Abwärtstrend

26. Dezember 2018 21:47; Akt: 27.12.2018 08:24 Print

Ist Trump schuld am Börsen-Chaos?

Der Dezember könnte als der schwärzeste Börsenmonat seit 1931 in die Geschichte eingehen. Welche Rolle kommt dabei Donald Trump zu? Die wichtigsten Antworten.

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Lange Zeit hat US-Präsident Donald Trump keine Gelegenheit ausgelassen, die gut laufende Wirtschaft und den Börsenboom als seine eigene Leistung zu verkaufen. In seinen Augen hat er die USA «great again» gemacht und ist verantwortlich für das Wirtschaftswachstum von teilweise über 4 Prozent. Und auch den Dow-Jones-Rekord von über 26'000 Punkten in diesem Herbst reklamierte Trump für sich.

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Im Dezember drehten die Börsen allerdings ins Minus. Am 24. Dezember stürzte der Dow-Jones-Index um fast 3 Prozent ab. Der Schweizer Leitindex SMI tauchte vor der Weihnachtspause auf den tiefsten Stand das Jahres. Gehandelt wurde an Weihnachten an Japans Börse, doch auch dort ging es bergab: Der Nikkei-Index tauchte am 25. Dezember um 5 Prozent und sank auf den niedrigsten Stand seit 20 Monaten.

Ist Trump schuld an der Börsen-Panik?
Der Dow-Jones-Index, der die grössten 30 US-Unternehmen umfasst, verlor in den letzten drei Monaten gegen 20 Prozent seines Werts. Obwohl sich der Dow am 26. Dezember wieder fing, befürchten Analysten, der Dezember 2018 könnte als der schwärzeste US-Börsenmonat seit 1931 in die Geschichte eingehen. Trump hat mit seiner Kritik an der US-Notenbank und mit dem Shutdown der US-Regierung die Unsicherheit noch verstärkt. «Der Markt ist besorgt über das, was in Washington passiert», sagte Vinay Pande, Stratege bei UBS Global Wealth Management, laut Reuters.

Was ist der eigentliche Auslöser?
«Die Korrektur an den Märkten begann schon Anfang Dezember. Hintergrund ist die Zinserhöhung der US-Notenbank sowie eine Verschlechterung der US-Konjunktur», sagt Anastassios Frangulidis, Chef-Stratege bei Pictet Asset Management Zürich, zu 20 Minuten. Investoren zweifelten in der Folge an den Unternehmensgewinnen. «Gewisse Investoren verlieren bei einer Korrektur rasch die Nerven, womit sich der Abwärtsbewegung noch verstärkt», erklärt Frangulidis. Laut dem Pictet-Chefstrategen führen Trumps Aussagen zu Nervosität, nicht aber zu Panik.

Welche Rolle spielt der Shutdown – und was ist das überhaupt?
Ein Teil der Regierungsgeschäfte liegt lahm, weil kein Budget für gewisse Ministerien vorhanden ist: Beamte wurden in die Zwangsferien geschickten, andere erhalten keinen Lohn. Trump lehnte das Haushaltsgesetz ab, weil kein Geld für die von ihm geforderte Mauer zu Mexiko bereitgestellt wurde. Er verlangt fünf Milliarden Dollar. «Für die Börsenentwicklung spielt der Shutdown eine untergeordnete Rolle», sagt Frangulidis. Solche Ereignisse dauerten eine bis zwei Wochen. Zudem hätten die Anleger bereits Erfahrung im Umgang damit. In Trumps Amtszeit ist dies schon der dritte Shutdown.

Trump hat auch den US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell massiv kritisiert. Warum?
Trumps Angst ist, die Notenbank könnte mit höheren Zinsen das für seine Politik so wichtige Wirtschaftswachstum abwürgen. Der US-Leitzins liegt mittlerweile im Bereich von 2,25 bis 2,5 Prozent. 2019 dürften zwei weitere Zinsschritte folgen. Trump hat die Fed bereits als «verrückt» bezeichnet und sie als «grössere wirtschaftliche Bedrohung als China» verunglimpft. Am 24. Dezember twitterte Trump, das einzige Problem der US-Wirtschaft sei die Notenbank. Die Fed sei wie ein Golfer, der nicht putten könne. «Die Finanzmärkte verstehen Trumps Kritik als Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank. Und das ist keine gute Nachricht für die Investoren», sagt Frangulidis.


Trump erwog, den US-Notenbankpräsidenten zu entlassen. Könnte er das überhaupt?
Zwar haben Politiker auch schon in der Vergangenheit Notenbanken kritisiert, aber nie in der Art von Trump. Laut CNN hat Trump sogar erwogen haben, Fed-Chef Jerome Powell zu entlassen. Der Präsident habe Kabinettsmitglieder gefragt, ob er das Recht habe, Powell zu feuern. Trump hat Powell zwar eingesetzt, kann ihn aber nicht einfach in Eigenregie absetzen. Trump bräuchte dazu den Segen des Senats. Dieser Mechanismus wurde bewusst so gewählt, damit der US-Notenbankchef nicht von der Tagespolitik getrieben ist.

Wie geht es jetzt weiter und wie soll man sich als Anleger verhalten?
Das Umfeld dürfte laut Frangulidis schwierig bleiben. Während den letzten Jahren haben die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld geflutet. Diese Liquidität wird nun zurückgefahren. «Inwieweit sich das hinzieht, ist unklar und hängt stark mit den Daten der US-Wirtschaft zusammen», sagt Frangulidis. Klar sei, dass es nach einem schwierigen Dezember auch einen schwierigen Start ins Jahr 2019 geben werde. «Rückläufige Liquidität bei sich abschwächender Konjunktur ist ein schlechtes Umfeld für Anleger, sagt Frangulidis. Ein langfristiger Investor solle seiner Strategie in guten und schlechten Zeiten folgen und nicht die Nerven verlieren, rät Frangulidis: «Die nächste Zeit wird nicht einfach.»

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas M. am 26.12.2018 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer war der letzte Präsident

    Wer war der letzte US-Präsident, der die FED abschaffen wollte? Richtig, es war John F. Kennedy.

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  • Jasschönig am 26.12.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schieber

    Trump trägt Schuld an allem. Alles was seit mindestens tausend Jahren auf der Erde schief gelaufen ist kann ihm getrost in die Schuhe geschoben werden.

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  • Chrisiboy am 26.12.2018 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    noch nicht gemerkt?

    Die Börsen, Banken und die geldgierigen Spekulanten sind das wahre Problem. Da werden verschuldete Firmen, welche gar keine realen Werte haben, hoch bewertet, Banken mit ungenügender Eigenkapitaldeckung erschaffen ihr eigenes Geld und bringen kleine Anleger um ihr Erspartes. Und dann soll Deppen-Donald an allem schuld sein. Es wäre an der Zeit mal den Realitäten ins Auge zu schauen und sich wieder auf wahre Werte zu besinnen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 27.12.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu weit suchen

    Wer der Schuldige ist - Fed oder Trump - kann uns mehr oder weniger egal sein. Denn wenns bei uns crashed, ist die Hauptschuldige unsere SNB.

  • Leo65 am 27.12.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    niemand anderst als.....

    die Schuldigen sind klar die Demokraten.

    • Lektor am 27.12.2018 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Leo65

      @Niemand anders: das Wort anderst ist zum Unwort geworden.

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  • Tello am 27.12.2018 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer/was ist schuld?

    Ihr könnt es drehen und wenden wie Ihr wollt, am Ende ist die Gier eines jeden Menschen schuld. Es ist auch die Gier, die den Kapitalismus entstehen liess. Und auch die Gier, die einen Trump zum US Präsidenten werden liess.

  • Waver am 27.12.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied ...

    Was ist der Unterschied der US-Präsidenten - Bush, Obama und Trump ? .... Bush und Obama haben den Kauf von Aktien nach Börsencrashs empfohlen. Sledge Hammer's Bruder davor :-)

  • Killary am 27.12.2018 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Ablenkung

    Leute glaubt doch nicht jeden Stuss. Die US Wirtschaft pfeift aus dem letzten Loch! Ohne Kriege wären die schon lange am Ende. Es kommt sowas von nicht drauf an, ob nun Obama, Trump, Bush, Frau oder Herr Clinton an der Macht ist, ausser, dass Kriege und Unschönheiten entweder charismatisch verkauft (Obama) oder auf den Sündenbock (Orange) abgeschoben werden können. Ein Präsident hat weit weniger Macht, als es durch die Medien verplappert wird. Trump zieht Truppen ab und wird kritisiert, während der Saubermann vor ihm 7 Länder bombardierte und manche Kriegs-Rekorde hält aber tatsächlich (was für ein Hohn!) mit Martin Luther verglichen wird. Es ist alles nur Fassade, und bevor jemand mir irgendwas unterstellt, selbstverständlich ist auch mir Obama weitaus sympathischer. Ganz objektiv betrachtet ist er aber klar ein Kriegsverbrecher mit Nobelpreis.

    • Tello am 27.12.2018 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      BRAVO!!

      Sie sprechen mir von der Seele

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