. Mit diesem Video-Clip wollen die Kritiker aufrütteln

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 03.03.2013 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieselbe Leier

    Sind wir im Westen eigentlich nur noch dafür da uns selbst schlecht zu machen? Wir sind schuld am Hunger auf der Welt, wir behandeln die dritte Welt schlecht usw. Langsam reichts mit diesen Studien... Es sind dieselben Leute, die die dritte Welt mit Spenden überschwemmen lassen, anstatt sie bei der Arbeit zu unterstützen, damit sie selbst vorwärtskommen...

  • Spahr am 03.03.2013 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Felchlin Schoggi

    Felchlin Schoggi kaufen, da wird noch fair Produziert und Verkauft!

  • Martin am 01.03.2013 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich zahle gerne mehr

    für bessere arbeitsbedinung, Bio etc. zahle ich gerne mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Konsument am 04.03.2013 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht heikel sein

    Es ist doch wie bei allen anderen Produkten. Woher sie kommen oder wie sie hergestellt werden ist doch völlig irrelevant. Wichtig ist doch nur, dass wir die Produkte in genügender Menge zur Verfügung haben. Das gleiche ist doch auch die Herkunft. Ich will sie ja Essen oder benutzen, nicht mit ihnen sprechen.

    • Zurbrig am 04.03.2013 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur an dich denken

      Heikel sein? Hier geht es nicht darum, ob man etwas vom Geschmack her nicht so gerne mag. Hier geht es darum, dass Menschen unter den unfairen Herstellungsbedingungen leiden. Hat nix mit heikel zu tun, sondern damit, nicht nur an sich selber zu denken.

    einklappen einklappen
  • eveline arizzoli am 04.03.2013 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    mit gutem Gewissen geniesse ich doppelt!

    weniger ist mehr, auch bei Schoggihasen ;-)

  • Fred am 03.03.2013 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieselbe Leier

    Sind wir im Westen eigentlich nur noch dafür da uns selbst schlecht zu machen? Wir sind schuld am Hunger auf der Welt, wir behandeln die dritte Welt schlecht usw. Langsam reichts mit diesen Studien... Es sind dieselben Leute, die die dritte Welt mit Spenden überschwemmen lassen, anstatt sie bei der Arbeit zu unterstützen, damit sie selbst vorwärtskommen...

  • Spahr am 03.03.2013 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Felchlin Schoggi

    Felchlin Schoggi kaufen, da wird noch fair Produziert und Verkauft!

  • Daniel Hofmann am 03.03.2013 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrauchen müssen Umdenken

    Ohne den Verbraucher wird sich NIE was ändern, aber " Geiz ist Geil " warum mehr ausgeben, wenns das gleiche / identische Produkt doch viel Preiswerter gibt. Wie die Rohstoffe dafür abgebaut, geerntet wurden, ist nicht mein Problem. Was würde es hier für einen Aufschrei geben, wenn alle Kinder hier ab 8 Jahren, auf den Feldern in der Industrie, neben der Schule zu arbeiten haben, selbstverständlich OHNE dafür entlohnt zu werden. Denn nur so würden Schweizer Produkte doch auch viel Preiswerter. Hier will dies keiner und es ist zudem Verboten.