Beschattungsskandal

01. Oktober 2019 11:49; Akt: 01.10.2019 15:42 Print

«Entlassener CS-Manager ist nur ein Bauernopfer»

von R. Knecht/D. Benz - Bei der Credit Suisse brennts: Manager treten zurück und der VR-Präsident muss sich öffentlich entschuldigen. Die wichtigsten Antworten.

VR-Präsident Rohner entschuldigte sich im Namen der Credit Suisse. (Video: SDA)
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Die Credit Suisse (CS) hat am Dienstagmorgen den Untersuchungsbericht zur Bespitzelungsaffäre um Iqbal Khan präsentiert. Die Untersuchung wurde vom Verwaltungsrat bei den Homburger Rechtsanwälten in Auftrag gegeben und sollte klären, wer innerhalb der Bank alles von der Überwachung des ehemaligen CS-Angestellten gewusst hat.

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Was steht in dem Bericht?

Laut Homburger wussten nur zwei CS-Angestellte von der Überwachung des Ex-Managers Iqbal Khan: Einerseits war das der Chief Operating Officer (COO) Pierre-Olivier Bouée, der den Auftrag zur Überwachung gegeben hatte. Laut der Credit Suisse handelt es sich bei der zweiten Person um den Head of Global Security Services, der den Auftrag von Bouée entgegennahm und ihn an ein Überwachungsunternehmen weitergab. Der Name des CS-Sicherheitschefs lautet Remo Boccali.

Welche Konsequenzen zieht die Credit Suisse?

Pierre-Olivier Bouée tritt als COO der Bank zurück. Auch Sicherheitschef Remo Boccali nimmt den Hut. Zudem will die Bank prüfen, wie man auf Führungsebene künftig verhindern kann, dass Aufträge wie die Überwachung von Khan erteilt und in die Tat umgesetzt werden.

Und was ist mit CEO Tidjane Thiam?

Er erfuhr erst am 18. September von der Überwachung, heisst es im Bericht. Dies, nachdem die Überwachung bereits abgebrochen worden war. Auch der Verwaltungsrat soll erst zu diesem Zeitpunkt von der Angelegenheit erfahren haben. Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig zweifelt jedoch daran, dass Thiam von der Beschattung nichts wusste. «Bouée ist seit 20 Jahren engster Vertrauter von Thiam. Dass dieser nichts von der Beschattung mitgekriegt haben soll, ist völlig unglaubwürdig», sagt Hässig auf Anfrage zu 20 Minuten.

Warum die Zweifel?

Hässig kritisiert vor allem, dass die Chats auf dem Messenger Threema zwischen dem Sicherheitschef der CS und Bouée gelöscht wurden. Damit wurden Beweismittel vernichtet. «Das ist in einem solchen Fall etwas vom Gefährlichsten und Fragwürdigsten, das es gibt», so der Journalist. Für ihn ist klar, dass man dann etwas löscht, wenn es geheim bleiben soll. Die Frage sei nun, ob es noch weitere solche Chats gebe, die gelöscht worden seien. VR-Präsident Rohner sagt hingegen, der Bericht sei trotz Zeitdruck zuverlässig.

Warum nimmt Thiam nicht Stellung zum Bericht?

Seitens der Credit Suisse heisst es, der Homburger-Bericht sei Sache des Verwaltungsrats. Darum war Thiam auch nicht an der dazugehörigen Medienkonferenz zugegen. Ein offizielles Statement vom CS-CEO gibt es nicht. Für Reputationsexperte Bernhard Bauhofer ist es verständlich, dass der Verwaltungsrat in so einer Situation alleine Stellung nimmt.

Müsste Thiam nicht Verantwortung übernehmen?

Doch, glaubt Bauhofer, denn er habe als CEO schliesslich die Führungsverantwortung bei der Bank. Es sei erstaunlich, dass Thiam nichts von der Sache gewusst habe. Doch der Manager sitze bei der Bank dank seiner Erfolge und internationalen Beziehungen in der Branche zu fest im Sattel: «Bei der CS ist eine strategische Neuausrichtung im Gange – da war es dem Verwaltungsrat wohl zu riskant, Thiam an die Luft zu setzen.»

Ist die Sache mit dem Homburger-Bericht jetzt erledigt?

Aus Sicht der Bank dürfte der Fall damit abgehandelt sein, sagt Bauhofer. Man wolle möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Für Journalist Lukas Hässig ist die Sache hingegen noch lange nicht abgeschlossen. Bouée sei nur ein Bauernopfer. Auch zuoberst brauche es einen Wechsel. «Mit Thiam und Rohner in der Führung kann die Bank die Krise nicht bewältigen», sagt Hässig.

Laufen der CS jetzt die Kunden davon?

Laut Maurice Pedergnana, Bankexperte an der Hochschule Luzern, laufen die Kunden aber jetzt nicht in Scharen der CS davon. «Es wird über kurze Frist gesehen keine Massenbewegung geben», sagt er auf Anfrage. Dennoch sieht der Experte die unabhängigen Vermögensverwalter als Gewinner der CS-Affäre. Diese dürften nun grundsätzlich mehr Kunden verzeichnen. «Bei diesen Vermögensverwaltern gibt es weniger Interessenskonflikte und Machtkämpfe. Da stehen vielmehr die Kunden wirklich im Zentrum», so Pedergnana.

Gibt es sonstige bleibende Folgen für die Bank?

Der Schaden ist angerichtet, sagt Bauhofer: «Die Menschen gehen auf Distanz zu den Banken und vor allem zur CS.» Gerade die Tatsache, dass ein Sicherheitsmann aus Angst vor der Bank Suizid beging, zeige, was für ein Umfeld die Branche sei: «Die Menschlichkeit ist auf der Strecke geblieben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • King Bob am 01.10.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach Antwort

    Bei diesem Gehalt ist es kein Wunder, dass er versucht an der Macht zu bleiben. Eine vergleichbare Stelle wird er nie wieder inne haben und das weiß er auch. Weder was den Lohn betrifft, noch was die Macht betrifft, also versucht er dieses Leben noch länger zu erhalten.

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  • T Meier am 01.10.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist so, bleibt so

    weil er Geld hat, Geld regiert die Welt Es war schon immer so und es wird so bleiben, die Reichen werden reicher und die Armen ärmer...

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  • Ramon Magnus am 01.10.2019 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe diese Leute nicht!

    Finanziell komplett unabhängig. Können sich jegliche Freiheiten, Reisen, damit meine ich Lebenszeit kaufen. Warum kriegt ihr den Hals nicht voll? Wann ist genug? Wann erkennt ihr, dass täglich Millionen von Menschen sich kaum über Wasser halten können. Dies auch dank eurer Mitschuld. Was sind dies nur für undankbare Menschen. Ich bin kein Neider, es ist einfach unbegreiflich. Beste Grüsse

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pippo am 01.10.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur eine Waffe ...

    Geld abziehen, punkt.

  • Rozi am 01.10.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch oder Richtig

    Ja Bankmanager sollte man sein wohlbehoben und ohne Geldsorgen. Wann hört das auf diese Besoldungen und intrigen in der Bankenwelt. Rechne man mal das Gehalt der obersten eine solchen institution dann wird einem Bange. Stellen wir uns einmal die Frage was ist falsch hier.

  • Peterryan am 01.10.2019 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CS Manager

    Geld bedeutet auch Macht über Andere, Wirtschaft und auch Politik. Die glauben und meinen über den Gesetzen zu stehen. Mal hier mal da bisschen mit Fränkli nachhelfen und schon flutscht es zu Deren Gunsten. Wenn's sein muss geht man auch über Leichen, und Existenzen haben eh keinen Stellenwert bei der Sorte Mensch.

  • Chris am 01.10.2019 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauernopfer

    Und wie viel Geld bekommt er als Abfindung?

  • Bonifatz am 01.10.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hey nei..

    Das kann doch nicht wahr sein. Schmeisst den jetzt ENDLICH raus!