Ausbildung, Image, Lohn

06. Juni 2019 11:22; Akt: 06.06.2019 12:43 Print

«Piloten fühlen sich heute wie Bus-Chauffeure»

von Raphael Knecht - Piloten sind gesucht wie nie. Leser vermuten, dass das an schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen liegt.

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Die anhaltend hohe Nachfrage nach Piloten in den kommenden Jahren stellt die Fluggesellschaft Swiss vor eine Herausforderung. Der Flugzeughersteller Boeing hat in einer Studie prognostiziert, dass allein in Europa in den nächsten 20 Jahren 146'000 neue Piloten benötigt werden. Weltweit sind es rund 790'000 Piloten. Mit einer neuen Kampagne sucht die Swiss vor allem auf Online-Kanälen und Social Media Nachwuchspiloten. «Die Kampagne zielt auf 18- bis 30-jährige Personen in der Schweiz ab», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller zu 20 Minuten. Das Anforderungsprofil an Piloten hat sich gelockert. So muss man heute nicht mehr studiert haben, um sich als Pilot zu bewerben. Auch eine Matura oder ein Lehrabschluss reichen. «Wir haben derzeit über 70 Prozent Pilotinnen und Piloten mit Schweizer Nationalität im Cockpit und möchten dieses Niveau auch zukünftig halten», sagt Müller. Neue Swiss-Piloten würden nur aus der Flugschule der Airline selbst stammen. Mit den Ticketpreisen hätten die Löhne der Piloten nichts zu tun: Sie würden in mehrjährigen Gesamtarbeitsverträgen festgehalten, die mit der Ticketpreissteuerung in keinem Zusammenhang ständen. Beim Swiss-Captain liegt das Salär auf der Kurzstrecke bei rund 148'000 Franken und auf der Langstrecke bei rund 210'000 Franken. Im Verlauf der Karriere verdiene ein Pilot also immer noch über 200'000 Franken. Der Beruf habe sich mit der Zeit gewandelt, räumt die Swiss-Sprecherin ein. Aber: «Für viele ist der Job immer noch ein Traumberuf.» Bei der Swiss hätten Piloten die Möglichkeit, ihren Einsatzplan zu beeinflussen. Um das Privatleben individueller zu gestalten, gebe es zudem unterschiedliche Teilzeitmodelle. Die Swiss versuche, den Schülerinnen entgegenzukommen: So würde ihnen während der Flugphasen die Unterkunft zur Verfügung gestellt – etwa in Grenchen oder Florida.

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Die Swiss hat eine Kampagne lanciert, mit der die Airline nach Nachwuchspiloten sucht (siehe Box). Grund ist laut Swiss der steigende Bedarf. Leser vermuten aber auch, dass der Pilotenjob härter geworden und schlechter bezahlt sei. Die Airline nimmt Stellung zu den Lesermeinungen:

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Fliegen ist zu billig

Leser Pesche: «Fliegen sollte das Doppelte kosten. Dann hätten die Piloten einen anständigen Lohn.»

Swiss: Den Lohn für die Piloten verhandele die Swiss mit dem Sozialpartner, sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. Die Löhne würden in mehrjährigen Gesamtarbeitsverträgen festgehalten, die mit der Ticketpreissteuerung in keinem Zusammenhang ständen.

Schlechte Löhne

Leser Fred: «Die Airlines senken die Löhne – kein Wunder gibt es zu wenige Piloten.»

Swiss: Bei der Swiss verdient laut der Firmen-Sprecherin jeder ausgebildete Pilot als Co-Pilot rund 76'000 Franken im Jahr. Beim Captain liegt das Salär auf der Kurzstrecke bei rund 148'000 Franken und auf der Langstrecke bei rund 210'000 Franken. Im Verlauf der Karriere komme ein Pilot also immer noch auf über 200'000 Franken, so Müller.

Traumberuf?

Leser Thomas: «Pilot ist doch kein Traumberuf. Bei drei oder mehr Kurzstrecken pro Tag fühlt man sich wie ein Bus-Chauffeur.»

Swiss: Der Beruf habe sich mit der Zeit gewandelt, räumt die Swiss-Sprecherin ein. Aber: «Für viele ist der Job immer noch ein Traumberuf.» So seien etwa die Berufsinformationsanlässe der Airline weiterhin sehr beliebt.

Keine Familie

Pascal: «Ich wäre gern Pilot geworden. Aber das ist nicht möglich, wenn man eine Familie gründen will.»

Swiss: Bei der Swiss haben Piloten die Möglichkeit, ihren Einsatzplan zu beeinflussen, so die Sprecherin. Um das Privatleben individueller zu gestalten, gebe es zudem unterschiedliche Teilzeitmodelle.

Teure Ausbildung

Leser Mario: «Die Swiss wirbt damit, dass die Ausbildungskosten teilweise übernommen werden. Dabei kommt das Geld vom Bund, nicht von der Swiss.»

Swiss: Die Airline übernehme 30'000 Franken, der Bund maximal 60'000 Franken. Insgesamt koste die Ausbildung 120'000 Franken. Die restlichen 30'000 Franken seien aber nicht sofort zu begleichen, sondern würden bei der Swiss später vom Lohn als Co-Pilot abgezogen.

Kostenbeteiligung

Leser Anwerter: «Wieso müssen Pilotenanwärter einen Teil der Ausbildung selbst übernehmen? Bei Berufslehren ist das doch auch nicht der Fall.»

Swiss: Die Pilotenausbildung sei eine Weiterbildung, betont Müller. Entsprechend sei sie mit ähnlichen Fortbildungen nach der Erst- oder Zweitausbildung zu vergleichen. Bei Weiterbildungen ist eine Kostenbeteiligung oft üblich.

Piloten aus dem Ausland

Leser Pumpkin: «Die Swiss will uns vorgaukeln, es gebe in der Schweiz keine Piloten – damit sie dann günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland einstellen kann.»

Swiss: Diesen Vorwurf dementiert die Airline: «Wir haben derzeit über 70 Prozent Pilotinnen und Piloten mit Schweizer Nationalität im Cockpit und möchten dieses Niveau auch zukünftig halten», sagt Müller. Neue Swiss-Piloten würden nur aus der Flugschule der Airline selbst stammen. Bereits ausgebildete Piloten könnten sich auch gar nicht bewerben, es sei denn, es gebe einen kurzfristigen Bedarf, wie das etwa nach der Übernahme von Air-Berlin-Flugzeugen der Fall war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver Schmid am 06.06.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traumberuf seit Kindheit

    Hoffe das der Traum Pilot zu werden kommen wird Bewerbungen gesendet und infoabend angemeldet Nun muss es nur klappen

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  • Ruedi am 06.06.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    ja klar....

    es ist wie bei der UBS und CS, je erfolgreicher die Bank, desto höher die Boni (haha :-)

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  • Echter Pilot am 06.06.2019 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pilotenlöhne

    Es ist richtig ein Pilot verdient im ersten Dienstjahr 76'538.-. Davon werden in den ersten rund 4 Jahre 1000.- pro monat abgezogen für die Finanzierung der Ausbildung. Zusammen mit den Sozialabgaben erhalt ein Pilot im ersten Dienstjahr rund 58'000.- Netto. Also durchaus vergleichbar mit einem Lehrberuf nach einigen Jahren Erfahrung. Die genannten 210'000 sind als Bruttolohn korrekt allerdings erst nach 27 Dienstjahren. Was viele aufgrund der Pensionierung gar nicht erleben oder weil sie wegen der hohen Arbeitsbelastung ihr Pensum bereits vorher reduziert haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo am 07.06.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Resumé

    Ich habe mir die Mühe gemacht, alle Kommentare nochmals zu lesen. Ich weiss, viele werden nun denken, der ist verrückt. Das bin ich wahrscheinlich auch. Aber eine Feststellung erscheint mir doch noch wichtig. Viele Kommentare, die das Berufsbild des Piloten abwerten, wurden erkennbar mehrfach von den gleichen Personen gepostet.

  • peter am 07.06.2019 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf dem teppich bleiben...

    Ich bin Buschauffeur. Aber wir sollten mal realistisch bleiben. 95% aller Piloten könnten meinen Job machen. Aber nur 5% von uns könnten vielleicht Pilot werden. Alle Jobs haben Respekt verdient.

  • Pierre am 07.06.2019 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es denn wesentliche Unterschiede

    zwischen den Piloten von Verkehrsflugzeugen und Buschauffeuren - ausser in deren Bezahlung?

  • reufu am 07.06.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistiken der Flug Unfälle bewisen;

    Piloten SIND Buschauffeure, völlig überbewertet, wieso? die allermeisten Flugunfälle sind die Folge menschlichen Versagens

  • Wolfgang am 07.06.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Die vielen Kommentare auf diesen Artikel, ob negativ oder positiv zeigen zumindest auf, dass der Pilotenberuf immer noch als etwas besonderes wahrgenommen wird und deshalb sehr viele Leute sensibilisiert. Oder kommentiert ihr ein Berufsbild, das euch gar nicht interessiert? Das wäre echt weniger glaubhaft.