Nach Chef-Wechsel

07. Februar 2020 19:08; Akt: 08.02.2020 13:43 Print

Ist auch CS-Präsident Rohner bald weg?

CEO Tidjane Thiam tritt ab. Dennoch ist der Beschattungsskandal für die Credit Suisse nicht ausgestanden. Für Präsident Urs Rohner wird die Luft dünner.

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Für die Credit Suisse ist die Beschattungsaffäre auch nach dem Rücktritt von Konzernchef Tidjane Thiam noch nicht abgehakt. So fordert etwa der Stimmrechtsberater Ethos nach wie vor auch einen vorzeitigen Abgang von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

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Soll CS-Präsident Urs Rohner früher zurücktreten?

«Der Verwaltungsrat hat auch eine Verantwortung», sagte Ethos-Chef Vincent Kaufmann auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP am Freitag. Am Morgen war bekannt geworden, dass Thiam in der kommenden Woche durch CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein an der Spitze der Bank ersetzt werden soll. Das ändere aber nichts an der grundsätzlichen Meinung des Westschweizer Stimmrechtsberaters, dass eine Veränderung auch im Präsidium nötig sei, sagte Kaufmann.

Für die Glaubwürdigkeit wäre es wichtig, wenn dies an der anstehenden Generalversammlung in diesem Jahr geschehen würde und nicht erst wie geplant 2021. Seit 2017 fordert Ethos den Rücktritt Rohners. Die Beschattungsaffäre habe Ethos in seiner Auffassung bestätigt, hatte es bereits am Donnerstag geheissen.

Rohner soll wie geplant bleiben

Vor der Verwaltungsratssitzung vom Donnerstag, an welcher der Rücktritt von Thiam einstimmig angenommen wurde, hatten sich diverse Grossaktionäre für Thiam ausgesprochen. US-Fondsmanager Harris Associates (8,42 Prozent), der britische Aktionär Silchester International Investors (3,26 Prozent) und US-Hedgefonds Eminence Capital, der nach eigenen Angaben fast 1 Prozent der Aktien sowie Kaufoptionen auf weitere Anteile hält, forderten ein Festhalten am CEO. Anderenfalls sollte Verwaltungsratspräsident Rohner frühzeitig abtreten.

Dieser ist seit 2009 Verwaltungsratsmitglied der Grossbank und seit 2011 deren Präsident. Eigentlich müsste er spätestens zur Generalversammlung 2021 ausscheiden, da er dann die maximale Amtszeit von zwölf Jahren im Gremium erreicht hat. Am Morgen sprach der Verwaltungsrat Rohner das Vertrauen aus. Man erwarte, dass er sein Amt bis April 2021 ausübe, hiess es.

Grossaktionäre halten sich bedeckt

Nach dem am Morgen angekündigten Machtwechsel bei der CS halten sich die Grossaktionäre bislang mit Aussagen bedeckt. Silchester möchte zu diesem Zeitpunkt vorerst keinen Kommentar abgeben, sagte Senior Partner Tim Linehan zu AWP.

Der Berner Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz wertete gegenüber AWP den Wechsel an der Spitze der Credit Suisse als einen geschickten Schachzug des Verwaltungsrats. «Der Auftrag für den Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner lautete, eine vernünftige Lösung zu finden. Er stand nicht nur durch die Medien unter Druck, sondern offenbar auch vonseiten einiger Aktionäre. Es hat mich schlussendlich überrascht, dass der Verwaltungsrat diese Lösung gefunden hat, was von der Stärke des Gremiums zeugt.»

Droht Aktionärsaufstand?

Der angekündigte Wechsel an der Konzernspitze kommt am Markt nicht besonders gut an. Die Aktien der Credit Suisse waren nach der Ankündigung im frühen Handel stark unter Druck, haben ihre Abgaben aber im Handelsverlauf deutlich eingegrenzt. Gegen 15 Uhr betrug das Minus noch 0,5 Prozent auf 12.72 Franken. Einige Analysten schlossen nicht aus, dass die Rochade an der Geschäftsleitungsspitze einigen Grossaktionären sauer aufstossen könnte. Daher befürchten manche Händler, der eine oder andere verprellte Investor könnte sich von Titeln trennen oder es könnte gar zu einem Aktionärsaufstand kommen.

Auch nach Ansicht der ZKB wäre die CS mit Thiam besser gefahren als mit einem neuen CEO, gerade weil Thiam die Kosten derart gut gemanagt habe. Zugute schreibt Analyst Javier Lodeiro dem neuen CS-Chef Thomas Gottstein jedoch, dass seine Schweizer Einheit eine deutliche Gewinnerhöhung vor allem auch durch eine starke Kostenkontrolle erzielt habe.

Kein Strategiewechsel

Die Bank Vontobel kommentierte, dass der Chefwechsel die Dinge bei der CS beruhigen und Vertrauen wiederherstellen dürfte, vor allem auch innerhalb der CS. Zudem habe Gottstein das Schweizer Geschäft stark verbessert. Er hoffe, dass er auch auf Gruppenebene so weitermache, sagte Analyst Andreas Venditti.

Von der CS selbst hiess es, dass es unter dem neuen CEO zu keinem Strategiewechsel kommen werde. Auch die Ziele, die erst im Dezember am Investorentag angepasst wurden, würden beibehalten, sagte Sprecher Sebastian Kistner.

(sda/ob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rakete am 07.02.2020 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Negativ

    Ein Schmierentheater, aber Hauptsache Boni und goldener Fallschirm. Man mag es gar nicht mehr sehen, derweil wir Negativ Zinsen schlucken.

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  • Pierre am 07.02.2020 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sollte eigentlich möglich bald geschehen

    und wäre nur folgerichtig denn Urs Rohner ist aufgrund seiner Unentschlossenheit und Untätigkeit für einen Grossteil des aktuellen CS-Debakels verantwortlich.

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  • Alex Steffen am 07.02.2020 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er ist die noch grössere Pfeife

    Die wahre Pfeife ist Rohner. Von Anfang an eine krasse Fehlbesetzung. Kassiert Millionen für null Leistung. Eine Schande!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Blüm am 08.02.2020 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Auf nimmerwiedersehen

    Endlich ist der weg ! Eine wandelnde Katastrophe war dieser thiam . Bei uns in der Firma dürfte der höchstens den Fußboden wischen .

  • max2 am 08.02.2020 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt nach !!

    Lassen wir uns überraschen kann ja noch schlimmer werden! Das ist nicht ausgeschlossen meine Meinung schönen Abend!

  • Silver Back am 08.02.2020 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe für die CS

    und Rohner ziemlich dunkelgrau.

  • Zukunft? am 08.02.2020 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch egal

    Durch Fintechs, Onlinebanken findet sowieso bald ein gewaltoger Wandel der Bankenbranche statt. Wie wir sie jetzt kennen, kann und wird sie nicht ewig weitermachen.

  • Lukas G. am 08.02.2020 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    bank,...

    Gäbe es eine schlaue alternative zu Banken hätte ich mein Konto schon längst aufgelöst. Viel zu mächtig und Arrogant. Bis dahin sind Banken für mich ein Notwendiges übel, und werden es wahrscheinlich auch bleiben.

    • MacUser am 08.02.2020 21:38 Report Diesen Beitrag melden

      Neobanken

      Alternative gibt es. Neobanken. Zum Beispiel: Bank Cler, den ZAK, Neon, Revolut, etc. Für normale Arbeiter mehr als genug und erst noch größtenteils gratis. Habe die PostFinance auf ende 2019 gekündigt und bereue gar nichts.

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