Notverordnung

16. Dezember 2019 04:42; Akt: 16.12.2019 16:25 Print

Italien rettet die Banca Popolare di Bari

Mit einer Notverordnung stellt die italienische Regierung 900 Millionen Euro bereit, um der Banca Popolare di Bari unter die Arme zu greifen.

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«Die Regierung ist auf der Seite der Sparer und Mitarbeiter der Banca Popolare di Bari und ist zum Wohle der Wirtschaft im Süden verpflichtet, sie wiederzubeleben»: Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri. (Archivbild) (Bild: Keystone/Fabio Frustaci)

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Italien greift erneut einer kriselnden Bank unter die Arme. Die Regierung genehmigte am Sonntag eine Notverordnung zur Rettung der Volksbank Banca Popolare di Bari und stellte Finanzhilfen von bis zu 900 Millionen Euro bereit.

Das Institut war wegen seines Bergs an faulen Krediten in Schieflage geraten. Die italienische Zentralbank hatte den grössten Kreditgeber in Italiens Süden am Freitag unter Sonderverwaltung gestellt. «Die Regierung ist auf der Seite der Sparer und Mitarbeiter der Banca Popolare di Bari und ist zum Wohl der Wirtschaft im Süden verpflichtet, sie wiederzubeleben», sagte Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri.

Nach dem am Sonntagabend vom Ministerrat beschlossenen Dekret sollen die Mittel aus dem Finanzministerium allerdings nicht direkt an die Bank fliessen. Vielmehr soll damit das Kapital der staatlichen Entwicklungsbank Banca del Mezzogiorno-Mediocredito Centrale (MCC) erhöht werden. Diese soll so gemeinsam mit dem Einlagensicherungsfonds FITD und möglichen anderen Investoren die Sanierung der Volksbank in Bari übernehmen können. Sie soll auch eine stärkere Rolle bei der Förderung des Mezzogiorno, des strukturschwachen italienischen Südens, übernehmen.

«Kranke» Bilanzen

Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» stand das Institut in Bari wegen seiner «kranken» Bilanzen schon seit längerem unter Beobachtung. In den vergangenen vier Jahren hätten sich Verluste von einer Milliarde Euro angehäuft. Die harte Kernkapitalquote (CET1) sei auf sehr niedrige 6,22 Prozent gesunken. Italien hat seit 2016 mehrere Banken des Landes vor dem Zusammenbruch gerettet.

Darunter ist auch die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, die 2017 mit einem acht Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Kollaps bewahrt wurde. Die damals oppositionelle populistische 5-Sterne-Bewegung hatte die Staatshilfen als Verschwendung von Steuergeldern bezeichnet. Inzwischen regieren die 5 Sterne zusammen mit den Sozialdemokraten (PD). Die Staatshilfe für die Banca Popolare die Bari dürfte das Verhältnis der Koalitionspartner belasten. Noch am Freitag hatte Ministerpräsident Giuseppe Conte erklärt, der Bankenbranche gehe es gut, staatliche Rettungsaktionen seien nicht nötig.

Innerhalb der Europäischen Union (EU) sind Bankeinlagen bis zu 100'000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Im Falle Bari gibt es aber laut Presseberichten rund 70'000 Kleinsparer, die ihr Geld nicht auf Sparkonten angelegt, sondern in Anteilsscheine an der Bank investiert haben. Diesen Kleinaktionären könnte bei einem Zusammenbruch der Bank der Totalverlust drohen. Dies hätte auch schwere soziale Auswirkungen in der Region im Mezzogiorno.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mungge mügerli am 16.12.2019 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Tea Time

    Die EU diskutiert eine Bankenunion. UK und CH wünschen viel Glück.

  • Cris am 16.12.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    augenwischerei

    Auch in der Schweiz gibts diese 'garantierten' 100'000 CHF - was niemand sagen will, ist dass die nur bis zum Totalbetrag von 6Milliarden versichert sind (reicht also für ca 1% der Bevölkerung) und dass diese 6 Milliarden auch erst NACH einem Bankencrash geäufnet werden. Woher die dann kommen sollen wenn alle pleite sind, sagt niemand... Sie kommen aus erneuter Verschuldung bei Banken, die die Zahl aus dem Nichts in einen Computer eintippen und uns dann 'ausleihen'...

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  • Kain am 16.12.2019 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Politik der EZB

    Durch die Nullzins-Politik der EZB würde das Geschäftsmodell der Banken, das Zinsdifferenzgeschäft, de Facto zerstört und die Banken im klassischen Spar- und Kreditgeschäft zombifiziert. Nur die Zockerbanken profitieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Freier Mensch am 20.12.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Geht die Bank Konkurs,

    werden alle Guthaben sofort fällig. Betrifft insbesondere die Hypotheken. Habt Ihr das gewusst?

  • Fauler Apfel fällt nicht weit vom Stamm am 19.12.2019 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Faule Kredite

    Die Banken Italiens haben Kredite in Höhe von 360 Mrd. Euro vergeben, die nie wieder zurückbezahlt werden. Warum? Das Prellen von Schulden ist in Italien ein Kavaliersdelikt und gesellschaftlich nicht geächtet. Aufsichtsratsposten in Banken werden an Kommunalpolitiker vergeben, die Posten und Salär einstreichen - aber Bilanzen weder lesen noch verstehen können.

  • Don Luigi am 18.12.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PWC dollten jährlich die Banken prüfen itslien

    In Italien sollte PWC jedes Jahr die Bücher prüfen alle Banken in Italien .

  • Don Luigi am 17.12.2019 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leute das passiert überall über den grossen bis üb

    Leute Leute wer sackt das Geld ein ?? Das passiert nicht nur in italien würde ich sagen das ist ein tüpischer fall Leute . Hallo direktor Mario wenn du mir das geld gibst gebe ich Dir auf dein Konto 1 mio als dankeschön. Usw usw usw usw hallo herr Meier ich brauche das Geld dafür gebe ich ihnen 10 wohnungen usw usw usw Leite Leute das problem sind wir Menschen und wenn man Gierig ist ....

    • Supermario am 17.12.2019 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      Warum machst du nicht den Anfang??

      Leute, Leute, dann gib mir doch mal eine Mio., wenn das so einfach ist. Ich warte!!!

    • Don Luigi am 18.12.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Habe ich doch gesagt das ist nicht die einzige Ban

      Täuschung und Betrug sind offenbar die Ursachen der neusten Bankpleite in Italien die jetzt allerdings mit Einspringen des Staates nicht vollzogen wird. Zwei Fragen stellen sich im Fall der Banca Popolare di Bari (BPB): Warum hat die Zentralbank die drohende Bankpleite nicht erkannt und nicht abgewendet? Warum greift jetzt stattdessen die Regierung ein und rettet die Bank? Einige Vermutungen kann man jetzt schon anstellen, genauere Antworten werden die nun anlaufenden Untersuchungen und Gerichtsverfahren ergeben.

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  • DIE DUMME am 16.12.2019 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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