Addio, Tesoro

23. August 2012 14:09; Akt: 23.08.2012 14:37 Print

Italiens Familien-Gold fliesst in die Schweiz

In der Krise bringen Italiener ihren Schmuck zu windigen Goldhändlern. Ein Grossteil des Edelmetalls landet in der Schweiz – Gold ist die italienische Exportware mit der höchsten Zuwachsrate.

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Traditionell hat Italien eine der höchsten Raten von Goldschmuck in Privatbesitz. Nun wird die Schatulle in Bargeld umgemünzt. (Bild: Keystone)

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Die Zahl der Goldhändler ist ein verlässlicher Indikator für die Not im Land – und sie ist in Italien zuletzt geradezu explodiert. Laut Medienberichten soll es 28 000 dieser «Cash for Gold»-Händler geben. Klamme Italiener bringen ihren Familienschmuck in die Geschäfte, um Bargeld zu lösen.

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Goldankaufsstellen gibt es mittlerweile an den besten Lagen, die bisher für traditionelle Juweliergeschäfte bekannt waren – sogar auf dem Ponte Vecchio in Florenz. Auch die TV-Kanäle werden überschwemmt von einer Branche, die einen Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro machen soll. Experten sind der Ansicht, der kaum reglementierte und von der Mehrwertsteuer befreite Markt werde mindestens zur Hälfte von der Mafia kontrolliert.

Exportware mit der höchsten Zuwachsrate

Ist das Familiengold einmal eingeschmolzen und zu Barren geformt, gelangt der Grossteil davon in die Schweiz – legal oder als Schmuggelware. Legal wurden laut Angaben aus Rom im vergangenen Jahr 120 Tonnen italienisches Gold in die Schweiz verkauft, 2010 waren es 73 Tonnen, 2009 nur 64 Tonnen gewesen. Wie viel italienisches Gold illegal in die Schweiz gelangt, ist unbekannt. So oder so: Gold ist die italienische Exportware mit der höchsten Zuwachsrate.

Wie viel Gold aus welchen Ländern in Schweizer Tresoren landet, ist eigentlich ein gut gehütetes Geheimnis. Die Schweiz führt zwar eine Spezialstatistik über den Goldhandel, veröffentlicht jedoch keine Länderaufteilung. «Anfang der Achtzigerjahre hat sich der Bundesrat zum Schutz der Schweizer Banken zu dieser Massnahme entschlossen», sagt Matthias Pfammatter von der Eidgenössischen Oberzolldirektion zu 20 Minuten Online. Im damals turbulenten Goldmarkt wollte man dem konkurrierenden Finanzplatz London, der seinerseits mit Informationen geizte, nicht zu viel preisgeben.

Boomende Branche für kriminelle Organisationen

Im ersten Halbjahr 2012 wurde laut offizieller Statistik Gold im Wert von insgesamt 42,1 Milliarden Franken in die Schweiz eingeführt, was rund 1104 Tonnen entspricht. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum belief sich der Wert auf 42,4 Milliarden Franken oder 1277 Tonnen. «Trotz dieser leichten Abnahme sind Mehrimporte aus Italien möglich, zumal hier die Goldhandelspartner wechseln können», so Pfamatter.

Der Kreis jener, die genau über den «italienischen Goldrausch» Bescheid wissen, ist sehr klein: Lediglich der Oberzolldirektor, der Bundesrat und wichtige Funktionäre im Finanzdepartement und Aussendepartement kennen die Ziffern. «Den Banken liefern wir diese Zahlen nicht», so Pfammatter.

Die vom italienischen Zoll beschlagnahmten Goldmengen stiegen 2011 nach offiziellen Zahlen um 50 Prozent. «Der Goldhandel ist eine boomende Branche für kriminelle Organisationen. Geschmuggeltes Gold überschwemmt die ganze Welt, aber vor allem Länder, in denen es gegen Waffen und Drogen getauscht werden kann», sagt Ranieri Razzante, Leiter der Anti-Geldwäscheorganisation AIRA.

Viel Goldschmuck zuhause

Nach Angaben der italienischen Goldschmiedegilde ANOPO kommt «fast das ganze exportierte Gold von Händlern, die es gegen Geld tauschen». Ivana Ciabatti, Beauftragte für Goldschmiede beim Arbeitgeberverband Confindustria, sagt, Italien sei «eine wahre Goldmine geworden». Es sei unbedingt notwendig, gegen die kriminellen Elemente der Branche zu kämpfen.

Traditionell haben die Italiener viel Gold in Form von Schmuck zuhause. «Familien mit Liquiditätsproblemen können jetzt sehr einfach ihren alten Schmuck verkaufen», sagt die Analystin Alessandra Pilloni vom Londoner Online-Goldhändler Bullion Vault. Der Goldpreis lädt dazu ein: Er ist von rund 300 US-Dollar je Unze (28,34 Gramm) im Jahr 2008 auf 1900 Dollar im Sommer 2011 gestiegen. Derzeit liegt der Preis bei 1660 Dollar je Unze.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. L. von Z. am 23.08.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gesteuerte Kampagne

    Auch dies kann man getrost als von It gesteuerte Kampagne abstemplen. Das die meisten Melungen nicht wahr oder sehr übertrieben sind, liegt auf der Hand. Nicht, dass nicht in kleinerem Umfang Schmuggel von Geld und Gold aus dem Süden in die Schweiz gäbe. Aber das ist keinesfalls einen riesen Aufwand wert. "Krieg" mit gezielten Falschmeldungen über angebliche Aktionen und Erfolge ist sehr billig. Die Presse ist ja willfährig, ohne lange zu recherieren. Siehe inflationäre Meldungen über den Kauf von CD's mit Daten von Steuerbetrügern aus NRW. Verzweiflungstaten linker Politiker.

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  • Michele am 23.08.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    In Italien wird aufgeräumt !

    Man könnte das Gold genau so gut aus dem Fenster werfen! CH ist nicht mehr sicher, so viel ist klar! Ausserdem sollten die Schweizer Banken gut aufpassen, mit Italien ist im Moment nicht zu scherzen. Die machen ernst! Was ich da alles gehört und selber erlebt habe, das würde mir keiner glauben ! Die Situation wird Eskalieren, falls CH Schwarzgeld aus Italien annimmt ! Ist nur eine Frage der Zeit, bis es gewaltig kracht zwischen den beiden Länder! Im Moment interessiert sich auch keiner, wie viele Ita. Politiker, da ans Messer geliefert werden ! Mario Monti ist dass völlig egal !! Aufräumen

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  • Zoe. am 23.08.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ital. denken immer noch CH sei sicher!?

    Doch die Schweiz ist längst nicht mehr sicher. Ich als Italiener würde mein Geld lieber in den Iran bringen, dort können nicht mal die USA etwas anrichten. Die Schweiz knickt doch bei jeder Drohung ein. Ich würde den CH Banken und noch weniger der CH Politik gar nicht mehr vertrauen. Aber als CHler und nicht minimalem Vermögen kann mir ja hier nicht viel passieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lesram. am 23.08.2012 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gold Wert

    Meiner Meinung ist klar, die Schweiz ist Gold Wert. Die EU hat sich selbst ein Ei gelegt für die Schweiz ein Goldiges. Es zeig welche Länder die nicht bei der EU sind oder die die wollen" mit Schulden" Profitieren.

  • JustTruth am 23.08.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    The swiss way of Business

    Haben wir ein Glück, dass die Schweiz schon immer ein gutes "Schwarzgeldversteck" war. Hoffen wir mal es läuft so wie im 2. Weltkrieg. Klingt makaber, ist aber Realität!

    • Steff am 23.08.2012 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zu einfach

      Also wenn einer Gold ankauft das illegal ausgeführt wurde trifft die Schuld einzig den Käufer? Wohl kaum. Aber schön wenn man die Welt so einfach sehen kann :-)

    • Heino der II. am 23.08.2012 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso Schwarzgeld?

      Wieso muss denn immer jedes Geld, das gebunkert wird, "schwarz" sein? Ich besitze kein "Schwarzgeld", bunkere es aber trotzdem gerne vor Zugriff geschützt. Genau deshalb, weil man nie weiss, welches Regime bald seine Pranken danach ausstreckt.

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  • B. L. von Z. am 23.08.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gesteuerte Kampagne

    Auch dies kann man getrost als von It gesteuerte Kampagne abstemplen. Das die meisten Melungen nicht wahr oder sehr übertrieben sind, liegt auf der Hand. Nicht, dass nicht in kleinerem Umfang Schmuggel von Geld und Gold aus dem Süden in die Schweiz gäbe. Aber das ist keinesfalls einen riesen Aufwand wert. "Krieg" mit gezielten Falschmeldungen über angebliche Aktionen und Erfolge ist sehr billig. Die Presse ist ja willfährig, ohne lange zu recherieren. Siehe inflationäre Meldungen über den Kauf von CD's mit Daten von Steuerbetrügern aus NRW. Verzweiflungstaten linker Politiker.

    • Weckdienst am 23.08.2012 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Jäää....

      Vorsicht! In Italien wird es für Vermögende langsam ebenso ungemütlich wie in D. btw.... wenn Du heute in Italien aus dem Laden kommst, Artikel für 2 Euro 20 in der Tasche hast und keine Quittung dafür, kann es Aerger geben, wenn Dich die Steuerfahnder vor dem Laden abfangen. Das ist kein übler Scherz, sondern erlebte Realität.

    • miriam z. am 23.08.2012 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      die finanza schlaeft

      schade nur dass die "finanza" sich so gut wie nie fuer kontrollen der quittungen auf die strasse wagt...

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  • Michele am 23.08.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    In Italien wird aufgeräumt !

    Man könnte das Gold genau so gut aus dem Fenster werfen! CH ist nicht mehr sicher, so viel ist klar! Ausserdem sollten die Schweizer Banken gut aufpassen, mit Italien ist im Moment nicht zu scherzen. Die machen ernst! Was ich da alles gehört und selber erlebt habe, das würde mir keiner glauben ! Die Situation wird Eskalieren, falls CH Schwarzgeld aus Italien annimmt ! Ist nur eine Frage der Zeit, bis es gewaltig kracht zwischen den beiden Länder! Im Moment interessiert sich auch keiner, wie viele Ita. Politiker, da ans Messer geliefert werden ! Mario Monti ist dass völlig egal !! Aufräumen

    • Mike am 23.08.2012 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ????

      Verstehe ich nicht. Die haben es als Barren verkauft um an Geld zu kommen. Die Schweiz müsste ja dafür nicht sicher sein. Warum auch. Man kann die Barren auch wieder aus den USA zurück kaufen. ;-)

    • Michele am 23.08.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      !!!!

      Ja genau Mike :0) Das Geld nehmen Sie dann wieder mit nach Italien und deklarieren alles schön Brav ! Die Schweizerbanken fragen auch, woher das Gold kommt ! Und am ende leben Sie gesund und glücklich bis ans Ende Ihres Lebens "Geschichte finito"

    • Müller Vreni am 23.08.2012 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      Investor

      Italien kann froh sein, wenn es seinen Staatsbankrott irgendwie mit möglichst wenig Schaden übersteht. Die neue Lire wird kommen, die Italiener enteignet, von den eigenen Politikern. Eine Illusion zu glauben, alles würde besser. Wird so passieren !

    • Michele am 23.08.2012 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja ?

      @Vreni Ich bete zu Gott, dass es nicht passieren wird ! Geht Italien Bankrott ist die EU Bankrott... Wir würden in eine Rezession rutschen, wie wir sie noch nie gesehen haben in Europa. Der Rest der Geschichte, können Sie fertig denken ! So viel ist klar, es wird auch für die Schweiz kein Happy End geben !! Falls es soweit kommen wird, hoffe ich nur, dass Sie genug Essen gebunkert haben !

    • Rösli Köhl am 23.08.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Michele

      Beten nüzt nix, das beschriebene Szenario kommt mit mathematischer Gewissheit.

    • Mogo am 23.08.2012 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Rösli Köhl

      ja, und das weltweit

    • Supermario am 24.08.2012 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Lachhaft

      Und wie bitteschön erkennt der Michele, ob nun eine Euronote schwarz oder weiss ist??? Die "Schweiz" im übrigen nimmt gar kein Anlagegeld an; sondern "nur" die Banken. Die "Schweiz" kannst du (oder auch Monti) wohl nur schwer hinter Gitter stecken :-)

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  • ich wars am 23.08.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    HÄTTEN DIE....

    doch nur immer braf alle Steuern bezahlt - dann wäre das Land sicherlich etwas besser dran.

    • manu am 23.08.2012 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      das ist leider nicht nur in italien so

      auch hier gibt es einige, die ihrer pflicht, zumindest nicht in vollem umfang nachgekommen sind. in diesem sinne danke an alle steuerhinterzieher für die staatsschulden und deren zinsen.

    • Calabrese am 23.08.2012 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      Glaub mir..

      Als wäre dies das einzige Problem?! Wenn du der Mafia ausgeliefert bist, hast du kein Geld um Steuern zu zahlen! Vor wem hat man wohl mehr angst? Korrupte Politiker und die Mafia oder die sauberen Politiker? Diese Frage beantwortet sich von selbst.

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